20-Jähriger YouTuber Backrooms - vom Internet-Meme zum 200-Millionen-Dollar-Kinohit

Vor rund 7 Jahren postete ein anonymer User auf dem Internetforum 4Chan das Bild eines fahlgelben, durch Neonröhren beleuchteten, unheimlich wirkenden Hinterzimmers - durch einen Kommentar dazu wurde ein neues Meme geboren, "The Backrooms", das die Fantasie vieler anregte und in den nächsten Jahren immer weitere Kreise zog. 2022 postete dann der 16-jährige Kane Parsons (online bekannt als Kane Pixels) einen mit Blender gerenderten 9-minütigen Clip auf YouTube, der diese Räume weiter erforschte und inzwischen über 80 Millionen Mal angeschaut wurde.




Die für ihre ungewöhnlichen Filme (wie etwa "Everything Everywhere All at Once", "Aftersun", "The Whale", "Midsommar") bekannte Indie-Produktionsfirma A24 ging ein Wagnis ein und gab dem damals 18-jährigen Parsons ein Budget von 10 Millionen Dollar, um seine Vision der Backrooms auf der großen Leinwand in Kinofilmlänge umzusetzen. Das Geld wurde unter anderem dazu verwendet, ein rund 3.000 Quadratmeter umfassendes Labyrinth aus den Hinterzimmern als Set zu bauen, in dem der Film dann teilweise gedreht wurde - kombiniert wurde die mit RED Kameras gedrehte Footage dann per After Effects mit in Blender gerenderten Szenen.



Die Investition hat sich schon jetzt ausgezahlt: Bereits nach nur etwas über einer Woche Laufzeit in den USA (Deutschlandstart ist der 17. Juni) ist "Backrooms" mit einem Einspielergebnis von über 200 Millionen Dollar auf Anhieb der erfolgreichste Film, den A24 jemals produziert hat.







Das Bild und der Kommentar mit dem alles begann:

Wenn du nicht vorsichtig bist und an den falschen Stellen aus der Realität noclipst, wirst du in den Backrooms enden, wo nichts ist, außer der Gestank von nassem, feuchtem Teppich, der Wahnsinn des eintönigen Gelbs, das endlose Hintergrundgeräusch von Leuchtstoffröhren, die mit voller Lautstärke brummen und ungefähr sechshundert Millionen Quadratmeilen zufällig angeordneter, leerer Räume, in denen man gefangen ist. Gott schütze dich, wenn du etwas in der Nähe umherwandern hörst, denn es hat dich ganz bestimmt gehört.
anonym: 4chan (12.05.2019)



Das Bild mit dem alles anfing
Das Bild mit dem alles anfing


Erst im Mai 2024 wurde mithilfe der Wayback Machine der wahre Ursprung des Fotos erforscht: es stammt aus dem Jahr 2002 und zeigt die Räume eines aufgelassenen ehemaligen Möbelgeschäfts in Oshkosh, Wisconsin.






Horror durch unheimliche Räume

Ganz besonders an "Backrooms" ist dabei, dass der Horror nicht von einer direkten Bedrohung kommt, sondern vor allem von der beklemmenden Stimmung der Räume ("Liminal Spaces") an sich, unheimlich endlos verschachtelte, menschenleere Orte, die etwas im Unbewussten anzusprechen scheinen. Aufgrund der Offenheit des Motivs und seiner Wirkungskraft gibt es viele Erklärungsversuche, für was die Backrooms metaphorisch stehen: KI? Die digitale Welt? Die Entfremdung durch den Kapitalismus? Das moderne Fegefeuer?




Kinofilm ohne Hollywood

"Backrooms" fügt sich ein in die interessante Entwicklung, dass einige der ungewöhnlicheren neuen Kinofilme der letzten Jahre von Regisseuren gemacht werden, die als YouTube-Creator bekannt geworden sind und dort ihre ersten Werke veröffentlicht haben. Beispiele sind etwa der zweite aktuelle Horror-Überraschungshit "Obsession", Markiplier&s selbstproduzierter Iron Lung oder "Bring Her Back" der Philippou Brüder.



Das Netz ermöglicht dabei unglaubliche Erfolgsgeschichten wie eben die von Parsons, der im Laufe nur weniger Jahre die für seinen Film notwendigen Tools wie Blender und After Effects lernt und mit 20 Jahren jetzt der Regisseur eines Blockbuster-Erstlingswerks ist. Neue Talente und ihre Kinohits umgehen so den klassischen Weg über ein sonst berühmt risikoscheues und neuen Ideen kritisch eingestelltes Hollywoodstudio. Hollywood als Gatekeeper wird dadurch immer mehr passé, was innovativere Filme ermöglicht.







Parsons über KI

Zuschauer könnten die unheimlichen Bilder der Backrooms einer KI zuschreiben, aber der Regisseur und Schöpfer Parsons spricht sich mit einem interessanten Argument in einem Interview ganz dezidiert gegen den Einsatz von generativer KI aus. So antwortet er auf die Frage, ob er KI nutzen will, folgendes:



Nein, absolut nicht. Ja, für mich liegt der ganze Sinn dessen, was ich tue, darin, dass Kunst eine Art ist, das Leben zu verarbeiten. Genau dafür soll sie für die meisten Menschen ihrem Wesen nach da sein. Ich sehe keinen Wert darin, irgendein Element davon auszulagern. Wenn ich mir das Projekt von jemand anderem ansehe und merke, dass ein Element der Umgebung, also, du weißt schon, mit generativem Füllen oder was auch immer verändert wurde, um etwas an der Szene zu ändern, ... dann schaltet sich einfach der Teil meines Gehirns ab, der mehr über diese Welt erfahren und nach Details suchen will, weil ich annehmen würde: Wenn sie bereit sind, dort eine willkürliche Entscheidung zu treffen, dann können sie buchstäblich bei allem eine willkürliche Entscheidung treffen.




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