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Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P



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andieymi
Beiträge: 577

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von andieymi » Mi 17 Nov, 2021 13:41

Darth Schneider hat geschrieben:
Mi 17 Nov, 2021 12:46
Jeder DoP der ein nur schon dran denkt, ein 12mm an die Kamera zu schrauben, kriegt spätestens nach dem ersten Take gleich ne Watschen…:))
Oder 8 Nominierungen mit 3 Oscars, wenn man Lubezki heißt.

Ich glaube nicht, dass sich das so auf Weitwinkel oder nicht verallgemeinern lässt. Klar, irgendwie fehlen die 300m Dolly Long-Lens Tracking-Shots übers Schlachtfeld, aber allein am Weitwinkel liegt es nicht.
Andere drehen auch fast nur leichten Weitwinkel-Normalbrennweite (Deakins) oder eben viel Weitwinkel (Lubezki) und das schreit nicht nach deutschem Film.

Ich habe eine Hypothese, nicht mehr nicht weniger: Verbeamtetes Filmemachen. Fängt schon mit den betreuenden Redakteuren bei szenischen Produktionen an. Es gibt einen Regisseur. Wozu braucht's einen Redakteur? Den selben Effekt merkt man doch irgendwie bei Major Studio-Produktionen auch. Da ist vieles alles absolut langweilig gedreht, mit CG gut kaschiert. Da gibt's keine bildsprachemäßige Vision mehr, nicht die geringste. Avengers sehen 1:1 aus wie Infinity oder jede andere blockbustermäßige Produktion. Zu viele Köche nehmen jegliche Autorenverantwortung, im Sinn einer Regie-Vision weg. Wie auch, wenn der Regisseur ausschließlich Schauspiel-Bespaßer am Set ist. Buch hat er/sie nicht geschrieben, beim Edit vmtl nicht dabei, etc. - und über allem steht das Studio, was jede kleinste Kreativentscheidung einer Marktforschung unterwirft und im Zweifelsfall cancelt.

Ich glaube nicht, dass es an den Schauspielern liegt. Sehr viel, was einfach schlecht gespielt ist, ist so schlecht geschrieben, dass Tom Hanks das auch nicht besser hinbekäme. Immer diese Selbstgespräche der Charaktere, die gefühlt mit niemandem reden, aber irgendetwas sagen müssen um den letzten DAZ abzuholen statt mal einfach anders versuchen zu erzählen. Fällt mir extrem oft bei deutschen Filmen auf, Gegenteil von Show don't Tell. Im Gegenteil. Nicht mal etwas in einen sinnvollen Dialog packen, sondern fast als Selbstgespräch inszeniert. Vielleicht ist sogar im gleichen Raum off camera am anderen Raumende noch jemand, aber artikuliert wird es einfach weil Zuschauer es scheinbar hören soll.

Für deutsche Produktionen, ich glaub es fehlt manchen (das sind wirklich nicht alle, es gibt genügend Beispiele fern der ÖRen, die das anders machen) einfach der Mut, bei fast allem was versucht wird. Die Idee wird aufgegriffen, aber dann so oft durch den gedanklichen Reißwolf gedreht, bis am Ende nur mehr ein Kompromiss steht.

Es liegt sicher nicht am Weitwinkel per so, es liegt am Weitwinkel ohne die dazugehörige Perspektive. Wenn ich weitwinklig drehen will muss ich mir die perspektivische Intimät zunutze machen. Einen Schritt zu weit weg und ich verliere einerseits sowieso das teligere "Aufräumen" im Bild, kompositorische Geradlinigkeit mit mehr Unschärfe, gleichzeitig nichts halbes & nichts ganzes mehr. Wenn ich weitwinklig drehen will zählt auch jeder Millimeter über/unterhalb der Eyeline, weil ich sofort (auf Augenhöhe) eine gefühlte Aufsicht entwickle.

Sehr viel wird einfach immer auch auf der Standard-2-Fach-Alura-Kombi bei 4-5,6 gedreht. Nichts gegen Zooms, wo sie Sinn machen, aber Standardwerkzeug heißt halt, dass es für alles funktioniert aber echt halbgar aussieht. Schaut man sich Hollywood-Produktionen an, hängt da sehr oft Panavision vor der (deutschen) Kamera. Das ist dann ein Optikfundus seit den 60ern, in Deutschland sind die szenischen Produktionen, die nicht auf entweder Ultra Primes, Super Speeds (aber bitte nur ab 4!), S4s, vielleicht Master Primes und eben genannten Aluras fast an einer Hand abzuzählen. Es liegt nicht per se an den Optiken, aber es ist ein kleines Rädchen in der Produktion, wieso etwas so oder anders ausschaut.

Licht letztendlich ist auch ein Thema. Wo sieht man in DE mal ein Key-Fill-Verhältnis von 3:1 (oder größer)? Das deutsche Film-Drama sieht entweder aus wie eine erzwungene Semi-Silhouettige-Hairlight-Orgie oder aber wie eine schön geleuchtete gemachte amerikanische Komödie. Aber die Fill-Seite ist nie weit unten genug, dass überhaupt mal sowas wie Plastizität entsteht oder man das Backlight (das es mit der Methode fast immer gibt, und wenn's vom Himmel kommt) schon wieder vom Nacken her spürt. Das geht halt erst, wenn mehr Black- als Fill mit im Spiel ist.

Letztendlich betrifft auch viel Planung & Budgets. Einerseits Planung, weil glaub ich nirgendwo so viel On-Location gedreht wird als als in Deutschland. Das heißt oft Kompromisse bei Blocking, Bewegung, Licht etc. - ist es dann mal Studio schaut es aber halt auch oft nicht so gut aus, wie bei den Amerikanern, die dann gern viel mehr im Studio drehen. Wenn ich jetzt den Räuber-Hotzenplotz-Trailer nehme: Da sieht teilweise nach Set aus, was keins ist (durch uninspirierte Kameraperspektive) und was ein Set ist so lieblos ausgestattet, dass es Studenten auch nicht schlechter gemacht hätten.
Das bringt aber auch zum Punkt Budget: Deutsche Produktionen haben selten mehr Maximalbudget, als amerikanische Indie-Produktionen durchschnittlich. Da reden wir über teilweise mehrere Nullen hinten dran, die zu den Blockbustern fehlen, die im Kino rauf und runter laufen. Das man das irgendwo oft auch merken muss, ist glaube ich auch nichts, was man wegleugnen kann. Kaum eine deutscher Film wird mit über 2 Mio. Euro produziert und das sieht man. Da fangen ernstzunehmende Indies erst an. Und trotzdem ist dann in DE das Gefühl da, mehr ist halt nicht rauszuholen, weil es tatsächlich einfach mit den Strukturen hier nicht mehr Geld für vieles gibt. Andere Strukturen sagen damit können wir mal arbeiten, aber das Gefühl noch was rausholen zu müssen ist da, nicht man hat das Ende der Fahnenstange eigentlich erreicht.




iasi
Beiträge: 18713

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von iasi » Mi 17 Nov, 2021 13:44

Darth Schneider hat geschrieben:
Mi 17 Nov, 2021 11:21
Darum wirken deutsche Filme so deutsch.;)



Die Studenten werden scheinbar halt so ausgebildet…
Nicht das ich den Trailer schlecht finde, aber er sieht schon auch sehr deutsch aus…;)
Der eher rohe Stil passt aber durchaus. Die Charaktere sind sofort im Zentrum der Aufmerksamkeit, denn die Kamera lenkt nicht ab, sondern hält nur drauf.

Leider deutet der Trailer keine Handlung an, die mich packen würde.
Die Hauptfigur wird jedoch sofort etabliert und wirkt interessant und intensiv.




Frank Glencairn
Beiträge: 15287

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Frank Glencairn » Mi 17 Nov, 2021 13:44

iasi hat geschrieben:
Mi 17 Nov, 2021 13:34


Der Tod des Herrn Lazarescu besticht doch gerade durch den
„überwältigenden dokumentarischen Realismus“,


Find ich gar nicht, für mich beschädigt das ENG Gewackel und die lieblosen uninspirierten Einstellungen den Film,
der von besserer Kameraarbeit 100% profitiert hätte. So sieht es nur nach ner lausigen Scripted Reality Show aus.




Frank Glencairn
Beiträge: 15287

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Frank Glencairn » Mi 17 Nov, 2021 13:49

iasi hat geschrieben:
Mi 17 Nov, 2021 13:44


Leider deutet der Trailer keine Handlung an, die mich packen würde.
Weil es keine Handlung (Plot) gibt - da kann dich dann auch nix packen.

Die Kamera wurde wirklich "nur draufgehalten" und deshalb lenkt sie auch ab, weil man sich die ganze Zeit bewußt ist,
durch eine Kamera zu schauen die durch die Gegend getragen wird. Das verhindert, daß man in den Film eintaucht.




Cinemator
Beiträge: 692

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Cinemator » Mi 17 Nov, 2021 14:13

Oh my God! Junges deutsches Kino.
Er: Was ist mit dir? Sie: Nichts, was du ändern könntest. (Casablanca)




Darth Schneider
Beiträge: 9890

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Darth Schneider » Mi 17 Nov, 2021 14:25

Das waren doch Studenten oder ?
Womöglich hatten die gar nicht so viel Zeit.
Seit doch nicht gleich so hart mit den Kids..
Gruss Boris
Ich werde der dunklen Seite widerstehen und mir die Pocket Pro heute nicht kaufen !




Map die Karte
Beiträge: 57

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Map die Karte » Sa 27 Nov, 2021 16:59




7River
Beiträge: 2236

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von 7River » Sa 27 Nov, 2021 17:14

Ganz großes Kino...
„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“




iasi
Beiträge: 18713

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von iasi » Sa 27 Nov, 2021 17:32

Map die Karte hat geschrieben:
Sa 27 Nov, 2021 16:59
Läuft das dann auf dem Kinderkanal?

Jedenfalls lassen es die Koreaner schon anders krachen:




Mantas
Beiträge: 917

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Mantas » Sa 27 Nov, 2021 17:52

super Vergleich.




7River
Beiträge: 2236

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von 7River » Sa 27 Nov, 2021 18:21

Ich weiß gar nicht, was hier alle haben. Das ist ein Super-Film.

„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“




Darth Schneider
Beiträge: 9890

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Darth Schneider » So 28 Nov, 2021 07:53

Sieht toll aus. Aber es würde mich nicht wundern wenn der Kameramann dann doch kein Deutscher war..;))
Gruss Boris
Ich werde der dunklen Seite widerstehen und mir die Pocket Pro heute nicht kaufen !

Zuletzt geändert von Darth Schneider am So 28 Nov, 2021 08:11, insgesamt 1-mal geändert.




7River
Beiträge: 2236

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von 7River » So 28 Nov, 2021 08:10

Seine Filme sehen auch immer gleich aus. Von den Farben, den Look… Es war von mir natürlich etwas ironisch gemeint, obwohl seine Filme solide sind. Ich werde ihn mir natürlich anschauen. Da gibt es übrigens eine gute Kritik zu. Auf YouTube, der feine Herr vor dem Bücherregal.
„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“




Darth Schneider
Beiträge: 9890

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Darth Schneider » So 28 Nov, 2021 08:12

Til Schweiger hat einfach ne komische Stimme….Fand ich irgendwie schon immer.
Gruss Boris
Ich werde der dunklen Seite widerstehen und mir die Pocket Pro heute nicht kaufen !




Frank Glencairn
Beiträge: 15287

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Frank Glencairn » So 28 Nov, 2021 08:16

Darth Schneider hat geschrieben:
So 28 Nov, 2021 07:53
Sieht toll aus. Aber es würde mich nicht wundern wenn der Kameramann dann doch kein Deutscher war..;))
Nee, das war der René Richter - der dreht seit ein paar Jahren quasi alles für Schweiger.

Seine Filme sehen auch immer gleich aus. Von den Farben, den Look… Es war von mir natürlich etwas ironisch gemeint, obwohl seine Filme solide sind.
[/quote]

Man kann von Till Schweiger halten was man will, aber seine Filme gehören zu den wenigen deutschen Produktionen, die visuell wenigstens halbwegs internationales Niveau haben.

Zuletzt geändert von Frank Glencairn am So 28 Nov, 2021 08:25, insgesamt 1-mal geändert.




Darth Schneider
Beiträge: 9890

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Darth Schneider » So 28 Nov, 2021 08:21

Der Renè und wer auch immer an der Ausstattung, den Farben und dem Licht mit gearbeitet haben, die haben keinen deutschen Geschmack.
Der Look sieht jedenfalls eher nach Hollywood aus, wie nach typisch deutsch.;)
Gruss Boris
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Frank Glencairn
Beiträge: 15287

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Frank Glencairn » So 28 Nov, 2021 08:43

Darth Schneider hat geschrieben:
So 28 Nov, 2021 08:21

Der Look sieht jedenfalls eher nach Hollywood aus, wie nach typisch deutsch.;)
Auch nicht wirklich, ich finde es sieht eher typisch schweigerisch aus.




Darth Schneider
Beiträge: 9890

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Darth Schneider » Mo 29 Nov, 2021 06:39

Eben, typisch schweigerisch, wegen ihm und nicht wegen dem Filmlook.
Das wird doch ihm womöglich selber schon langsam langweilig…
So viel er sich auch Mühe gibt und die Filme inzwischen schon sehr toll aussehen, der mit Abstand beste für mich war trotzdem immer noch Der bewegte Mann…
Nun gut alle Schweiger Filme hab ich auch nicht gesehen, nach Zweiohrküken hab ich dann resigniert….
Also wirklich was neues wagt der Til (nach dem neuen Trailer zu urteilen) scheinbar leider auch nicht, trotz seinen finanziellen und somit auch künstlerischen Möglichkeiten…
Hübsch anzusehen, aber,
sonst immer das selbe halb komisch halb peinliche Herzschmerz Gesülze, finde ich jetzt.
Gruss Boris
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Frank Glencairn
Beiträge: 15287

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Frank Glencairn » Mo 29 Nov, 2021 09:50

Darth Schneider hat geschrieben:
Mo 29 Nov, 2021 06:39
Eben, typisch schweigerisch, wegen ihm und nicht wegen dem Filmlook.
Das wird doch ihm womöglich selber schon langsam langweilig…
So viel er sich auch Mühe gibt und die Filme inzwischen schon sehr toll aussehen, der mit Abstand beste für mich war trotzdem immer noch Der bewegte Mann…
Ich seh ja ab und an die jeweils aktuellen Trailer, hab dabei das Gefühl, daß es sich immer um den selben Film handelt.




Darth Schneider
Beiträge: 9890

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Darth Schneider » Mo 29 Nov, 2021 10:05

Apropos Deutsche Filme.
Was ist eigentlich mit dem Bulli ?
Dreht der keine Kinofilme mehr ?
Der Schuh des Manitu fand ich jedenfalls sehr toll, zum kaputt lachen, der Film kam auch schön herüber im Kino..



Klar über den Humor lässt es sich streiten, das gefällt nicht jedem.
Aber typisch deutsch finde ich den Film gar nicht, und ziemlich mutig, so Winetous Bruder als Schwuchtel darzustellen.…;)
Gruss Boris
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7River
Beiträge: 2236

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von 7River » Mo 29 Nov, 2021 11:02

@Boris, der Bulli hat vor zwei Jahren den Film „Ballon“ gedreht. Sehr zu empfehlen.

„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“




iasi
Beiträge: 18713

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von iasi » Mo 29 Nov, 2021 21:29

Darth Schneider hat geschrieben:
Mo 29 Nov, 2021 10:05
Apropos Deutsche Filme.
Was ist eigentlich mit dem Bulli ?
Dreht der keine Kinofilme mehr ?
Der Schuh des Manitu fand ich jedenfalls sehr toll, zum kaputt lachen, der Film kam auch schön herüber im Kino..



Klar über den Humor lässt es sich streiten, das gefällt nicht jedem.
Aber typisch deutsch finde ich den Film gar nicht, und ziemlich mutig, so Winetous Bruder als Schwuchtel darzustellen.…;)
Gruss Boris
Den hatten wir mal in einer deutschen Filmreihe im Ausland gezeigt. Mit sehr mäßigem Erfolg.
Die meisten Zuschauer hatte hingegen dieser Film:




7River
Beiträge: 2236

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von 7River » Di 30 Nov, 2021 06:11

Also dieser Film war wirklich bewegend. Er zeigt auch irgendwie die Kehrseite der neuen Technik.

„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“




Darth Schneider
Beiträge: 9890

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Darth Schneider » Di 30 Nov, 2021 06:44

Ja er zeigt es ganz klar und jeder weiss von den Gefahren.
Und trotzdem passieren solche eigentlich vermeidbare Dramas ja auch heute immer wieder.
Es gibt immer wieder genug dumme Leute die fröhlich weiter Zeugs filmen, hochladen auch was sie nicht dürfen und was auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist…
Gruss Boris
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7River
Beiträge: 2236

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von 7River » Di 30 Nov, 2021 07:43

Schau Dir den mal an. Der ist wirklich gut. Der junge Mann war verliebt und hat dann was aufgenommen. Das Hochladen hat ein vermeintlicher Freund dann getan...
„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“




Jalue
Beiträge: 1079

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Jalue » Mi 01 Dez, 2021 13:32

Die Gründe für den typisch „deutschen Look“ (und „feel“) sind vielfältig, die meisten wurden hier bereits angesprochen. Die m.E. wesentlichen sind:

- Talent-Aderlass in der Nazizeit
- Oberhausener Manifest/“Regie-Gott-Kult“ ab der sechziger Jahre
- Ein völlig verhunzte Förderungskultur, inklusive übertriebener Einflussnahme durch TV-Sender
- Ein zu kleiner Absatzmarkt für deutschsprachige Filme, der wirklich große Budgets a la Hollywood nicht amortisieren kann.

Hinzu kommt: Drama braucht Fallhöhe, und bis vor kurzem (gerechnet nach den Maßstäben von Historikern, also 20-30 Jahren) war Deutschland eine ziemlich langweilige, kleinbürgerlich-saturierte Mittelschichtsgesellschaft. Ikonisch dafür waren die An** al-Humor-Komödien bzw. Romantic Comedies typisch deutscher Prägung, wahlweise öde TV-Krimis, wo Frau Dr. ihren Ehemann vergiftet, weil der ein Techtel mit seiner Sekretärin hatte.

Doch das hat sich ab der Jahrtausendwende (Neoliberalisierung, Krieg gegen den Terror, Finanzmarkt- sowie Migrationskrise) sukzessive verändert und weitaus radikalere, gesellschaftliche Brüche stehen ins Haus. Kann also sein, dass der deutsche Film gezwungenermaßen besser wird. Wenn die Hütte brennt, wird Bulli- und Till-Kram zur belächelten Altlast.




iasi
Beiträge: 18713

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von iasi » Mi 01 Dez, 2021 21:50

Jalue hat geschrieben:
Mi 01 Dez, 2021 13:32
Die Gründe für den typisch „deutschen Look“ (und „feel“) sind vielfältig, die meisten wurden hier bereits angesprochen. Die m.E. wesentlichen sind:

- Talent-Aderlass in der Nazizeit
- Oberhausener Manifest/“Regie-Gott-Kult“ ab der sechziger Jahre
- Ein völlig verhunzte Förderungskultur, inklusive übertriebener Einflussnahme durch TV-Sender
- Ein zu kleiner Absatzmarkt für deutschsprachige Filme, der wirklich große Budgets a la Hollywood nicht amortisieren kann.

Hinzu kommt: Drama braucht Fallhöhe, und bis vor kurzem (gerechnet nach den Maßstäben von Historikern, also 20-30 Jahren) war Deutschland eine ziemlich langweilige, kleinbürgerlich-saturierte Mittelschichtsgesellschaft. Ikonisch dafür waren die An** al-Humor-Komödien bzw. Romantic Comedies typisch deutscher Prägung, wahlweise öde TV-Krimis, wo Frau Dr. ihren Ehemann vergiftet, weil der ein Techtel mit seiner Sekretärin hatte.

Doch das hat sich ab der Jahrtausendwende (Neoliberalisierung, Krieg gegen den Terror, Finanzmarkt- sowie Migrationskrise) sukzessive verändert und weitaus radikalere, gesellschaftliche Brüche stehen ins Haus. Kann also sein, dass der deutsche Film gezwungenermaßen besser wird. Wenn die Hütte brennt, wird Bulli- und Till-Kram zur belächelten Altlast.
Auch nach dem Krieg wurden hochwertige Filme in D gedreht.
Das Problem begann später mit der Inflation der Film- und Medien-Schulen.

Und das Problem ist wirklich, wie du sagst, die Themenlosigkeit.
Da brennt niemand mehr für eine Sache und setzt die Möglichkeiten des Films in vehementer Form ein, um der Sache Ausdruck zu verleihen.

Die Koreaner z.B. drehen mal eben einen Monsterfilm, der eine Prämisse für gesellschaftliche Betrachtungen bietet. Währenddessen verlieren sich die Deutschen in Fantasie-Geschichten oder Komissare ermitteln Fälle, in die eine aktuelle Thematik eingepflanzt wurde.




cantsin
Beiträge: 10209

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von cantsin » Mi 01 Dez, 2021 23:32

Ich hab' mir mal gerade die Dozentenverzeichnisse der Filmhochschulen Berlin, Babelsberg, München und Ludwigsburg angesehen (und musste fast alle Namen in IMDB nachschlagen) und bin ehrlich schockiert. Da wundert mich nichts mehr - graues TV-Mittelmaß bringt graues TV-Mittelmaß hervor.




dienstag_01
Beiträge: 11424

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von dienstag_01 » Mi 01 Dez, 2021 23:42

cantsin hat geschrieben:
Mi 01 Dez, 2021 23:32
Ich hab' mir mal gerade die Dozentenverzeichnisse der Filmhochschulen Berlin, Babelsberg, München und Ludwigsburg angesehen (und musste fast alle Namen in IMDB nachschlagen) und bin ehrlich schockiert. Da wundert mich nichts mehr - graues TV-Mittelmaß bringt graues TV-Mittelmaß hervor.
Wer müsste denn dort sein?




cantsin
Beiträge: 10209

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von cantsin » Mi 01 Dez, 2021 23:50

dienstag_01 hat geschrieben:
Mi 01 Dez, 2021 23:42
cantsin hat geschrieben:
Mi 01 Dez, 2021 23:32
Ich hab' mir mal gerade die Dozentenverzeichnisse der Filmhochschulen Berlin, Babelsberg, München und Ludwigsburg angesehen (und musste fast alle Namen in IMDB nachschlagen) und bin ehrlich schockiert. Da wundert mich nichts mehr - graues TV-Mittelmaß bringt graues TV-Mittelmaß hervor.
Wer müsste denn dort sein?
Andreas Dresen, Dominik Graf, Thomas Heise, Maren Ade, Fatih Akin, Christian Petzold, Hans-Christian Schmid, Oskar Roehler... Das wäre ungefähr die Liga, in der IMHO ein Regieprofessor spielen müsste. Soweit ich mich erinnere, war das früher (70er-90er Jahre) in Berlin und München auch der Fall, nur dann eben mit einer älteren Generation Filmemacher.

Stattdessen sehe ich da auf den Filmhochschul-Websites Professoren, die den "Usedom-Krimi" als ihr Portfolio haben.




dienstag_01
Beiträge: 11424

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von dienstag_01 » Mi 01 Dez, 2021 23:59

cantsin hat geschrieben:
Mi 01 Dez, 2021 23:50
dienstag_01 hat geschrieben:
Mi 01 Dez, 2021 23:42

Wer müsste denn dort sein?
Andreas Dresen, Dominik Graf, Thomas Heise, Maren Ade, Fatih Akin, Christian Petzold, Hans-Christian Schmid, Oskar Roehler... Das wäre ungefähr die Liga, in der IMHO ein Regieprofessor spielen müsste. Soweit ich mich erinnere, war das früher (70er-90er Jahre) in Berlin und München auch der Fall, nur dann eben mit einer älteren Generation Filmemacher.

Stattdessen sehe ich da auf den Filmhochschul-Websites Professoren, die den "Usedom-Krimi" als ihre Referenz haben.
Bist du nicht auch an einer Filmhochschule? Gibts da keine Gäste?




cantsin
Beiträge: 10209

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von cantsin » Do 02 Dez, 2021 00:16

dienstag_01 hat geschrieben:
Mi 01 Dez, 2021 23:59
Bist du nicht auch an einer Filmhochschule? Gibts da keine Gäste?
Nee, ich bin an einer Kunst- und Designhochschule (an der es einen kleinen Studiengang audiovisuelle Gestaltung gibt, der auch Dokumentarfilmer hervorbringt). Gegenfrage: Wird der "Usedom Krimi"-Regisseur z.B. Oskar Roehler als Gastdozenten einladen bzw. würde sich Roehler von so jemandem einladen lassen?

Dass auf den Websites der genannten Filmhochschulen keine Gastdozenten genannt werden, macht zumindest stutzig. (Jede Kunsthochschule, die ich kenne, wirbt auch mit den Namen ihrer Gastdozenten.)




mash_gh4
Beiträge: 4716

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von mash_gh4 » Do 02 Dez, 2021 01:02

cantsin hat geschrieben:
Mi 01 Dez, 2021 23:50
dienstag_01 hat geschrieben:
Mi 01 Dez, 2021 23:42

Wer müsste denn dort sein?
Andreas Dresen, Dominik Graf, Thomas Heise, Maren Ade, Fatih Akin, Christian Petzold, Hans-Christian Schmid, Oskar Roehler... Das wäre ungefähr die Liga, in der IMHO ein Regieprofessor spielen müsste. Soweit ich mich erinnere, war das früher (70er-90er Jahre) in Berlin und München auch der Fall, nur dann eben mit einer älteren Generation Filmemacher.
ein paar gute frauen -- zur not auch aus österreich ;) -- würde ich evtl. auch noch drunter mischen, damit es sich von den 30er-90er jahren vielleicht doch ein bisserl unterscheidet.

wobei die guten leute ja oft eher der niveauvollen filmkritik od. zumindest dem dialog mit dieser entsprungen sind als den etablierten schulen und gemaßregelten ausbildungsstätten.

extrem auffallend ist auch, dass die ersten jahrgänge an den diversen filmhochschulen hier immer wieder eine erfreuliche ausnahme gebildet haben.




Hayos
Beiträge: 241

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von Hayos » Do 02 Dez, 2021 01:12

cantsin hat geschrieben:
Mi 01 Dez, 2021 23:50
Stattdessen sehe ich da auf den Filmhochschul-Websites Professoren, die den "Usedom-Krimi" als ihr Portfolio haben.
Da musste ich kurz lachen, unser Haupt-Drehbuch-Dozent an der Hochschule war auch Tatort-Autor :D War ok, sagen wir mal. Wirklich die Augen geöffnet hat mir (und uns) ein Dozent der internationale Erfahrung hatte (u.a. viel Disney) - davon zehre ich heute noch.




dienstag_01
Beiträge: 11424

Re: Warum wirken Deutsche Filme wie Deutsche Filme? :P

Beitrag von dienstag_01 » Do 02 Dez, 2021 02:20

mash_gh4 hat geschrieben:
Do 02 Dez, 2021 01:02
cantsin hat geschrieben:
Mi 01 Dez, 2021 23:50


Andreas Dresen, Dominik Graf, Thomas Heise, Maren Ade, Fatih Akin, Christian Petzold, Hans-Christian Schmid, Oskar Roehler... Das wäre ungefähr die Liga, in der IMHO ein Regieprofessor spielen müsste. Soweit ich mich erinnere, war das früher (70er-90er Jahre) in Berlin und München auch der Fall, nur dann eben mit einer älteren Generation Filmemacher.
ein paar gute frauen -- zur not auch aus österreich ;) -- würde ich evtl. auch noch drunter mischen, damit es sich von den 30er-90er jahren vielleicht doch ein bisserl unterscheidet.

wobei die guten leute ja oft eher der niveauvollen filmkritik od. zumindest dem dialog mit dieser entsprungen sind als den etablierten schulen und gemaßregelten ausbildungsstätten.

extrem auffallend ist auch, dass die ersten jahrgänge an den diversen filmhochschulen hier immer wieder eine erfreuliche ausnahme gebildet haben.
Barbara Albert ist z.B. schon einige Jahre in Berlin Babelsberg, natürlich waren auch schon die von cantsin genannten an einer der renommierteren Schulen.
Wer weiß, wo er beim googlen gelandet ist.




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