Hybride Aufnahme Cinelux Sixteen - Neue Super-16-Filmkamera schießt Film und digital gleichzeitig

// 16:15 Fr, 12. Jun 2026von

Das amerikanische Startup Cinelux Cinema Tools hat eine höchst spezielle Kamera vorgestellt: so soll die Cinelux Sixteen nicht nur die erste, wirklich neue analoge Super-16-Filmkamera seit über zwei Jahrzehnten werden, sondern auch eine analoge und digitale Hybridkamera.



Analoge und digitale Super-16-Aufnahme

Was die Cinelux Sixteen so besonders macht, ist ihr grundlegendes Funktionsprinzip: In klassischen Spiegelreflex-Filmkameras lenkt eine Umlaufblende das Licht abwechselnd zum Filmgate und zur Mattscheibe im Sucher; letztere zeigt das Bild nur, zeichnet aber nichts auf. Cinelux ersetzt diese passive Mattscheibe durch einen digitalen Bildsensor. So entstehen pro Verschlussumdrehung zwei vollwertige Belichtungen gleichzeitig. Eine trifft wie gewohnt auf das Filmnegativ im Super-16-Gate, die zweite landet auf einem integrierten 3K Super-16-Sensor (dem Vernehmen nach ein modifizierter Sony Four-Thirds-Sensor), der parallel auf CFexpress-Type-B-Speicherkarten in verschiedenen Codecs wie Cinelux Raw, Cinema DNG und ProRes 444 HQ aufzeichnet.



Somit steht parallel zum Filmnegativ, das noch entwickelt werden muss, sofort ein digitales 3K-Video mit bis zu 120 fps zur Verfügung, das als Proxy für Schnitt oder auch zum Monitoring des geschossenen analogen Filmmaterials genutzt werden kann.




Was das hybride Konzept bringt

Wer heute professionell auf Film dreht, kämpft mit einem grundlegenden Widerspruch: Die analoge Ästhetik ist gefragt wie lange nicht mehr, aber moderne Produktionsabläufe setzen auf schnelle digitale Workflows; das digitale Material ist sofort verfügbar zur weiteren Arbeit, sei es zum Monitoring, Grading, für tägliche Editor-Cuts oder einfach Review mit dem Team. Genau hier will Cinelux ansetzen:



"Durch das Hinzufügen einer echten digitalen Kinoausgabe neben einem Film-Deliverable behindert das Drehen auf Film nicht länger den Schwung der Produktionsanforderungen."



Dafür will Cinelux eine Live-Film-Emulation entwickeln, die den digitalen Sensor-Feed so verarbeitet, dass dessen Aufnahmen dem späteren Filmscan möglichst nahekommen – inklusive typischem Highlight-Clipping, Schattenverhalten und der spezifischen Dynamik des verwendeten Filmmaterials. So soll er – im Zusammenspiel mit dem elektronischen Sucher bzw. einem externen Output – als echtes Belichtungswerkzeug dienen, nicht nur zur Orientierungshilfe. Ein heeres Anliegen, schließlich ist ja praktisch jeder Hersteller bestrebt, das Material seiner digitalen Kinokamera möglichst wie "Film" aussehen zu lassen.


Technische Eckdaten der Cinelux Sixteen (Prototyp-Stand)


- Super-16-Format, Sensor: 13,35 × 7,42 mm


- 3K-Auflösung, bis zu 120 fps


- Codecs: Cinelux Raw, Cinema DNG, ProRes 444 HQ


- Speicher: CFexpress Type B


- Connectivity: SDI, USB, Wireless, Timecode Genlock Sync


- Filmmagazine: 400 und 1.000 Fuß


- Optionaler elektronischer Sucher, eingebautes Mikrofon, Tonsync


- Großes Jog-Wheel zur Simulation einer Handkurbel – Film lässt sich sogar rückwärts transportieren




Preis und Verfügbarkeit

Cinelux soll auf einen Preis von unter 40.000 Dollar für das Basis-Kit der Sixteen zielen – günstiger als eine gebrauchte ARRI 416, die aktuell zwischen 60.000 und 90.000 Dollar kostet. Die Kamera ist aktuell jedoch noch ein Prototyp, sie soll erst Ende 2027 erscheinen, was angesichts des noch laufenden Firmware-Developments eher als Ziel denn als festes Datum zu verstehen ist. Ob ein junges Startup die mechanische Zuverlässigkeit und Serviceinfrastruktur liefern kann, die eine professionelle Filmproduktion benötigt, wird sich zeigen.




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