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Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich



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Frank Glencairn
Beiträge: 20256

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von Frank Glencairn »

iasi hat geschrieben: Mo 11 Sep, 2023 13:28
Nehmen wir doch mal den Aufbau von "Oppenheimer" und vergleichen ihn mit "Citizen Kane":
Beide "Biographien" sind nicht chronologisch aufgebaut.
Aber "Rosebud" fehlt schon mal in Nolans Film.
Du weißt was Welles über Rosebud gesagt hat?
"Ich halte es für ein ziemlich geschmackloses Mittel, es ist das, was ich an Kane am wenigsten mag.
Es ist nur eine Art Freudscher Gag aus einem Groschenroman."
Die Diskrepanz zwischen dem was die selbsternannten Kunstversteher immer in irgendwelchen Werken zu erkennen glauben, und was die eigentlichem Macher sich in Wirklichkeit dabei gedacht haben, ist immer wieder äußerst unterhaltsam.

Edit: Ich seh gerade, Skeptiker hat das ganze Interview verlinkt.
De omnibus dubitandum



7River
Beiträge: 3306

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von 7River »

Der Film ist mittlerweile das erfolgreichste Biopic.

https://www.filmstarts.de/nachrichten/1000042449.html
„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“



Darth Schneider
Beiträge: 16706

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von Darth Schneider »

Auch (technisch) sehr spannend und aufschlussreich.
Wenn man das Video bis zu Ende schaut..

Hmm…?


Einfach nur so aus Spass daran, beharren manche Filmemacher doch scheinbar doch nicht so stur auf altmodischen analogem Filmrollen…
Gruss Boris



iasi
Beiträge: 22783

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von iasi »

Darth Schneider hat geschrieben: Mo 18 Sep, 2023 20:12 Auch (technisch) sehr spannend und aufschlussreich.
Wenn man das Video bis zu Ende schaut..

Hmm…?


Einfach nur so aus Spass daran, beharren manche Filmemacher doch scheinbar doch nicht so stur auf altmodischen analogem Filmrollen…
Gruss Boris
Na ja - dass Filmkorn "natürlichere Farben" liefern würde wie unsere Augen, ist ja schon auch ein ziemliches Gerücht, wenn man mal bedenkt, wie unser Auge aufgebaut ist und wir Farben wahrnehmen.

Und Kino würde als ohne Film sterben - dann müsste es ja längst tot sein. Denn Kinos mit Filmprojektoren sind nur noch alte Relikte.

Zumal jemand wie Wim Wenders es als Fortschritt erkannt hat, wenn statt der farbverfälschten , -zigsten Kopiegeneration des Originalnegatives durch eine lahme Lampe an eine Leinwand projiziert wird, Laser annähernd die Originalfahren in perfekter Helligkeit auf die Leinwand werfen.

Ich hatte mir Oppenheimer extra im IMAX-Kino angesehen und war letztlich nicht sonderlich beeindruckt von den gebotenen Bildern. Da gab es andere Filme, die eine größere Wirkung hatten.
Aber da ging´s mir eben wie auch bei Tarnatinos H8: Echten Mehrwert hatte der Film aus dem 70mm-Format auch nicht gezogen.

Bei Oppenheimer konnte ich dank IMAX-Format die Filmlampen bei der Lagerfeuerszene in den Brillengläsern eines Darstellers erkennen - welch ein Gewinn für den Film und die Handlung.

Bei Nolan denke ich mir sowieso hin und wieder: Etwas mehr Sorgfalt bei der Inszinierung wäre vielleicht sogar besser, als sein Hang zur technischen Perfektion und seiner Verzwungenheit mit dem analogen Filmemachen.



Darth Schneider
Beiträge: 16706

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von Darth Schneider »

@iasi
Ich denke du missverstehst das, oder hast das verlinkte Video gar nicht, oder nicht zu Ende geschaut. Es geht nicht ums Filmkorn, und auch nicht zwangsläufig um den Look. Es geht um den ganzen Prozess..Und natürlich auch ums Medium analoger Film an sich.
Gruss Boris



iasi
Beiträge: 22783

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von iasi »

Darth Schneider hat geschrieben: Di 19 Sep, 2023 05:14 @iasi
Ich denke du missverstehst das, oder hast das verlinkte Video gar nicht, oder nicht zu Ende geschaut. Es geht nicht ums Filmkorn, und auch nicht zwangsläufig um den Look. Es geht um den ganzen Prozess..Und natürlich auch ums Medium analoger Film an sich.
Gruss Boris
Gerade der Prozess wird immer so verklärt dargestellt.
Dabei hast du bei Film u.a. mit den Generationenverlusten zu kämpfen. Von den tollen Farben, die man beim Negativ und dann bei der ersten Arbeitskopie noch hat, bleiben dann bei der Vorführkopie nur noch verfälschte Farben übrig, die dann auch oft nur in schwacher Projektion auf der Leinwand landen.
Meist wird ja daher heute auch das Negativ eingescannt und dann doch digital weitergearbeitet.

Bisher konnte man Film immer hochauflösender abtasten und somit die Qualität zunehmend steigern, sodass sie immer als bessere erschienen, da die Digitalkameras hinterherhinkten. Aber wir sind bei den Digitalkameras mittlerweile bei solchen Auflösungen, dass der bisherige Auflösungsvorteil auch nicht mehr existiert.

Letztlich macht Nolan eine große Marketingaktion aus seinem IMAX-Markenzeichen.
Andere Filmemacher nutzen den One-Shot-Eindruck.
Anderson z.B. seine geometrische Farbenwelt.

Aber ich will eigentlich im Kino vor allem eine Geschichte erzählt bekommen - mit filmsprachlichen Mitteln.
Nolan & Co. beschränken mit ihren Markenzeichen jedoch letztlich die Ausdrucks- und Gestaltungsmittel der Filmsprache.



7River
Beiträge: 3306

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von 7River »

iasi hat geschrieben: Mo 18 Sep, 2023 22:28
Bei Oppenheimer konnte ich dank IMAX-Format die Filmlampen bei der Lagerfeuerszene in den Brillengläsern eines Darstellers erkennen - welch ein Gewinn für den Film und die Handlung.
Kann es sein, dass Du nach dem Haar in der Suppe suchst? Wer genau hinsieht: Bei „Braveheart“ fliegt ein Flugzeug am Himmel! Bei „Gladiator“ sieht man die Druckluftflaschen unterm Streitwagen! etc. etc.

So etwas kann passieren. Oder nicht?
„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“



Darth Schneider
Beiträge: 16706

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von Darth Schneider »

@iasi
Anderes Beispiel
Klar sind Motorboote viel moderner, zig mal einfacher zu bedienen und schneller. Es wäre aber trotzdem sehr dumm deswegen das Segeln zu verlernen.
Gruss Boris



iasi
Beiträge: 22783

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von iasi »

7River hat geschrieben: Di 19 Sep, 2023 07:25
iasi hat geschrieben: Mo 18 Sep, 2023 22:28
Bei Oppenheimer konnte ich dank IMAX-Format die Filmlampen bei der Lagerfeuerszene in den Brillengläsern eines Darstellers erkennen - welch ein Gewinn für den Film und die Handlung.
Kann es sein, dass Du nach dem Haar in der Suppe suchst? Wer genau hinsieht: Bei „Braveheart“ fliegt ein Flugzeug am Himmel! Bei „Gladiator“ sieht man die Druckluftflaschen unterm Streitwagen! etc. etc.

So etwas kann passieren. Oder nicht?
Nicht, wenn man ständig vom besten Bild und Immersion referiert.
Gerade bei Nolan reißt ein Continuity-Fehler einen auch mal aus dem Filmmoment.

In einer Nahaufnahme in IMAX-Auflösung wird die Lampenreflektion in der Brille nun einmal ziemlich deutlich - und passt eben nicht zum Lagerfeuer in der Wildnis.
Aber das ist dann eben auch einer der Nachteile von Filmnegativen: Man sieht solche Fehler erst, wenn der Drehort längst verlassen ist.



Skeptiker
Beiträge: 5382

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von Skeptiker »

iasi hat geschrieben: Di 19 Sep, 2023 07:59 ...
...
Aber das ist dann eben auch einer der Nachteile von Filmnegativen: Man sieht solche Fehler erst, wenn der Drehort längst verlassen ist.
Er (Nolan) könnte ja eine handliche Digitalkamera an die IMAX-Cam koppeln (mit automatischem Parallaxenausgleich für Nahaufnahmen) zur Echtzeit-Kontrolle von Brillenträgern an Lagerfeuern.



Darth Schneider
Beiträge: 16706

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von Darth Schneider »

Wobei im Kino fallen solche Fehler wie das Beispiel mit dem Auge doch gar nicht auf.
Auch das mit dem Lagerfeuer hab ich nicht mal bemerkt.
Gruss Boris



7River
Beiträge: 3306

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von 7River »

Darth Schneider hat geschrieben: Di 19 Sep, 2023 08:53 … solche Fehler …
Wenn man sich für etwas interessiert oder vom Fach ist, fallen Fehler schneller auf. Ähnlich wäre es bei einem Tanzfilm. Ein Tanzlehrer oder Profitänzer würde mögliche Fehler gleich bemerken.
„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“



Darth Schneider
Beiträge: 16706

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von Darth Schneider »

Das stimmt, ich sehe sogar wenn der kleine. Zeh 10 Grad in die falsche Richtung zeigt. ;))
Gruss Boris



markusG
Beiträge: 3829

Re: Oppenheimer - ästhetisch und handwerklich

Beitrag von markusG »

Darth Schneider hat geschrieben: Mo 18 Sep, 2023 20:12 Einfach nur so aus Spass daran, beharren manche Filmemacher doch scheinbar doch nicht so stur auf altmodischen analogem Filmrollen…
Also dem von dir verlinkten Video nach eben schon. Denn die Eigenheiten von Film werden eher in esoterische Höhen gehieft (a la Licht auf Film "gebannt", wie ein Geist eingefangen). Ist imho auch völlig legitim, für mich hat Film immer schon eine eigene Faszination bewirkt. Aber da geht es vaD um den Spaß bei der Aufnahme, weniger um technische Vorteile.

Man muss aber auch - gemäß Tarantino - eingestehen, dass man da im Kino eine "Illusion" schaut, nicht irgendwelche wissenschaftlichen Abbildungen unterm Mikroskop oder so. Man kann zudem ja nicht die ganze Postpro und am Ende den Weg zum Zuschauer ignorieren. Wenn Film (IMAX wohlgemerkt) 18k zugeschrieben wird, muss man sich auch fragen inwiefern es am Ende überhaupt relevant ist. Wir sehen Filme ja auch nicht in HFR (mit ein paar Ausnahmen), nur weil es möglich ist. Und so schnell funktioniert die Evolution nicht, als dass unsere Augen künftig derart gut werden, den Unterschied zwischen 18k und 4k im Kino zu sehen, entsprechende Projektion vorausgesetzt...

Im Kino habe ich jedenfalls nichts vom IMAX mitbekommen (und es war immerhin analoge 70mm Projektion), das nicht auch digital hätte aufgenommen werden können. Man sieht nicht die Filmrolle (außer die schlechte Projektion, aber das ist ein anderes Thema).

Wenn aber Schauspieler sich besonders Mühe geben, weil jeder Take richtig Asche kostet (wie im Video impliziert), sieht man das schon eher :P



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