Bei seiner NAB Vorschau stellte Blackmagic Design eine interessante, neue Applikation als erste Betaversion vor: "Fairlight Live" ist ein softwarebasierter Digitalmixer, der bis auf weiteres ebenfalls komplett kostenlos für Mac und Windows erhältlich sein wird.

Wer bereits Fairlight in Resolve kennt, dem dürfte vieles in der neuen App bekannt vorkommen. Grundsätzlich ist sie als Stand-Alone Version nicht so speicherhungrig wie das große Resolve und Blackmagic nennt als Mindest-Speicheranforderung auch "nur" 8GB auf beiden Betriebssystemen. Allerdings ist der aktuelle Download bereits eine 2 GB-Datei (die nach dem Entpacken auf 3,8 GB anwächst), was für einen Digitalmixer in unseren Augen schon eine gehörige Größe darstellt. Denn der eigentliche USP einer digitalen Mixing App ist deren minimalistische Ausrichtung mit einem kleinen, effizienten Kernel möglichst viele Spuren mit möglichst geringer Latenz abmischen zu können.
Fairlight Live lässt sich wie viele Digitalmixer individuell einrichten. Man kann jederzeit Eingänge und Busse hinzufügen oder ihre Konstellation ändern. Um Eingänge und Busse ein- oder auszublenden oder neu anzuordnen, verwaltet man Audiokanäle in einem Spurindex.
Alle "Produktionen" können als komplettes Abbild mit Mischpult-Layout, Signalver- und -bearbeitung, Cue-Player als Momentaufnahmen gespeichert werden. Über das Dateimenü lassen sich vorhandene Shows öffnen oder neue Sendungen erstellen. Für die schnelle Einrichtung werden Vorlagen für gängige Workflows mitgeliefert und es gibt natürlich auf ATEM Live-Produktionsmischer abgestimmte Layouts.

Fairlight Live unterstützt Hunderte und sogar Tausende von Eingabekanälen in einer Vielzahl von Formaten. Jeder Kanal verfügt über integrierte EQ-, Dynamik- und Panning-Optionen zur Steuerung von Eingabepegeln, Platzierung und Klarheit. Das vielseitige Panning unterstützt 1D, 2D sowie 3D und es gibt einen sphärischen Panner für Ambisonics-Formate und Spatial Audio. Für Workflows mit Plugins stehen vier Effekt-Slots pro Kanal bereit, wobei ChainFX sechs Plugins pro Slot unterstützt. So erhält man für bevorzugte native und Fremd-VST- und AU-Effekte bis zu 24 Plugins pro Kanal (via ChainFX-Plugin).
Im Bus-Verwaltungsfenster der Menüleiste lassen sich Haupt-, Sub-, Aux- oder n-1-Busse hinzufügen und für diese Format, Namen und Farbe festlegen. Über das Fenster für die Bus-Zuweisung oder direkt im Mixer verteilt man Eingänge an Busse oder Busse an Busse.
Um individuelle Mixe an mehrere separate Ziele wie Bühnenmonitore, Übersetzungskanäle oder Aufnahmegeräte zu verteilen, kann man Ausgabematrix-Busse verwenden, ohne dass dabei der Hauptprogramm-Mix zu verändert wird. Fairlight Live unterstützt bis zu acht simultane Mixe für die Ausgabe.
Fairlight Live unterstützt auch bis zu 128 VCA-Gruppen. Über den Dialog „Show Settings“ gibt es Optionen zum Verschieben von Fadern und zum Außerkraftsetzen der Modi für Stumm oder Solo. Sogar verschachtelte VCAs werden unterstützt. So kann ein VCA-Master alle Kommentatormikros zugleich steuern, während einzelne Livekommentare von verschachtelten VCAs gesteuert werden.
Jeder Kanal in Fairlight Live hat einen vollständigen Satz an integrierten Effekten. Für die präzise Steuerung von Klang und Dynamik sind jeder Eingang und jeder Bus mit einem 6-Band-EQ, Expander/Gate, Kompressor, Limiter und Panner ausgestattet. Fairlight Live bietet zudem eine umfangreiche Bibliothek mit 30 nativen Plugins, darunter De-Esser, Reverb, Verzögerung und viele weitere. Fremd-AU- und VST-Plugins werden ebenfalls unterstützt.
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Fairlight Live verfügt über einen vollständigen Satz an Broadcast-Funktionen, die bei Liveproduktionen Sicherheit und eine integrierte Steuerung bieten. So kann man fix vier Talkback-Gruppen einrichten und verwalten, über den Cue-/Konferenzmodus mit Moderatoren und Crew kommunizieren und n-1-Busse verteilen, um aus der Ferne zugeschalteten Gästen saubere Signale zu liefern. Der On-air-Modus sperrt bestimmte Funktionen, während es die Fernsteuerung der Verstärkung ermöglicht, die Mikrofonvorverstärker direkt an der Quelle anzupassen. Die Eingabeverzögerung sorgt mittels Signalabstimmung für zeitliche Präzision. Für den Wechsel zwischen Kanälen und Bussen verfügen Benutzer über die Audio-folgt-Video-Funktion (AFV). Zudem gibt es duale Eingaben für Redundanz.
Fairlight Live bietet einen integrierten Cue-Player, der zwei Arten von Cues bereitstellt. Es gibt 16 Audio-Cues für Jingles, Werbespots und Stinger sowie 16 MIDI-Cues zur Steuerung von Hardware wie Beleuchtungs- und Nebelmaschinen. Cues können mit einer benutzerdefinierten Tastenkombination, einer Cue-Taste an einer Fairlight Live-Konsole oder mit einer MIDI-Steuerung von Fremdanbietern ausgelöst werden.
Liveauftritte und Konzertproben lassen sich mit dem in Fairlight Live integrierten Aufnahme- und Wiedergabesystem erfassen. Anwenderinnen und Anwender können diese Aufnahmen für den virtuellen Soundcheck (VSC) verwenden, um Künstlerinnen und Künstlern sowie der Crew für Proben eine akkurate Wiedergabe des Live-Mixes zu liefern. Auch die Probe einer Band kann über den VSC aufgezeichnet und wiedergegeben werden, sodass Tontechniker Pegel, EQ, Dynamik, Panning und Cues vor der Übertragung feinabstimmen können.

Mit Momentaufnahmen speichert und ruft man den gesamten Mischpultstatus ab und beim Wechsel ermöglichen sanfte Überblendungen für keine hörbaren Sprünge zwischen Momentaufnahmen. Mit jeder Momentaufnahme lassen sich für einzelne Acts bestimmte Konfigurationen speichern und für zusätzliche Flexibilität bei Abruf nach Bedarf bestimmte Parameter ausschließen.
Fairlight Live wurde für SMPTE-2110-Workflows entwickelt und bietet für moderne IP-basierte Broadcast-Produktionen die vollständige 2110-Audiointegration. Für die nahtlose Anbindung an 2110-Netzwerke ermöglicht die Anwendung die primäre I/O-Integration, sodass Tontechniker Audiostreams gezielt aus beliebigen Quellen extrahieren können. Die PTP-Uhr-Synchronisation sorgt über alle Geräte hinweg für präzises Timing, während das Audio mittels Verzögerungskompensation auf Sample-Ebene perfekt auf Video- und andere Streams abgestimmt bleibt.
Fairlight Live wurde für die Integration mit ATEM Live-Produktionsmischern entwickelt, jedoch lassen sich über USB oder Thunderbolt vielzählige Audiointerfaces nutzen. Unter Mac nutzt das System die Core-Audio-Features und unter Windows unterstützt es System Audio sowie ASIO-Treiber.
Die Public-Beta von Fairlight Live ist ab sofort kostenlos auf der Blackmagic Design Website verfügbar.



















