Es ist allgemein bekannt, dass KI-Unternehmen an der drastischen Verteuerung von DRAM um 300% und mehr schuld sind - aber warum erfolgt diese Teuerung erst jetzt und so plötzlich? Und was genau hat sie verursacht? Das Technikblog Moore´s Law Is Dead erklärt den sehr interessanten Hintergrund der Krise.

Am 1. Oktober hatte OpenAI ziemlich überraschend für die Fachwelt bekanntgegeben, durch Deals mit zwei der größten Speicherhersteller (Samsung und SK hynix, die zusammen 70% des globalen Speichers herstellen) bis zu 900.000 Wafern (pro Monat !) aufzukaufen. Überraschend sogar für die beiden Hersteller, die von OpenAI über den Vertrag mit dem jeweils anderen im Dunklen gelassen wurden, um die wahre Bedeutung der Deals zu verschleiern (und den Preis niedrig zu halten). Denn das über die beiden Deals gekaufte RAM entspricht rund 40% der globalen monatlichen DRAM Produktion - Speicher, der dem Markt und den direkten Konkurrenten von OpenAI plötzlich fehlt.
Offiziell will OpenAI das DRAM für sein Stargate Project nutzen, in dessen Rahmen bis 2029 die gigantische Summe von 500 Milliarden Dollar investiert werden soll, um KI Rechenzentren zu bauen. Dafür sollen über die USA verteilt Rechenzentren mit bis zu 10 Gigawatt Rechenkapazität gebaut werden. Benötigt wird dafür eine gewaltige Anzahl von GPUs und auch dem zugehörigen RAM.
Panik auf dem Speichermarkt
Der plötzliche Wegfall eines bedeutenden Teils der DRAM-Produktion für den freien Markt löste kurz nach dem Deal einen weiteren Faktor für den Preisanstieg aus: alle im großen Maßstab auf DRAM angewiesenen Firmen - wie Konkurrenten von OpenAI oder auch Hersteller von PCs - gerieten in Panik. Denn wenn so gewaltige Deals hinter ihrem Rücken eingefädelt werden konnten, welche unter Verschluss gehaltenen, weiteren DRAM Deals waren wohl noch in der Schwebe? Diese Angst führte zu - ebenfalls geheimgehaltenen - Großkäufen von DRAM, um nicht mit leeren Händen dazustehen und womöglich nicht in der Lage zu sein, ohne entsprechendes DRAM sein Produkt herstellen zu können. Dies führte zu einer weiteren Verknappung des auf dem Markt verfügbaren Speichers.
Knappe Reserven
Dazu kam die Tatsache, dass der DRAM-Markt weniger Reserven als normalerweise hatte. Die Gründe waren das Trumpsche Zollchaos, auf das Firmen mit weniger Vorratshaltung reagierten und die - vor dem OpenIA Speicherkauf - stetig fallenden Preise für DRAM. Zudem verkauften die großen Speicherhersteller nicht, wie sonst üblich, ihr bei einem Upgrade auf die neueste Technologie frei gewordenes altes Equipment zur Herstellung von Speicher an kleinere Hersteller - aus Angst vor Strafen durch die Trump Regierung. Diese standen somit jetzt nicht zur Produktion von DRAM zur Verfügung.
Diese verketteten Faktoren führten zum rapiden Anstieg der Speicherpreise ab Oktober.
Warum Rohe Wafer statt fertiger Speicherbausteine?
// Top-News auf einen Blick:
- Samsung Portable SSD P9 - Erste mobile USB4-Festplatte mit 8 TB
- PixVerse-R1 - interaktive Welt per Prompt in Echtzeit generieren und erkunden
- Behringer FLOW 4V: Mobiler 10-Spur-Recorder/Mixer mit 32-Bit-Float
- Verklagt Nikon Viltrox wegen Patentverletzung des Z-Mounts?
- Novachips zeigt erste 2 und 4 TB CFexpress-4.0-Karten mit VPG-800-Zertifizierung
- Apple stellt Creator Studio vor - Abomodell für Final Cut Pro, Motion, Logic Pro

Konkurrenz ausschalten durch Knappheit?
Nachdem OpenAI in letzter Zeit arg unter Konkurrenzdruck geraten ist - durch das chinesische DeepSeek und zuletzt durch Googles neues Gemini 3 Modell -, während sich die eigenen enormen Investitionen auszahlen müssen, wäre es nicht unvorstellbar, dass Sam Altmann mit diesem spektakulären Speicher-Deal einen anderen Weg probieren möchte, um der Konkurrenz voraus zu sein - wenn nicht durch eine bessere KI, dann wenigstens durch mehr Rechenleistung. Das könnte klappen - allerdings ist der Kollateralschaden für ganze Wirtschaftszweige und natürlich auch viele Endanwender enorm.

Was sind die Folgen für RAM, SSDs, GPUs,...?
Primär: auf absehbare Zeit weiter steigende Preise für Speicher, denn es gibt keine Vorräte und das Hochfahren der Produktion durch verschiedene Formen dauert 6-9 Monate. Bis diese Produktion wirklich in großen Stückzahlen sich auf dem Markt auswirkt, wird es teuer (so ist etwa - beispielhaft für die Teuerung - der Preis von Crucial 32 GB DDR5 RAM von rund 78 Euro im September jetzt bis auf aktuell 302 Euro angestiegen) - womöglich noch bis Mitte 2027 könnte die aktuelle Speicherkrise dauern. Und die Speichergrößen Samsung und SK Hynix wollen sogar den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten nicht beschleunigen, da sie Überkapazitäten fürchten.
Logischerweise werden dadurch nun alle Produkte knapper und teurer, die Speicherbausteine nutzen wie Grafikkarten, PCs (zumindest kleinerer Firmen, die keine festen längerfristigen Lieferverträge oder Vorräte haben wie größere Hersteller). AMDs GPUs kommen ohne Speicher zu den OEMs und könnten deswegen bald Probleme aufgrund von knappem Speicher bekommen. Aber auch Nvidias kommende Grafikkartenmodelle, wie die RTX 5080 Super mit 24 GB, soll verschoben sein auf das dritte Quartal aufgrund mangelnden Speichers. SSDs werden ebenfalls teurer, denn ihre Preise folgen denen von DRAM und werden zudem durch die großen Nachfrage von Hyperscalern knapp. Schon jetzt hat ihre Verteuerung angefangen - in der Folge werden auch klassische Festplatten teuer - auch hier sieht man bereits steigende Preise.
Was tun? Schnell kaufen?
Wer vorhatte, sich bald einen neuen Laptop, PC, Smartphone oder auch nur Speicherbausteine oder SSDs zu kaufen, sollte wahrscheinlich schnell zuschlagen, denn die Preise dürften vorerst immer weiter ansteigen. So wollen große PC-Hersteller wie unter anderem Dell, Lenovo und HP ihre Preise erhöhen aufgrund der steigenden Kosten für die einzelnen Komponenten wie RAM, GPUs, SSDs und HDDs, für die nur begrenzt noch Reserven bestehen.
Dell will schon Mitte Dezember viele Preise um 15-20% erhöhen. Die chinesischen Smartphone Hersteller Xiaomi und Redmi haben ihren Kunden bereits Preisanstiege für nächstes Jahr von 20% bis 30% aufgrund der hohen Speicherpreise angekündigt. Und sogar https://www.pcworld.com/article/2998935/ram-is-so-expensive-samsung-wont-even-sell-it-to-samsung.html (Samsungs Mobildivision bekommt von der eigenen Speichersparte nicht genügend Speicher im geplanten Maße für neue Galaxy Smartphones, weil andere Kunden wie Hyperscaler bereit sind, mehr dafür zu zahlen.


















