Eine Million Dollar als Preisgeld bei einem Filmwettbewerb dürfte es bis jetzt noch nicht gegeben haben - aber kaum ist KI im Spiel, öffnen sich zur Zeit oft unerwartete Geldfontänen. So wurde im Rahmen des "1 Billion Followers Summit", ein Influencer-Kongress der Superlative in Dubai, ein KI-Kurzfilmwettbewerb ausgeschrieben, der mit sage und schreibe 1.000.000 Dollar dotiert ist, bzw. war; gerade wurde der Gewinner bekannt gegeben, siehe unten. Das Geld scheint aus der Staatskasse der Vereinigten Emiraten zu stammen (auch der Summit wird vom staatlichen Medienbüro organisiert), Google ist als Partner an Bord.

Die Beschreibung des Wettbewerbs ist wie zu erwarten ziemlich vollmunding:
An award in celebration of innovation, storytelling, and technology, where filmmakers redefine short films through the creative power of artificial intelligence.
Gesucht wurden "bahnbrechende" Kurzfilme, die zu mindestens 70% mit KI generiert wurden, wobei hauptsächlich Google Gemini-Tools genutzt werden mussten (Flow, Veo, Imagen) und eines der folgenden zwei Themen aufgreifen, "Rewrite Tomorrow" (Die Zukunft neu schreiben) sowie "The Secret Life of" (Das geheime Leben von).
Aber wer eine Million auf den Tisch legt, darf natürlich auch etwas mehr dafür verlangen und so gab es darüberhinaus weitere Vorgaben, die den Award ins Kuriose abgleiten lassen. Und zwar wünschten sich die Veranstalter, dass die Filme "eine zusammenhängende und emotional bewegende Geschichte erzählen" sollten unter Einhaltung expliziter, wenn auch allgemein gehaltener Regeln:
- Klare Erzählstruktur: Anfang, Mitte, Ende
- Charakterentwicklung
- Dialogorientierte Szenen oder monologische Erzählung
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Das klingt weitgehend nach dem 1x1 des klassischen narrativen Filmemachens - nachdem mit KI ja einfach drauflos gepromptet werden kann, hielt man es wohl für angebracht, nochmal daran zu erinnern. Wie dabei wiederum die gesuchten, bahnbrechenden Innovationen entstehen sollen, kann man sich allerdings fragen, denn diese entstehen ja eher beim Regeln brechen oder zumindest dehnen, nicht beim befolgen.

Eingereicht wurden über 3.500 Filme - ob darunter vielleicht einer tatsächlich den Kurzfilm "neu definiert" (was immer dies überhaupt sein soll), können wir nicht beurteilen. Der Gewinnerclip ("Lily" s.u.) setzt jedenfalls keine neuen Maßstäbe, außer möglicherweise in der unerhörten Plattheit seiner "Dialoge" (geschrieben mit/von Google Gemini). Dass ein solcher Film hier mit einer Million Dollar belohnt wird, ist besonders bitter, wenn man bedenkt, wie unterfinanziert wirklich kreative und talentierte (Kurz)Filmschaffende ihre Projekte stemmen müssen.
Wenn die filmischen Mindestanforderungen derart niedrig liegen, ist ein solcher KI-Wettbewerb natürlich hauptsächlich eine handwerkliche Herausforderung (seitens der Teilnehmer) und ein technischer Showcase, für Google Veo. Und bei letzterem muss man sagen: Das Problem der Character Consistency ist nur noch latent vorhanden, und Bildfehler kann man zwar finden, aber man bemerkt sie nicht unbedingt, solange die Story einen mitnimmt und man nicht speziell darauf achtet. KI-generiert sieht das meiste jedoch immer noch aus (möglicherweise jedoch nicht für ungeübte Augen), was vor allem dann stört, wenn auf Realismus gezielt wird. (Danke an berlin123 für den Hinweis im Forum.)


















