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Stille Nacht -Ein Stummfilm im Stil des Deutschen Expressionismus




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Frage von Jay92:




Weihnachten, seit jeher das Fest der Liebe, des Friedens und der Sorglosigkeit. Doch im trügerischen Schein der Goldenen Zwanziger bahnt sich eine Tragödie an...

Stille Nacht, der neue Film von Jannik Müller und Niklas Neugebauer, ist ein Stummfilm im Stil des deutschen Expressionismus der 1920er Jahre und zugleich eine Ehrung der Filme von Friedrich Wilhelm Murnau und Fritz Lang.



Über Kritiken, Tipps und Vorschläge sind wir sehr dankbar.




Antwort von Axel:

Habe leider hier im Urlaub ein zu schwaches WiFi, kurz nach den Titeln bleibt der Film hängen. Kritikpunkt eins: Zu langer Vorspann. Musik ist gut. Zuviele Kreisblenden, die außerdem von der Erzählfolge her einfache Schnitte sein müssten. Aber interessant. Werde ich nachholen, wenn ich wieder zuhause bin.



Antwort von Jay92:

Axel, danke erstmal für die erste Rezension.
Zu den beiden Kritikpunkten kann ich nur sagen, dass ich versucht habe, so viele Stilmittel wie möglich aus den Filmen der 20er zu benutzen. Und da waren die Credits nunmal am Anfang und es wurden für nicht direkt zusammenhängende Ereignisse Lochblenden verwendet.
Aber die Längen, die du erwähnst, würde man heutzutage wahrscheinlich auch bei anderen Stummfilmen bemängeln.

Ich bin gespannt auf die volle Kritik.



Antwort von domain:

Sehr beachtlich, was ihr mit eurem kleinen Team da erstellt habt, speziell die Klavieruntermalung ist sehr gelungen.
Mir kommt allerdings vor, dass sich der Film im Verhältnis zur etwas mageren Geschichte unnötig in die Länge zieht. Er müsste meiner Meinung nach viel dichter geschnitten werden.
So finde ich den Vorspann, die allgemeinen Weihnachtsmarktaufnahmen und den bestohlenen Mann eigentlich unnötig für die Dramaturgie der Geschichte.
Sofort wäre ich mit Großaufnahmen (;Identifikation) von den Gesichtern des Ehepaares in den sich anbahnenden Streit gegangen, das Marktgeschehen nur mehr im Hintergrund.
Auch danach erscheinen zu viele Szenen zu ausgedehnt und wenig weitertreibend beim Ablauf, man hat ohnehin schon längst kapiert, wie der Hase läuft.
Die Ausleuchtung kommt mir größtenteils gelungen vor, allerdings manchmal zu wenig SW-mäßig, d.h. es fehlen zuweilen einfach Licht und vor allem Kontraste.



Antwort von DWUA:

@ jay92

Meine persönliche Meinung:
Ich würde die Szenen vor 2:56 weglassen und dort beginnen.

"domain" wrote:

So finde ich den Vorspann, die allgemeinen Weihnachtsmarktaufnahmen und den bestohlenen Mann eigentlich unnötig für die Dramaturgie der Geschichte...

Im Vorspann das "Sinnlose" entfernen.
Dein "Still" bei ~ 17:11 kommt mir bekannt vor, kann ihn gerade nicht "einordnen".
Frage: Woher stammt das?
Auf jeden Fall liegst du im Genre derzeit nicht falsch;
bist sogar aktuell:
www.moviepilot.de/news/jubelstuerme-fuer-den-stummfilm-the-artist-110702
Das, was letztes Jahr bereits in Cannes als "Entlastung" der Farbrezeptoren im Auge
gefeiert wurde, wird seit vorgestern auch in deutschen Kinos gezeigt.
Diesen HYPE verstehe ich sehr gut; ich kann ihn nur leider selbst nicht nachvollziehen.
;))

Außerdem verstehe ich nicht ganz, was du mit Expressionismus
bei Murnau, Lang & co meinst.
Soll wohl eher Experimentalismus heißen.
Kommen am Ende deines Filmes doch auch surrealistische Elemente vor: Die vielen Augen!
Geht doch!
Warum Schubladendenken?
Auch in den experimentierfreudigen 20ern entstanden, -
- mit lediglich zwei sich abwechselnden "Tonbeigaben":
Wagners 'Tristan' + Tango.

Part 1
www.youtube.com/watch?v=z-CC6xdcpCM#t=00m20s
Part 2
www.youtube.com/watch?v=kzqLv4BQe0o

Natürlich gibt es auch bis heute noch so etwas wie
http://de.wikipedia.org/wiki/Kinothek



Antwort von handiro:

Ich habe ihn mir eben angesehen.

Klavier und Musik sind sehr gut. Mir haben auch ein paar Momente gefallen wie z.B. bei 5min die Reflektion im Weinglas wie er in die Kneipe kommt.

Es sind für mich immer wieder Überlängen drin, was aber früher auch so war und das Klavier rettet ganz viel von diesen Langatmigkeiten, das finde ich gut.


Mir hats gefallen.



Antwort von domain:

"handiro" wrote:

Es sind für mich immer wieder Überlängen drin, was aber früher auch so war


Das würde ich nicht so stehen lassen, es kam immer auf das Können des Filmemachers an. Immer wieder gern gesehen Charly Chaplin in Modern Times, wo selbst in dieser langen Sequenz kein Einzelbild zu viel ist.




Antwort von Axel:

Bei Chaplin sind die erzählte Geschichte und das, was sie bedeuten soll, in völliger Deckung. Es gibt keine gekünstelte Haltung, keinen Stil -, wenn man mal davon absieht, dass Charlie selbst eine komplette Kunstfigur ist und zwar eine, die man nicht einfach "erfinden" kann und die höchste Identifikationskraft birgt: Charlie ist der Film.

Murnau und Lang sind, wie oben schon gesagt wurde, Vor-Klassiker, die zwar sehr ambitioniert die Filmsprache beherrschen wollen, aber diese befindet sich mit ihren unzähligen Verfremdungstricks (;"Stilmittel") noch stark in der Experimentierphase. Außerdem ist nach meinem Sprachgefühl eine Nebenbedeutung von Ambition das deutsche Möchtegern. Murnau und Lang waren Filmlook-Wichser, geniale womöglich, aber heute sitzen wir auf ihren Schultern. Wenn man daher heute sowas stilistisch kopiert, hat man auch die Freiheit, es besser zu machen.



Antwort von domain:

Ich denke, man muss beim Drehen und Schneiden von Spielfilmen eine Eigenschaft entwickeln, die Charlie Chaplin in überreichlichem Ausmaß besaß: Beurteilungsvermögen- und Selbstkritikfähigkeit. Er hat ja Szenen x-mal verändert und wiederholt.
Das Werk muss eine ganz eigene der Idee verhaftete Selbständigkeit entwickeln, die demgemäß auch eigene beinahe autonome Anforderungen stellen kann und denen man sich zielorientiert unterzuordnen hat.
Niemals kann es dabei um die Selbstverliebtheit von an sich gut gelungenen Clips gehen, die man gerne zeigen möchte, wenn sie der Geschichte nicht dienen und diese nicht mit dem richtigen Drive weiterbringen.
Ich tippe mal darauf, dass dieser Film auf der Hälfte der jetzigen Länge verdichtet mal gleich ganz anders wirken würde.



Antwort von DWUA:

"domain" wrote:

Ich tippe mal darauf, dass dieser Film auf der Hälfte der jetzigen Länge verdichtet mal gleich ganz anders wirken würde.

Kaum.
(;Aber der Eiffelturm schon!)



Antwort von olja:

Kleines Interview zu "The Artist"

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,811271,00.html



Antwort von Jay92:

"DWUA" wrote:

Dein "Still" bei ~ 17:11 kommt mir bekannt vor, kann ihn gerade nicht "einordnen".
Frage: Woher stammt das?

Gut erkannt. Das ist (;wenn auch Genrefremd) eine Hommage an Kubricks 2001, während der Protagonist durch das Wurmloch fliegt.


"DWUA" wrote:

Außerdem verstehe ich nicht ganz, was du mit Expressionismus
bei Murnau, Lang & co meinst.

Expressionismus war eine Kunst- bzw. Filmbewegung. Stilmittel waren z.B. verzerrte Kulissen und übertriebenes Schauspiel. Man wollte das innere nach außen kehren. Diese Bewegung war vor allem in Deutschland vertreten. Beispiele sind Nosferatu, Das Cabinett des Dr. Caligari und einer meiner Lieblingsfilme, Metropolis.



Antwort von DWUA:

@ Jay92

"Jay92" wrote:

Expressionismus war eine Kunst- bzw. Filmbewegung. Stilmittel waren z.B. verzerrte Kulissen und übertriebenes Schauspiel. Man wollte das innere nach außen kehren. Diese Bewegung war vor allem in Deutschland vertreten. Beispiele sind Nosferatu, Das Cabinett des Dr. Caligari und einer meiner Lieblingsfilme, Metropolis.


Nun ist gerade Murnaus Nosferatu das beste Beispiel,
welches absolut nicht in eine Kiste hineinpasst, auf der außen "Expressionismus"
aufgepappt ist.
Das liegt daran, dass es eine Menge Missverständnisse
geben kann, wenn man einem Begriff aufsitzt, ohne sich die Mühe
zu machen, Dinge genauer nachzufragen, bevor man sie wieder
in die Schublade zurück steckt, aus der man sie hervorgekramt hat.

Murnau äußert seine Neigung zur altmeisterlichen Malerei und bezieht sich direkt
auf C.D. Friedrich, - dessen Naturverständnis/-darstellung ihn beeinflusst hat.
Nosferatu ist wohl das erste Werk, das einen Oscar für
"Outdoor"-Szenerien bekommen hätte. Zu der Zeit hierzulande außergewöhnlich.

Wenn überhaupt stilistisch Einordnungsbedarf bestünde, könnte
man Nosferatu als "spätromantisch" klassifizieren;
und genau jenem Stilprinzip standen Gruppierungen wie
"Der Blaue Reiter" oder "Brücke" mit besonderer Ablehnung gegenüber.
Zur Filmmusik:
Hans Erdmanns "Fantastisch-romantische Suite" steht ja auch nicht
gerade in der Tradition der Schönberg, Strawinsky, Hindemith,
Webern, Berg; - deren "expressionistische" Hoch-Zeit war 1912 bereits vorbei.
Lediglich Schönberg blieb dabei.
;))
Natürlich gab es Filmplakate, Kulissen usw., die, von Szenenbildnern
wie >Paul Leni entworfen, in modern-expressionistischer Manier nur so strotzen.
Nur:
Davon ist in deinem Video (;dein eigener Anspruch) nichts vorhanden.
Selbst expressives Augenrollen (;Mimik) und verkrampfte Hände vor dem
Busen (;Gestik) fehlen. Na sowas...
Lass' es mal lieber mit deinem "Stil des Deutschen Expressionismus".


:)



Antwort von Jay92:

DWUA, wir konnten bei einem Budget von unter 100 Euro leider keine großen expressionistischen Kulissen entwerfen, die deinen Ansprüchen gerecht würden. Daher haben wir uns auf Fenster im Hintergrund beschränkt.
Und die Gestik und Mimik haben wir bewusst nicht übertreiben wollen, da wir alte Werte mit neuem vermischen wollten.

Auch wenn es dir nicht passt, ich bleibe bei dem Expressionismusbegriff.
Und von wegen Schubladendenken: Nur weil sich Murnau auch an romantischen Gemälden orientert hat, heißt es noch lange nicht, dass es keine anderen Einflüsse gab.



Antwort von DWUA:

"Jay92" wrote:

Über Kritiken, Tipps und Vorschläge sind wir sehr dankbar.


Habe das wohl falsch verstanden; - sorry!
Nehme meine Aussagen sofort zurück und behaupte das Gegenteil;
wenn es dir dann damit besser geht, - kein Problem...
(;Apropos "Ansprüche": Es sind DEINE, - nicht meine).

;))



Antwort von wenzel chris:

mal so ne frage am rande...wenn ich die armseligen klickzahlen bei youtube sehe...was macht ihr eigentlich mit den videos ?



Antwort von Jay92:

"DWUA" wrote:

Habe das wohl falsch verstanden; - sorry!
Nehme meine Aussagen sofort zurück und behaupte das Gegenteil;
wenn es dir dann damit besser geht, - kein Problem...
(;Apropos "Ansprüche": Es sind DEINE, - nicht meine).

;))


Du hast das schon richtig verstanden. Es klang nur leider etwas, nun ja, biestig. Wenn es nicht so gemeint war, nehme ich das natürlich zurück.
Alles, was ich meinte war, dass man nicht unbedingt sagen kann, dass Nosferatu keine expressionistischen Merkmale hat, nur weil Murnau sich vorwiegend an romantischen Motiven orientiert hat.
So, nach dieser kleinen Umstimmigkeit schlage ich vor, wieder konstruktiv zu werden. Sorry auch meinerseits.



Antwort von Jay92:

"wenzel chris" wrote:
mal so ne frage am rande...wenn ich die armseligen klickzahlen bei youtube sehe...was macht ihr eigentlich mit den videos ?

Der Film ist ja noch nichteinmal eine Woche auf Youtube. Ich denke, da ist noch Platz nach oben. ;-)



Antwort von wenzel chris:

240 aufrufe in einer woche ?
die hab ich schon in einer stunde bevor das video überhaupt gelistet ist



Antwort von Filmo:

die Klicks auf Y.T.sagen wenig bis gar nichts über die Qualität des Gezeigten aus,schon mehr aber über die Erwartungshaltung der klickenden Klientel und die ist in Deinem Genre eben anders gelagert-vorsichtig ausgedrückt...

Außerdem weiß ja inzwischen alle Welt,daß Du mit ner Nikon D7000 filmst und solches darf man sich doch unter keinen Umständen entgehen lassen:-))



Antwort von wenzel chris:

bist grün vor lauter neid ? :-)

aber hast recht , klicks auf yt sagen recht wenig aus...millionen haben meist immer nur die blödesten...wenn aber andereseits gar keine sind, spricht das auch von schlechter kommunikation

ich war eigentlich nur neugierig warum jemand so was dreht.

aber zurück zum clip:
warum ich ein gegner dieser nachbearbeitungs orgie bin?...weil die wenigsten heute wissen, was und wie sie bild umsetzen bevor dem nel...
wenn man im endergebniss schwarzweiss haben will, sollte man auch dementsprechend filmen...will man sw wie in alten filmen oder artist dann muss man wissen, dass im gensatz zu heutigen monitoren mit tausenden schwarzstufen es früher praktisch nur ein schwarz gab, es wurde in graustufen dargestellt....da muss man aber auch flacher drehen...
wenn man jetzt aber einen moderenen sw film ala sin city drehen will muss man scharfe kontraste beim filmen setzen, mit lampen arbeiten...
wenn man einfach nur dreht und dann im editing sw drückt, dann ist es eben nur ein auf sw getrimmter farbfilm



Antwort von Axel:

"wenzel chris" wrote:
wenn man jetzt aber einen moderenen sw film ala sin city drehen will muss man scharfe kontraste beim filmen setzen, mit lampen arbeiten...
wenn man einfach nur dreht und dann im editing sw drückt, dann ist es eben nur ein auf sw getrimmter farbfilm


Zu SW gibt es einen eigenen Thread.

Zu YouTube und den Klicks: Ich gehöre zu denen, die wenige Klicks sammeln. Dass ein Klickmillionär kein guter Filmer sein muss, kann als erwiesen gelten. Der Umkehrschluss gilt leider nicht, denn ein guter Film setzt sich durch, sollte also zumindest nach dem Schneeballprinzip eine steigende Klickkurve generieren. Fazit: Besser verlinken und besser werden!



Antwort von wenzel chris:

"Axel" wrote:


Zu SW gibt es einen eigenen Thread .


sorry...den kannte ich nicht...
aber gerade gelesen, dass du das gleiche (;natürlich besser formuliert) geschrieben hast:

"Axel" wrote:
SW ist nicht einfach derselbe Film ohne Farbe. Innerhalb von SW gibt es die Möglichkeit zu ebensovielen unterschiedlichen Stilen (;z.B. durch Tonreichtum, Kontrast, und Körnung, Fotografen alter Schule, die vielleicht auch - Silber! - selbst entwickelt und vergrößert haben, wissen das auf kristalliner Fotokorn-Ebene) wie mit Farbe. Selbstredend ist wirken sich auch unterschiedliche Beleuchtungskonzepte (;Stichworte Lowkey und Highkey, um es stark vereinfacht anzureißen) auf den Stil aus. Deshalb ist es blauäugig, zu sagen, SW sei schon "Stil".





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