Jan Blöd

Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Jan Blöd »

Im Laufe meines Lebens (die letzten 8 Jahre), habe ich diverse Drehbuchsoftware ausprobiert. Derer waren drei:

CELTX
FINAL DRAFT
DRAMAQUEEN

Natürlich gibt es noch mehr. Hier mein Fazit:

CELTX
Ich habe sowohl die kostenlose, als auch die Geld kostende Version benutzt. Bei der kostenlosen Version fand ich einige Sachen gut (z.B. die vorinstallierte Kameraeinstellung), andere weniger gut (so konnte ich nur in PDF exportieren). Bei der kostenden Version hingegen kam ich nicht zurecht.

FINAL DRAFT
Ich benutzte damals Final Draft 6 (lang, sehr lang ists her!). Was mich störte, war, dass das meiste in Englisch war, trotzdem es gut und systematisch aufgebaut war. Deutsch erkannte es nicht, so dass ich in Englisch schreiben musste, was mehr als frustrierend für mich war! Natürlich hat sich FD weiter entwickelt, und ich bin mir sicher, es ist um Längen besser, als meine alte Version. Allerdings war sie damals nicht billig, und man musste in einem Rutsch alles bezahlen.

DRAMAQUEEN
Eine deutsche von Filmschaffenden kreierte Version, die es in drei Ausführungen, darunter eine kostenlos, gibt. Und, man kann alles ein Monat lang prüfen. In der teuersten Version nicht gerade billig, aber, man darf auch in Raten zahlen, und man hat drei Programme von DramaQueen, statt eines wie bei Final Draft oder Celtx. Mit DQ kann man in Deutsch, Englisch, Französisch oder Spanisch schreiben (Wörterbücher on Board), und hat, wie bei Final Draft, von der Idee bis zum fertigem Drehbuch alles übersichtlich.

Mein Fazit:

Da ich die neueste Final Draft nicht kenne, und nicht beurteilen kann, wie gut sie ist, ist mein Testsieger DramaQueen, auch wegen DramaWiki, so die Macher einem alles erklären. So, dass sogar ein Jan Blöd es verstehen kann!



Wurzelkaries
Beiträge: 1117

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Wurzelkaries »

Ich benutze Writer Duet und bin sehr zufrieden. Hatte vorher mit Adobe Story gearbeitet.



Jan Blöd

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Jan Blöd »

Kannst Du was zu dem Programm sagen? Wie teuer ist es, was kann es, was nicht?



beiti
Beiträge: 5134

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von beiti »

Ich habe vor einiger Zeit diverse Drehbuchprogramme ausprobiert und mich bei den meisten an der stark englischsprachigen Ausrichtung gestört. Von daher hat mich DramaQueen positiv überrascht, weil dort alles konsequent auch auf Deutsch funktioniert und man nicht erst durch umfangreiche Eingriffe in den Einstellungen alles für deutschsprachige Drehbücher umbauen muss.
Sehr gut gefallen hat mir in DramaQueen auch die intelligente Import-Funktion, mit der man halbfertige Drehbücher aus anderen Programmen importieren kann. Ich habe es mit Word-Dateien (mit Formatvorlagen) ausprobiert, und der Import klappte reibungslos und fehlerfrei. Es werden sogar Zeit- und Ortsangaben aus Szenenüberschriften korrekt erkannt, egal in welcher Reihenfolge sie vorliegen.
Hat man ein Drehbuch mit DramaQueen fertiggestellt, kann man es bei Bedarf auch im FinalDraft-Format exportieren, was so eine Art Branchenstandard darstellt. So können Produzenten oder nachfolgende Autoren es in ihre jeweils eigene Software importieren.
Kritisch könnte man anmerken, dass die Eindeutschung stellenweise schon etwas übertrieben wurde. Etwa Fortsetzungs-Hinweise beim Seiten- und Szenenumbruch (MORE/CONTINUED) hätte ich nicht eingedeutscht, sondern ganz weggelassen, weil sie in deutschen Drehbüchern bislang nicht üblich sind. Immerhin kann man sie in den Einstellungen jederzeit deaktivieren; von daher ist es kein Problem.

Wenn ich mich heute für eines der Programme entscheiden müsste, würde ich also stark zu DramaQueen tendieren. Aus meiner Sicht würde sogar die Free-Version ausreichen; auf die Komfortfunktionen der Bezahlversionen (z. B. Figurenverwaltung) kann ich verzichten, und die ganzen Storytelling-Assistenten würde ich eh nicht nutzen wollen.

Praktisch bevorzuge ich aber immer noch ein normales Textverarbeitungsprogramm mit meinen selbergebastelten Formatvorlagen. Konkret nutze ich TextMaker, weil ich das auch für andere Texte in Gebrauch habe und sehr zufrieden damit bin (Geschwindigkeit, Stabilität, direkter Kontakt zum Hersteller etc.). Ein weiterer Vorteil von TextMaker ist, dass es davon neben einer Windows- und Linux-Version auch eine praktisch funktionsgleiche Android-Version gibt. Daher brauche ich nun unterwegs kein Notebook mehr, sondern kann mit meinem 10"-Tablet und externer Tastatur arbeiten, was zusammen wesentlich leichter und zudem lautlos ist.
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Jan Blöd

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Jan Blöd »

Das ist ja das Schöne bei einigen Programmen! Man kann SELBST ENTSCHEIDEN, ob man eine, meist abgespeckte Free-Version, oder eine Bezahlversion haben will. Je nachdem, worauf man den Fokus legt. Mir ist z.B. wichtig, meine Charaktere genau beschreiben zu können, auch mit der Vita, zu definieren, was ihr want und need ist, und die Storyline grafisch sichtbar zu machen. Das Storytelling von DramaQueen hilft mir zudem, Dinge, die ich vergessen habe, zu erkennen, und rechtzeitig einzufügen. Allerdings nimmt sie mir weder das Denken noch das Schreiben ab, was bei meinen Dialogen mitunter hilfreich wäre.



Jalue
Beiträge: 1339

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Jalue »

Ich wünsche mir auch hin und wieder ein Programm, das mir das Denken abnimmt, aber wenn es das gäbe, wären wir wohl arbeitslos :-)

Im Ernst, für gelegentliche Nutzer reicht eine Word-Formatvorlage völlig aus. Auch für das Visualisieren von Storylines, bzw. Spannungsbögen tun es in der Regel ein Blatt Papier und ein Satz Buntstifte. Wer unbedingt den Wald schützen möchte, kann dafür eine stinknormale Tabellenkalkulation nutzen.



beiti
Beiträge: 5134

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von beiti »

Jalue hat geschrieben: Sa 24 Jun, 2017 12:53 Im Ernst, für gelegentliche Nutzer reicht eine Word-Formatvorlage völlig aus.
Technisch tut sie das eigentlich. Aber ich biete seit vielen Jahren solche Vorlagen zum Download an und weiß durch teils merkwürdige Rückfragen, was Ahnungslose mit einer Formatvorlage so alles falsch machen können (z. B. setzen sie harte Formatierungen drauf und wundern sich hinterher, wenn die automatische Formatierung durch die Vorlage nicht mehr funktioniert).
Daher würde ich Leuten, die wenig Textverarbeitungs-Vorwissen haben, heute eher zu einem Programm wie DramaQueen raten. Da fallen die meisten Fehlermöglichkeiten, die ein Textverarbeitungsprogramm aufgrund seiner Universalität offenhält, von vornherein weg.
Früher waren Formatvorlagen ja auch aus Kostengründen eine beliebte Alternative für Gelegenheitsnutzer, aber das Argument kann angesichts der kostenlosen Versionen nicht mehr gelten.
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MLJ
Beiträge: 2193

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von MLJ »

@beiti
Ich kenne deine Formatvorlagen und finde die sehr gut gestaltet aber ich kann nicht nachvollziehen was man da noch falsch machen kann beim schreiben. Etwas Grundwissen sollte schon vorhanden sein bei den Autoren was die Textverarbeitung angeht und was harte Formatierungen angeht ;) Ich kenne auch viele Autoren die ihre Drehbücher so schreiben als würden sie an einer Schreibmaschine sitzen und wird auch immer beliebter in letzter Zeit ;)

@Jalue
Zitat:
"Ich wünsche mir auch hin und wieder ein Programm, das mir das Denken abnimmt, aber wenn es das gäbe, wären wir wohl arbeitslos :-)"
Zitat ende.

Allerdings, also sei froh darüber dass es das (noch) nicht gibt. Egal wie sich ein Programm oder Textverarbeitung nennt oder was es kann, man sollte sich nicht zu sehr darauf verlassen und dem Drucker ist es am Ende egal welches Programm genutzt wurde denn der Inhalt zählt, nichts anderes :)

Cheers

Mickey
The little Fox.... May U live 2 C the Dawn



Frank Glencairn
Beiträge: 20256

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Frank Glencairn »

Ich bin von FinalDraft über Celtix zu DramaQueen gekommen, was mittlerweile mein Standard Programm ist - kann ich nur empfehlen.

Von Vorlagen lass ich die Finger, die Formatierung von Hand kostet nur unnötig Zeit und lenkt vom Schreiben ab - das lässt man IMHO besser die Automatik machen. Auch beim Einfügen, Verschieben oder Ändern von Passagen, sind die entsprechenden Programme schneller, und effizienter.
De omnibus dubitandum



-paleface-
Beiträge: 4253

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von -paleface- »

Werfe noch Adobe Story ins Boot.

Hab immer Final Draft genutzt.

Aber sich bei Story überall einloggen und einfach machen ist super.
Auch mit anderen am Buch schreiben geht über die Cloud. Auch nice to have.

Was mir noch fehlt...was aber angeblich gehen soll...bis heute kann ich Story nicht über mein Smartphone nutzen....das wärs noch!
www.mse-film.de | Kurzfilme & Videoclips

www.daszeichen.de | Filmproduktion & Postproduktion



beiti
Beiträge: 5134

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von beiti »

MLJ hat geschrieben: Mo 26 Jun, 2017 16:25 aber ich kann nicht nachvollziehen was man da noch falsch machen kann beim schreiben
Ich habe schon mehrmals Drehbuch-Textdateien in die Finger gekriegt, die ursprünglich auf Basis meiner Vorlagen formatiert waren. Was da manche Leute draus machen, darüber kann man nur noch lachen oder weinen - je nach Gemüt. ;)

Die Macher von "Papyrus" haben ja schon mal versucht, die Leute durch die Hintertür an Vorlagen zu gewöhnen. Zum Beispiel wenn man da irgendwo im Dokument durch "Markieren und Schaltfläche" eine Formatierung setzt, macht das Programm keine harte Formatierung draus, sondern ändert gleich die zugrundeliegende Absatzvorlage.
Ich habe die Entwicklung von Papyrus jetzt länger nicht mehr verfolgt. Keine Ahnung, ob das immer noch so gelöst ist. Mich persönlich hat es eher genervt, weil ich mich gern selber zwischen den Formatierungsarten entscheide.

-paleface- hat geschrieben: Mo 26 Jun, 2017 19:55 Was mir noch fehlt...was aber angeblich gehen soll...bis heute kann ich Story nicht über mein Smartphone nutzen....das wärs noch!
Wobei auf dem Smartphone schon arg wenig Platz ist für ein formatiertes Drehbuch...
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Wurzelkaries
Beiträge: 1117

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Wurzelkaries »

-paleface- hat geschrieben: Mo 26 Jun, 2017 19:55 Werfe noch Adobe Story ins Boot.

Hab immer Final Draft genutzt.

Aber sich bei Story überall einloggen und einfach machen ist super.
Auch mit anderen am Buch schreiben geht über die Cloud. Auch nice to have.

Was mir noch fehlt...was aber angeblich gehen soll...bis heute kann ich Story nicht über mein Smartphone nutzen....das wärs noch!
Writerduet. da Zahlst Du einmal und hast es Dein Leben lang. Geht überall online auch über smartphone... allerdings dann im Browser. Ist auch ne Cloud. Und man kann gemeinsam dran arbeiten wenn man das will.



Frank Glencairn
Beiträge: 20256

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Frank Glencairn »

Ja, Story ist auch nicht verkehhrt
De omnibus dubitandum



Gieraffe Luis
Beiträge: 189

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Gieraffe Luis »

Ich schreib noch von Hand auf ein gutes altes Notizbuch.



7River
Beiträge: 3306

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von 7River »

Da der Thread hervorgeholt wurde…

Ich habe mir vor kurzem „Final Draft Mobile“ fürs iPad aus dem Store geladen. Ich bin wirklich überrascht, wie flott das von der Hand geht.
„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“



Frank Glencairn
Beiträge: 20256

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Frank Glencairn »

Ich bin mittlerweile von Celtx über FinalDraft, Story und Drama Queen bei Causality gelandet, was gegenüber Drama Queen nochmal ein deutlicher Schritt nach oben ist.

Geschwindigkeit, Übersichtlichkeit, Automatisierung, Dependencies und die vielen Story Sequencer Features sind IMHO absolut unerreicht von anderen Programmen, und man kann sich wirklich auf's Entwickeln und Schreiben konzentrieren.





De omnibus dubitandum



Darth Schneider
Beiträge: 16706

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Darth Schneider »

Was ich am Drehbücher schreiben heute witzig finde, ist das die ganze Filmindustrie scheinbar immer noch an dem sehr hässlichen und uralten Schreibmaschine Font hängen geblieben ist…;)

Gibt es dafür überhaupt einen logischen Grund ?

Also zum lesen sind die modernen Fonts die die Buchdruckereien/Verleger heute benutzen jedenfalls viel angenehmer…
Gruss Boris



Frank Glencairn
Beiträge: 20256

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Frank Glencairn »

Darth Schneider hat geschrieben: Sa 29 Apr, 2023 08:42 Was ich am Drehbücher schreiben heute witzig finde, ist das die ganze Filmindustrie scheinbar immer noch an dem sehr hässlichen und uralten Schreibmaschine Font hängen geblieben ist…;)

Gibt es dafür überhaupt einen logischen Grund ?
Nein - es ist eher ne kultische Handlung, wie auch penibel darauf geachtet wird, wie die Drehbücher gebunden sein müssen, mit welchen Klammern oder welche Farben das Deckblatt haben darf etc.

Für den Nutzen oder den Inhalt hat das alles natürlich überhaupt keine Bedeutung.
Manche legen halt Wert auf sowas, anderen ist es völlig wurscht.
De omnibus dubitandum



Gysenberg
Beiträge: 234

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Gysenberg »

Frank Glencairn hat geschrieben: Sa 29 Apr, 2023 08:06 Ich bin mittlerweile von Celtx über FinalDraft, Story und Drama Queen bei Causality gelandet, was gegenüber Drama Queen nochmal ein deutlicher Schritt nach oben ist.

Geschwindigkeit, Übersichtlichkeit, Automatisierung, Dependencies und die vielen Story Sequencer Features sind IMHO absolut unerreicht von anderen Programmen, und man kann sich wirklich auf's Entwickeln und Schreiben konzentrieren.
Danke. Causality macht schon beim Ansehen des Trailers einen so guten Eindruck, dass man gleich zugreifen möchte. Der Preis für eine lebenslange Lizenz ist mehr als akzeptabel. Kannte ich bisher nicht.

Trotzdem möchte ich hier noch Scrivener erwähnen, die eierlegende Wollmilchsau und meine To-Go-Software in unterschiedlichen Bereichen des Schreibens. Hat unendliche Möglichkeiten, Recherchematerial einzubinden, kann auch in FD exportieren.



Frank Glencairn
Beiträge: 20256

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Frank Glencairn »

Gysenberg hat geschrieben: Sa 29 Apr, 2023 11:02

Trotzdem möchte ich hier noch Scrivener erwähnen, die eierlegende Wollmilchsau und meine To-Go-Software in unterschiedlichen Bereichen des Schreibens. Hat unendliche Möglichkeiten, Recherchematerial einzubinden, kann auch in FD exportieren.


Tatsächlich sind sich Scrivener und Causality in einigen Bereichen sehr ähnlich, sogar beim Research Feature, Exporte etc..
Wobei Causality allerdings hauptsächlich für Drehbücher gedacht ist, während man mit Scrivener ja auch andere Sachen machen kann.
De omnibus dubitandum



Drushba
Beiträge: 2440

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Drushba »

Darth Schneider hat geschrieben: Sa 29 Apr, 2023 08:42 Was ich am Drehbücher schreiben heute witzig finde, ist das die ganze Filmindustrie scheinbar immer noch an dem sehr hässlichen und uralten Schreibmaschine Font hängen geblieben ist…;)

Gibt es dafür überhaupt einen logischen Grund ?

Also zum lesen sind die modernen Fonts die die Buchdruckereien/Verleger heute benutzen jedenfalls viel angenehmer…
Gruss Boris
Klar gibt es den. Es ist das Standardformat in Hollywood und ermöglicht "genormtes Lesen". Wenn Agenturen und Studios mit hunderten Drehbüchern erschlagen werden, dann ist dies ziemlich hilfreich bei der Analyse. Habe mal ein Interview mit einem Agenten von United Artist gelesen: Ihm zufolge schlagen Lektoren im Erstdurchgang die zentralen Stellen nach und schauen z.B. ob der Plotpoint 1 auf Seite 27ff sitzt, der Midpoint, das retardierende Moment etc. an jeweils den Stellen zu finden sind, die sich im Industriebereich bzw. in der Standarddramaturgie durchgesetzt haben. Erst wenn die Formalia stimmen, wird das Buch ganz gelesen, weil dies als Nachweis der Professionalität gilt (und die Masse der Dilettanten so zeitsparend ausgesiebt werden kann). Wenn jeder eine andere Schriftart verwenden würde (und womöglich noch eine andere Schriftgröße, Zeilenabstand etc.), dann wäre das sicher nicht mehr möglich. Darum wird auch empfohlen, das Buch immer mit Final Draft im Industriestandard zu formatieren. Das Auge gewöhnt sich IMHO an alles. ;-)
Lieber glaub ich Wissenschaftlern, die sich mal irren, als Irren, die glauben, sie seien Wissenschaftler.



berlin123
Beiträge: 483

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von berlin123 »

Drushba hat geschrieben: Sa 29 Apr, 2023 23:13
Darth Schneider hat geschrieben: Sa 29 Apr, 2023 08:42 Was ich am Drehbücher schreiben heute witzig finde, ist das die ganze Filmindustrie scheinbar immer noch an dem sehr hässlichen und uralten Schreibmaschine Font hängen geblieben ist…;)

Gibt es dafür überhaupt einen logischen Grund ?

Also zum lesen sind die modernen Fonts die die Buchdruckereien/Verleger heute benutzen jedenfalls viel angenehmer…
Gruss Boris
Klar gibt es den. Es ist das Standardformat in Hollywood und ermöglicht "genormtes Lesen". Wenn Agenturen und Studios mit hunderten Drehbüchern erschlagen werden, dann ist dies ziemlich hilfreich bei der Analyse. Habe mal ein Interview mit einem Agenten von United Artist gelesen: Ihm zufolge schlagen Lektoren im Erstdurchgang die zentralen Stellen nach und schauen z.B. ob der Plotpoint 1 auf Seite 27ff sitzt, der Midpoint, das retardierende Moment etc. an jeweils den Stellen zu finden sind, die sich im Industriebereich bzw. in der Standarddramaturgie durchgesetzt haben.
Exakt. Nach der Faustregel entspricht eine Seite einer Minute.



7River
Beiträge: 3306

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von 7River »

berlin123 hat geschrieben: So 30 Apr, 2023 02:15 Exakt. Nach der Faustregel entspricht eine Seite einer Minute.
Ausnahmen bestätigen die Regel: „All is lost“ hat nur 32 Seiten. Der Film geht 106 Minuten.
„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“



Darth Schneider
Beiträge: 16706

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Darth Schneider »

7river
Ich finde das fast schon beängstigend einengend…
Weil bei solch genauen Regeln mit genormtem Lesen geht doch die Kreativität definitiv einfach verloren.

Und da der Plotpoint 1 gar nicht bei jedem Film nach genau 27 Minuten stattfindet, die anderen Plotpoints und der Midpoint nicht immer am selben Ort sind. Ebenso gar nicht in jedem Film in jeder Minute genau gleich viel passiert. Die Filme ja Gott sei Dank gar nicht gleich lang sind und gar nicht gleich viel Dialoge enthalten.

Gehe ich sehr stark davon aus das sich (zum Glück) gar nicht alle Drehbuch Schreiber an so stupide Regeln halten müssen.

Nur weil die Damen und Herren Produzenten bei United Artist scheinbar schlichtweg zu faul zum lesen sind…;))))

Für mich hat keine einzige von diesen Regeln etwas mit einem Nachweis für Professionalität zu tun…
Gruss Boris



Drushba
Beiträge: 2440

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Drushba »

Darth Schneider hat geschrieben: So 30 Apr, 2023 07:33 7river
Ich finde das fast schon beängstigend einengend…
Weil bei solch genauen Regeln mit genormtem Lesen geht doch die Kreativität definitiv einfach verloren.
Ein Schachspieler würde Dir hier bestimmt widersprechen.)) Ich sehe Deinen Punkt und habe ihn auch lange geteilt bzw. in Drehbuchseminaren den Aufstand geprobt. Derzeit denke ich etwas anders darüber. Kinofilme haben eine Erzählstrecke von ca. 100 Minuten und orientieren sich an psychologisch nahezu perfekt erforschten Grundmustern (nicht in D, wohl aber in Hollywood). Um auf 100 Minuten nicht zu langweilen, hat sich dieses Korsett bewährt, das natürlich aber mit kreativem Inhalt gefüllt werden muss. Ich habe "All is lost" nicht gesehen, darum würde es mich interessieren, ob im fertigen Film die Struktur erkennbar ist. 30 Seiten entspricht einem Treatment, also grob einem "Drehbuch ohne Dialoge". Da im Film kaum Dialoge vorkommen (ist jetzt nur mein schnell nachgeschlagenes Wiki-Wissen, 7River mag mich korrigieren) könnte es also hinkommen. ;-)

PS: Natürlich funktionieren auch andere Strukturen, vor allem im Arthousebereich, wo es auf neue Seh- und Denkanstösse und nicht auf Boxoffice ankommen sollte. Da kann das IMHO sogar ziemlich erfrischend wirken, zumindest wenn mensch sich die Mühe macht, sich darauf einzulassen. Im Dokfilm lehne ich Dramaturgie gänzlich ab, weil dies verfälschend eingreift (und wohl durch die eingeschmuggelte dramaturgische Struktur das filmisch bereits auf Hollywood genormte Publikum bauchpinseln soll). Hierzu werden auf jedem größeren Festival stupide "documentary dramaturgy workshops" angeboten werden, wo europaweit die immer gleichen Typen unterrichten und nicht sehen wollen, dass sie den Dokfilm damit in seiner Glaubwürdigkeit ruinieren. Aber wie gesagt: Wenn hohes Boxoffice angestrebt ist, dann funktionieren die erprobten dramaturgischen Strukturen so gut, dass daran festgehalten wird. McDonalds-Prinzip?
Lieber glaub ich Wissenschaftlern, die sich mal irren, als Irren, die glauben, sie seien Wissenschaftler.



7River
Beiträge: 3306

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von 7River »

Drushba hat geschrieben: So 30 Apr, 2023 10:44 Ich habe "All is lost" nicht gesehen, darum würde es mich interessieren, ob im fertigen Film die Struktur erkennbar ist. 30 Seiten entspricht einem Treatment, also grob einem "Drehbuch ohne Dialoge". Da im Film kaum Dialoge vorkommen (ist jetzt nur mein schnell nachgeschlagenes Wiki-Wissen, 7River mag mich korrigieren) könnte es also hinkommen. ;-)
Sicher ist „All is lost“ eine Ausnahme. Es gibt zu Beginn einen Monolog. Das ist quasi der einzige gesprochene Text in dem gesamten Film. Dennoch hat das Drehbuch nur 32 Seiten. Man kann es im Internet herunterladen. Als PDF. Ein Treatment ist das eigentlich nicht.

In den meisten Fällen stimmt das auch überein, mit eine Seite Drehbuch=eine Minute Film. Nur bei bestimmten Situationen und/oder Beschreibungen deckt sich das nicht. Z.B jemand flüchtet durch einen Wald oder ein Auto fährt eine lange, kurvige (Serpentine) Straße entlang. Im Film kann so etwas mal 3-5 Minuten gehen, in verschiedenen Einstellungen, aufwändige Kamerafahrten etc. Im Drehbuch sind das nur paar Sätze, wenn es überhaupt hinkommt.
„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“



Darth Schneider
Beiträge: 16706

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Darth Schneider »

Nun ja, ihr habt sicher recht, wenn die Strukturen so funktionieren gibt es keinen Grund diese zu ändern. Und es wird ja auch einfacher für die Leute die Drehbücher schreiben, weil sie dann etwas haben woran sie sich ganz klar orientieren können…

Wobei wenn ich was lese von, es müssen die exakt richtigen Klammern sein die das Drehbuch zusammenhalten und von den richtigen Farben auf dem Deckblatt hört bei mir der strukturierte Spass dann doch auf..;)))
Gruss Boris



Frank Glencairn
Beiträge: 20256

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Frank Glencairn »

Darth Schneider hat geschrieben: So 30 Apr, 2023 14:46

Wobei wenn ich was lese von, es müssen die exakt richtigen Klammern sein die das Drehbuch zusammenhalten und von den richtigen Farben auf dem Deckblatt hört bei mir der strukturierte Spass dann doch auf..;)))
Eigentlich sind das mehr Schrauben.


image_2023-04-30_040703102.png
Mann kann allerdings auch Heavy Duty Klammern (3 Löcher aber nur 2 Klammern und nur aus Messing) nehmen und nur mit speziellen Beilagscheiben.



Und was das Deckblatt betrifft ...

De omnibus dubitandum
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Frank Glencairn
Beiträge: 20256

Re: Drehbuchschreibprogramme - Mein Test

Beitrag von Frank Glencairn »

Noch was: wenn sich jemand für Drehbuchschreiben interessiert, dem kann ich diesen Kanal nur wärmstens empfehlen:

https://www.youtube.com/@filmcourage/videos
De omnibus dubitandum



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