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Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!



Anschluss eines Videorecorders, Fragen zu TV-Karten, DVB-T, einem PC fürs eigene Mediacenter, ...
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iasi
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Aufstand der deutschen Serien-Autoren

Beitrag von iasi » Fr 08 Jun, 2018 20:21

http://www.spiegel.de/kultur/tv/deutsch ... 11266.html

Veränderungen sind immer gut.
Hoffentlich kommt etwas in Bewegung.




Benutzername
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Re: Aufstand der deutschen Serien-Autoren

Beitrag von Benutzername » Fr 08 Jun, 2018 21:01

Dabei verweisen sie auf die industriellen Strukturen von Fernsehnationen wie den USA, Großbritannien oder Dänemark, wo Drehbuchautorinnen und -autoren nicht nur das Buch liefern, sondern, wie es in einer Erklärung heißt, "den gesamten Prozess der Film- und Serienentstehung von der ersten Idee bis zur Endmontage begleiten, kontrollieren und mitverantworten".

"kontrollieren und mitverantworten". ist das nicht ein bisschen viel verlangt? das sind doch aufgaben eines produzenten und anderer beteiligten.

1: Die Autorin/der Autor verantwortet das Buch bis zur endgültigen Drehfassung. Sämtliche Bearbeitungen des Buchs müssen von der Autorin/vom Autor autorisiert werden.

der erste teil geht noch in ordnung, bis zu einem bestimmte grad, von wegen entgültiger drehbuchfassung. der zweite teil geht den autoren doch nichts mehr an - naja, von wegen entgültiger drehfassung; manchmal ist das doch gar nicht möglich, als autor das letzte wort zu haben bei dem einem drehfertigen drehbuch. wenn die produktion nachträglich etwas ändern will, dann kann sie das doch machen. ist doch jetzt deren drehbuch. kann aber verstehen, dass autor keine lust hat, namentlich genannt zu werden, wenn film am ende schrott ist, weil drehbuchänderungen vorgenommen wurden, die ein nachteil waren für den film.



2: Die Autorin/der Autor hat Mitspracherecht bei der Auswahl der Regisseurin oder des Regisseurs. Die Entscheidung über die Besetzung der Regie wird einvernehmlich getroffen.

absoluter irsinn. was geht das die autoren an, wer regie führt und welche schauspieler dabei sind? lächerliche forderung. neuerdings entscheidet der autodesigner welches gummi für die reifen genommen wird.



3: Die Autorin/der Autor wird zu den Leseproben eingeladen.

gute idee, um schwer zu sprechende dialoge oder irgendwelche szenen mit den schauspielern zu besprechen und umzuschreiben.



4: Der Autorin/dem Autor wird das Recht eingeräumt, die Muster und den Rohschnitt zum frühestmöglichen Zeitpunkt sehen und kommentieren zu können. Der Autor/die Autorin wird zur Rohschnittabnahme eingeladen.

autor soll sich mal ein hobby suchen. was hat schnitt mit dem drehbuch zu tun? ist der autor jetzt produzent, oder was? verdammt noch mal!!!



5: Die Autorin/der Autor wird bei allen Veröffentlichungen in Zusammenhang mit dem Filmprojekt (Pressemitteilungen, Programmhinweise, Plakate etc.) namentlich genannt und zu allen projektbezogenen öffentlichen Terminen eingeladen.

einverstanden.



6: Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner verpflichten sich dazu, Aufträge zu Buch-Überarbeitungen (Rewrites, Polishing u. ä.) nur anzunehmen, wenn sie sich zuvor mit den aus dem Projekt ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen verständigt haben.

ist ja irgendwo normal, so vorzugehen.
Ihr seht mich vielleicht, ´nen toten Rottweiler Gassi führen, im Park, ohne Kopf, aber mit Nietenhalsband, wie ich ihn anschreie, weil das Mistvieh nicht zu bellen aufhören will.




slashCAM
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Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von slashCAM » Sa 09 Jun, 2018 10:48


Es rumort schon lange im deutschen Film- und Serienproduktionssystem. Kreative Impulse gehen durch zu viele „Verantwortliche“ allzu of verloren, Projekte werden nach weni...
Bild
Hier geht es zur Newsmeldung auf den slashCAM Magazin-Seiten:
Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!




Jalue
Beiträge: 724

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Jalue » Sa 09 Jun, 2018 11:19

Und ändern wird sich … nichts, ist doch der Ist-Zustand zu bequem für maßgebliche Gruppen. Für Produzenten, die ihren Spezies (gerne; Lover oder Loverin) auf Kosten des eigentlichen Autors einen Rewrite-Job zuschanzen. Für grenzdebile Redakteurskohorten, die ihre kreative Duftnote jedem Script aufzwingen, bis es völlig verhunzt ist. Oder auch für Regisseure, die den Autor wegbeißen, sobald 80 Prozent der Arbeit getan ist und sich dann mit ein paar geänderten Zeilen den Credit als gleichberechtigter Co-Autor (plus die Reste der Drehbuchförderung) asseln.

Diese Unsitten stecken aus historischen Gründen (Stichworte: Autorenfilm, Filmförderung, öffentlich-rechtlicher Rundfunk) so tief in der DNA der deutschen Filmwirtschaft, dass man schon das gesamte System zerkloppen müsste, um die Position der Autoren nachhaltig zu stärken.
Zuletzt geändert von Jalue am So 10 Jun, 2018 10:41, insgesamt 2-mal geändert.




Axel
Beiträge: 11968

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Axel » Sa 09 Jun, 2018 11:55

Jalue hat geschrieben:
Sa 09 Jun, 2018 11:19
Diese Unsitten stecken aus historischen Gründen (Stichworte: Autorenfilm, Filmförderung, öffentlich-rechtlicher Rundfunk) so tief in der DNA der deutschen Filmwirtschaft, dass man schon das gesamte System zerkloppen müsste, um die Position der Autoren nachhaltig zu stärken.
Der Begriff "Autorenfilm" ist dabei leicht irritierend. Gemeint ist natürlich der sogenannte "Filmemacher", der Held der Deutscher-Film-Nachkriegsrevolte (inklusive "Manifest"). Dabei ging es freilich um eine Mischung aus Kunst und Politik. Massentauglichkeit? Kommerz? Machen die anderen.

Eine überhebliche Abgrenzung, die sich über ein halbes Jahrhundert hinweg verhängnisvoll für die deutsche Kultur und Mentalität auswirkte. Zwischen pingeligem Bildungsbürgertum und unreflektiertem Massenmedienkonsum gibt es nichts. Deutsche Unterhaltung und "gut"? Stößt sich elektromagnetisch ab.

Ich stimme dir zu, dass es da nichts zu "reformieren" gibt. Unkrautvernichter, Säure und anschließend zehn Wochen ausbrennen lassen.
Na und? Im Fernsehen wird ja auch alles wiederholt ...




cantsin
Beiträge: 4322

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von cantsin » Sa 09 Jun, 2018 12:25

Axel hat geschrieben:
Sa 09 Jun, 2018 11:55
Jalue hat geschrieben:
Sa 09 Jun, 2018 11:19
Diese Unsitten stecken aus historischen Gründen (Stichworte: Autorenfilm, Filmförderung, öffentlich-rechtlicher Rundfunk) so tief in der DNA der deutschen Filmwirtschaft, dass man schon das gesamte System zerkloppen müsste, um die Position der Autoren nachhaltig zu stärken.
Der Begriff "Autorenfilm" ist dabei leicht irritierend. Gemeint ist natürlich der sogenannte "Filmemacher", der Held der Deutscher-Film-Nachkriegsrevolte (inklusive "Manifest"). Dabei ging es freilich um eine Mischung aus Kunst und Politik. Massentauglichkeit? Kommerz? Machen die anderen.
Sorry, Jalue und Alex, aber was ihr hier schreibt, ist doch widersinnig.

Das "Kontrakt 18"-Manifest ist doch ein lupenreines Autorenfilm-Manifest, dass entgegen der filmindustriellen Arbeitsteilung wieder den Autor als allmächtige Instanz zurückbringen will.

Der Begriff Autorenfilm/Autorenkino kommt übrigens nicht aus der deutschen Film-Nachkriegsrevolte, sondern ursprünglich aus Frankreich, wo im Umfeld der Nouvelle Vague (Godard, Truffaut, Rohmer etc.) und der immer noch einflussreichen Zeitschrift "Cahiers du Cinéma" der Begriff "auteur-réalisateur" aufkam im Sinne des Regisseurs, der auch seine eigenen Drehbücher schreibt. Das Vorbild dafür war übrigens u.a. Orson Welles...




Jalue
Beiträge: 724

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Jalue » Sa 09 Jun, 2018 13:46

Nein, das stimmt schon. Wie Axel ja ausführte, ist der Begriff Autorenfilm semantisch irreführend. Das aktuelle Manifest bezieht sich auf Drehbuchautoren ohne Regiefunktion. Die Idee, bzw. das angestrebte Ideal dahinter ist natürlich der "Showrunner", mithin Autoren wie David Benioff (Game of Thrones), die zugleich Verantwortung als Producer wahrnehmen. Deutsche Autorenfilmer, die sich in der Tradition des Oberhausener Manifests - oder von mir aus auch der Nouvelle Vague- sehen, muss das natürlich verbittern, würde sich ihre Funktion doch auf die des guten, alten "Spielleiters" reduzieren. Verbündete dürften Drehbuchautoren, wenn überhaupt, auf Seiten der Produzenten finden. Ich kenne ein paar und weiß, dass denen selbstherrliche "Regiegötter" öfter mal mächtig auf den Sack gehen ...




Drushba
Beiträge: 1164

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Drushba » Sa 09 Jun, 2018 14:45

Jalue hat geschrieben:
Sa 09 Jun, 2018 11:19
Diese Unsitten stecken aus historischen Gründen (Stichworte: Autorenfilm, Filmförderung, öffentlich-rechtlicher Rundfunk) so tief in der DNA der deutschen Filmwirtschaft, dass man schon das gesamte System zerkloppen müsste, um die Position der Autoren nachhaltig zu stärken.
Um nichts anderes sollte es gehen. Kippt das Finanzierungsmodell der Sender, steht auch die verwucherte Produktionslandschaft vor dem Aus. Der deutsche Film kann Exportschlager sein und kann es auch wieder werden, dazu müssen aber die vielen Nichtskönner strukturell entfernt werden, damit sich filmische Visionen Bahn brechen können. Nie war die Diskrepanz zwischen zahlreichen preisgekrönten Kurzfilmern, die mit ihren Visionen steckenbleiben einerseits und senderbasierten Filmverhinderungsstrukturen andererseits so groß. Das Potential ist schon lange da. Die Verhinderungsstrukturen aber eben auch. Da diese sich über die GEZ-Abgabe finanzieren, wäre es an der Zeit, den Sendern das Budget zu kürzen, so daß es nur noch für Infotainment, News und Ankauf von Film und Dokfilm ausreicht. Einen anderen Weg sehe ich nicht.
"Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen." Thomas von Aquin 1225-1274




Funless
Beiträge: 2039

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Funless » Sa 09 Jun, 2018 15:00

Tztztz .... was seid ihr denn alle für Konterrevolutionäre ... huiiii.
MfG
Funless

"Glücklich ist, wer vergisst was nicht mehr zu ändern ist."




dienstag_01
Beiträge: 8503

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von dienstag_01 » Sa 09 Jun, 2018 19:06

Ich denke, Handwerker, die nach Vorgaben anderer Drehbücher zusammenstoppeln, sind mit dem Manifest nicht gemeint und sollten sich nicht angesprochen fühlen.




andieymi
Beiträge: 215

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von andieymi » So 10 Jun, 2018 10:41

Wie schon angesprochen, kann es nur gut sein wenn sich der Filz in dem der mitteleuropäische Film steckt etwas lockert, das gilt auch für Österreich.

Trotzdem sind einige Punkte des Manifests maßlos. Der Job des Drehbuchautors ist spätestens mit Abnahme des Buchs zu Ende, wem das nicht reicht, der soll Regie selbst führen oder einfach einen Roman veröffentlichen, hoffentlich redet einem dann der Verlag und der Lektor nicht rein. Das ist ähnlich überzogen, als fordere Kameramann/frau den Schnitt selbst machen zu dürfen oder den Cutter zu bestimmen. Sind ja schließlich seine Aufnahmen, die da verschnitten werden.

Das ist doch gerade das gute am Film, dass aus einem Drehbuch je nach Interpretation durch weitere Kreative theoretisch verschiedene Filme rausschauen können. Wenn das eine/n Drehbuchautor/autorin stört, geht deren Interesse über das liefern einer Grundgeschichte hinaus, dann wäre selbst Regie zu führen wirklich angebracht.

NACHTRAG:
Die Berichterstattung vom Spiegel geht auch wahnsinnig am Thema vorbei, auch die Verwendung des Begriffs Autorenfilm, das schmeißt man dann auch noch mit Showrunner zusammen. Das Manifest als solches ließe sich vmtl. wirklich nur für Showrunner anwenden und nur darauf bezogen legitimieren. Dass der Autorenfilm von Wells, Godard, Truffaut und wenn man will sogar Tarantino auf dem Regisseur basiert (Regisseure die ihre eigenen Stoffe verfilmen) und nicht auf dem Drehbuchautor, der auf einmal mehr Mitspracherecht im weiteren Kreativprozess will ist dabei so das Grundproblem.




Jalue
Beiträge: 724

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Jalue » So 10 Jun, 2018 11:16

andieymi hat geschrieben:
So 10 Jun, 2018 10:41

Das ist doch gerade das gute am Film, dass aus einem Drehbuch je nach Interpretation durch weitere Kreative theoretisch verschiedene Filme rausschauen können. Wenn das eine/n Drehbuchautor/autorin stört, geht deren Interesse über das liefern einer Grundgeschichte hinaus, dann wäre selbst Regie zu führen wirklich angebracht.
Ich glaube, niemand fordert ernsthaft einen „Drehbuchautorenfilm“. Tatsächlich geht es um etwas mehr Teilhabe – im Sinne von Macht und ja, auch Geld. Maximalforderungen in den Raum zu stellen, um dann (mit viel Glück) 50 Prozent rauszuschlagen, ist simple Verhandlungstaktik, und seien wir mal ehrlich: Schon 30 Prozent wären ein Segen, sowohl für die Branche als auch für die Zuschauer.

Für Drehbuchautoren sowieso, denn niemand, der klaren Verstandes ist, lässt sich heutzutage noch auf diese „Karriere“ ein. Die Zahl talentierter Masochisten, die es toll finden, vom Nebenjob im Callcenter zur Premiere zu radeln, wo Produzent, Regisseur und Redakteur dann aus dem Porsche Cayenne klettern, ist eben überschaubar.




godehart
Beiträge: 118

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von godehart » So 10 Jun, 2018 11:42

Beispiel: Vince Gilligan und Aaron Sorkin - die beiden konnten ihre Stoffe zum Erfolg führen weil sie viel mehr Befugnisse hatten als Drehbuchautoren hierzulande. Sie zeigen dass das Konzept "Showrunner" in Verbindung mit einem "Writers room" großartiges leisten können. In Deutschland sehe ich vor allem ein Problem. Die Position des Fernsehredakteurs. Eine Person, die unabhängig von Erfolg oder Misserfolg unfassbar viel Macht im kreativen Prozess hat. Kein Drehbuch ist so gut, als das ein Redakteur es nicht zerstören kann. Das Prinzip Showrunner funktioniert nur, wenn die Position des Redakteurs im gleichen Zug abgeschafft wird. Die Programmdirektion verhandelt mit dem Showrunner, setzt Budget und Zeitrahmen und gibt die Produktion in Auftrag. Die Öffis sind nun mal die größten Auftraggeber und innerhalb der Sender sind hohe Positionen oft durch Kumpanei vergeben worden. Das zu ändern wird schwer. Aber es gibt positive Beispiele, wenn auch wenige.




Drushba
Beiträge: 1164

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Drushba » So 10 Jun, 2018 14:15

andieymi hat geschrieben:
So 10 Jun, 2018 10:41
Trotzdem sind einige Punkte des Manifests maßlos. Der Job des Drehbuchautors ist spätestens mit Abnahme des Buchs zu Ende, wem das nicht reicht, der soll Regie selbst führen oder einfach einen Roman veröffentlichen, hoffentlich redet einem dann der Verlag und der Lektor nicht rein. Das ist ähnlich überzogen, als fordere Kameramann/frau den Schnitt selbst machen zu dürfen oder den Cutter zu bestimmen. Sind ja schließlich seine Aufnahmen, die da verschnitten werden.
Typische Fernsehdenke. Damit kann man "Notruf Hafenkante" produzieren, aber mit Sicherheit keinen epochemachenden Film. Im Übrigen: In den USA ist der Regisseur i.d.R. in erster Linie für die Schauspielführung zuständig. Schon das Set wird maßgeblich vom DOP mitbestimmt, der auch die Hoheit über alles hat, was ausser den Darstellern im Bild zu sehen ist. Um den Gesamtlook und die Stimmigkeit aller Gewerke kümmert sich der Produzent, nicht der Regisseur. Der Produzent sitzt klassischerweise mit dem Drehbuchautor bzw. dem Developmentdepartment zusammen, lange bevor der Regisseur geheuert wird. In Deutschland hat der Redakteur eine ähnliche Machtfülle, ohne jedoch jemals für Flops zur Rechenschaft gezogen zu werden. Er ist meist fleissig dabei, das Buch kleinzukochen und nicht mit, sondern gegen den Autor zu "entwickeln". Während der deutsche TV-Redakteur i.d.R. den Film verwässert, liegt es in den USA am Produzenten den Film zu verbessern und zwar mit dem oder den Autoren. Der alte Satz "Ein Film ist nur so gut wie sein Produzent" stimmt daher eigentlich immer noch ebenso wie "ein Film ist nur so gut wie das Drehbuch".
"Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen." Thomas von Aquin 1225-1274




Drushba
Beiträge: 1164

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Drushba » So 10 Jun, 2018 16:56

blub
"Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen." Thomas von Aquin 1225-1274




cantsin
Beiträge: 4322

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von cantsin » Mo 11 Jun, 2018 16:11

andieymi hat geschrieben:
So 10 Jun, 2018 10:41
Das Manifest als solches ließe sich vmtl. wirklich nur für Showrunner anwenden und nur darauf bezogen legitimieren. Dass der Autorenfilm von Wells, Godard, Truffaut und wenn man will sogar Tarantino auf dem Regisseur basiert (Regisseure die ihre eigenen Stoffe verfilmen) und nicht auf dem Drehbuchautor, der auf einmal mehr Mitspracherecht im weiteren Kreativprozess will ist dabei so das Grundproblem.
Tja, andere haben mich ja hier in diesem Thread auch belehrt, dass es in dem Manifest um Showrunner und nicht um Autorenfilmer geht. Jetzt aber hat die FAZ ein Interview mit den Drehbuchautoren veröffentlicht, die das Manifest geschrieben haben, und darin steht wörtlich:
"Bei den bekannten amerikanischen Serien sind die Autoren oft auch Produzenten. Das bedeutet mehr Einfluss, aber auch mehr Verantwortung. Ist die Ambition Ihrer Erklärung auch, dass Autoren auch hier in die Machtposition kommen, wie sie diese sogenannten Showrunner haben?

Hackfort: Das war nicht der Gedanke dahinter. Dann würden wir ja sagen: Passt mal auf, die Regisseure gehören degradiert – wie im amerikanischen Regelsystem. Da ist völlig egal, wer das macht, im Zweifelsfall werden sie einfach ausgetauscht. Nein, es war nicht der Sinn dieser Diskussion, durch die Hintertür ein Showrunner-Prinzip nach amerikanischem Vorbild zu etablieren."
Also, ich verstehe nicht mehr wirklich, was die wollen. Ein Mitspracherecht des Drehbuchautors, der kein Showrunner ist, bei der Auswahl des Regisseurs - wo bitte gibt's denn sowas?




dienstag_01
Beiträge: 8503

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von dienstag_01 » Mo 11 Jun, 2018 21:36

cantsin hat geschrieben:
Mo 11 Jun, 2018 16:11
andieymi hat geschrieben:
So 10 Jun, 2018 10:41
Das Manifest als solches ließe sich vmtl. wirklich nur für Showrunner anwenden und nur darauf bezogen legitimieren. Dass der Autorenfilm von Wells, Godard, Truffaut und wenn man will sogar Tarantino auf dem Regisseur basiert (Regisseure die ihre eigenen Stoffe verfilmen) und nicht auf dem Drehbuchautor, der auf einmal mehr Mitspracherecht im weiteren Kreativprozess will ist dabei so das Grundproblem.
Tja, andere haben mich ja hier in diesem Thread auch belehrt, dass es in dem Manifest um Showrunner und nicht um Autorenfilmer geht. Jetzt aber hat die FAZ ein Interview mit den Drehbuchautoren veröffentlicht, die das Manifest geschrieben haben, und darin steht wörtlich:
"Bei den bekannten amerikanischen Serien sind die Autoren oft auch Produzenten. Das bedeutet mehr Einfluss, aber auch mehr Verantwortung. Ist die Ambition Ihrer Erklärung auch, dass Autoren auch hier in die Machtposition kommen, wie sie diese sogenannten Showrunner haben?

Hackfort: Das war nicht der Gedanke dahinter. Dann würden wir ja sagen: Passt mal auf, die Regisseure gehören degradiert – wie im amerikanischen Regelsystem. Da ist völlig egal, wer das macht, im Zweifelsfall werden sie einfach ausgetauscht. Nein, es war nicht der Sinn dieser Diskussion, durch die Hintertür ein Showrunner-Prinzip nach amerikanischem Vorbild zu etablieren."
Also, ich verstehe nicht mehr wirklich, was die wollen. Ein Mitspracherecht des Drehbuchautors, der kein Showrunner ist, bei der Auswahl des Regisseurs - wo bitte gibt's denn sowas?
Eine der größten Eigentümlichkeiten des Neuen ist, dass es das noch nirgends anders gibt ;)




cantsin
Beiträge: 4322

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von cantsin » Mo 11 Jun, 2018 21:45

dienstag_01 hat geschrieben:
Mo 11 Jun, 2018 21:36
Eine der größten Eigentümlichkeiten des Neuen ist, dass es das noch nirgends anders gibt ;)
Aber die Leute, die das Manifest gezeichnet haben, sind ja weder Avantgardisten, noch Genrefilm-Cowboys, sondern ziemlich biedere, deutsche, öffentlich-rechtliche Fernsehfilm-Drehbuchautoren.

Dass auch die Slashcam-Redaktion in ihrer Meldung dachte, dass hier das Showrunner-Prinzip gefordert wurde, dies aber von den Autoren abgestritten wird, spricht doch eher dafür, dass die selbst nicht genau wissen, was sie wollen. Wenn man dem Interview glaubt, geht's in Wahrheit darum, zu Filmpremieren und Preisgalas eingeladen zu werden.




dienstag_01
Beiträge: 8503

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von dienstag_01 » Mo 11 Jun, 2018 21:52

cantsin hat geschrieben:
Mo 11 Jun, 2018 21:45
dienstag_01 hat geschrieben:
Mo 11 Jun, 2018 21:36
Eine der größten Eigentümlichkeiten des Neuen ist, dass es das noch nirgends anders gibt ;)
Aber die Leute, die das Manifest gezeichnet haben, sind ja weder Avantgardisten, noch Genrefilm-Cowboys, sondern ziemlich biedere, deutsche, öffentlich-rechtliche Fernsehfilm-Drehbuchautoren.

Dass auch die Slashcam-Redaktion in ihrer Meldung dachte, dass hier das Showrunner-Prinzip gefordert wurde, dies aber von den Autoren abgestritten wird, spricht doch eher dafür, dass die selbst nicht genau wissen, was sie wollen. Wenn man dem Interview glaubt, geht's in Wahrheit darum, zu Filmpremieren und Preisgalas eingeladen zu werden.
Du kennst die wohl alle und ihre Arbeiten.




tom
Administrator
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Beiträge: 1059

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von tom » Mo 11 Jun, 2018 22:02

cantsin hat geschrieben:
Mo 11 Jun, 2018 16:11
Also, ich verstehe nicht mehr wirklich, was die wollen. Ein Mitspracherecht des Drehbuchautors, der kein Showrunner ist, bei der Auswahl des Regisseurs - wo bitte gibt's denn sowas?
Na, da scheinen sich die Autoren noch selbst nicht so ganz klar zu sein - Kristin Derfler antwortet auf die gleiche Frage nach dem Showrunner :
"Wobei das [Prinzip Showrunner] natürlich auch eine Option ist. Wenn man eine eigene Serie verantwortet, gibt es natürlich schon die Ambition, eine gewisse Kontrolle zu haben. Denn natürlich haben wir auch eine Vision vom Look und Stil des Endprodukts.".
slashCAM




cantsin
Beiträge: 4322

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von cantsin » Mo 11 Jun, 2018 22:07

tom hat geschrieben:
Mo 11 Jun, 2018 22:02
Na, da scheinen sich die Autoren noch selbst nicht so ganz klar zu sein
...aber schreiben erst einmal ein Manifest. *Kopfschüttel.*




Frank Glencairn
Beiträge: 7484

Re: Aufstand der deutschen Serien-Autoren

Beitrag von Frank Glencairn » Mo 11 Jun, 2018 22:39

Benutzername hat geschrieben:
Fr 08 Jun, 2018 21:01
... das sind doch aufgaben eines produzenten und anderer beteiligten.
..der zweite teil geht den autoren doch nichts mehr an
...absoluter irsinn.
.. was geht das die autoren an, w
...lächerliche forderung.
...autor soll sich mal ein hobby suchen
....verdammt noch mal!!!
...und genau deswegen sind Leute wie du Teil des Deutschen Problems. nicht Teil der Lösung.

Showrunner machen genau das seit Jahren, und zwar ziemlich erfolgreich.

Side Note: "Autorenfilmer" hat deshalb so einen schlechten Ruf, weil die Film immer entweder zu persönlichen Therapie Zwecken, oder für ihre politische Propaganda missbraucht haben, statt einfach nur möglichst gute Unterhaltung zu generieren.




cantsin
Beiträge: 4322

Re: Aufstand der deutschen Serien-Autoren

Beitrag von cantsin » Mo 11 Jun, 2018 23:49

Frank Glencairn hat geschrieben:
Mo 11 Jun, 2018 22:39
Showrunner machen genau das seit Jahren, und zwar ziemlich erfolgreich.
Ja, aber nur für Serien. Da hat das Prinzip ja seine Berechtigung und ist die Erfolgsformel fürs goldene TV-Zeitalter in den USA, von "Sopranos" (David Chase) über "The Wire" (David Simon) bis zu "Breaking Bad" (Vince Gilligan) und "Fargo" (Noah Hawley), in Deutschland auch bei "Deutschland 83" (Anna Winger).

Aber bei Spielfilmen? Hat Paul Schrader "Taxi Driver" geschrieben und sich dann kraft eigener Autorität Scorsese als Regisseur geholt? Oder, um mal ins Genre zu gehen, Stephen d'Souza John McTiernan eingestellt, um sein "Die Hard"-Drehbuch zu verfilmen?




Funless
Beiträge: 2039

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Funless » Di 12 Jun, 2018 00:42

McTiernan und Die Hard ist aber kein gutes Beispiel, da der Film für ihn in der Tat eher eine Auftragsarbeit war, vergleichbar mit Ron Howard bei Solo. Ursprünglich sollte McTiernan eine Fortsetzung von Commando mit Schwarzenegger machen, produziert von Lawrence Gordon und Joel Silver. Schwarzenegger hatte darauf aber keine Lust, lehnte ab und so entschieden sich Gordon und Silver das Die Hard Drehbuch von Jeb Stuart (Steven E. de Souza verfeinerte die Dialoge) zu produzieren und hatten für die Hauptrolle wieder Schwarzenegger im Visier. Doch auch darauf hatte der keine Lust.

Anyway, im Grunde genommen hast du schon mit deiner Aussage (fast) recht. Nur mit dem Unterschied, dass in Hollywood bei Spielfilmen nicht der Drehbuchautor den Regisseur einstellt, sondern der/die Produzent(in). Über 95% der dortigen (auch Blockbuster-)Spielfilmregisseure machen Auftragsarbeit. Unabhängige Regisseure mit ihren dazugehörigen künstlerischen Freiheiten wie sie bspw. ein Spielberg, Nolan, Tarantino, Cameron, Verhoeven, Lynch, Abrams, Fincher, etc. haben sind die Ausnahmen, nicht die Regel.
MfG
Funless

"Glücklich ist, wer vergisst was nicht mehr zu ändern ist."




Frank Glencairn
Beiträge: 7484

Re: Aufstand der deutschen Serien-Autoren

Beitrag von Frank Glencairn » Di 12 Jun, 2018 07:17

cantsin hat geschrieben:
Mo 11 Jun, 2018 23:49
[
Ja, aber nur für Serien. ..

Aber bei Spielfilmen?
Und wo genau ist da jetzt technisch der Unterschied, ob ich eine Serie drehe, oder einen Spielfilm?




7nic
Beiträge: 1497

Re: Aufstand der deutschen Serien-Autoren

Beitrag von 7nic » Di 12 Jun, 2018 08:35

Frank Glencairn hat geschrieben:
Di 12 Jun, 2018 07:17
cantsin hat geschrieben:
Mo 11 Jun, 2018 23:49
[
Ja, aber nur für Serien. ..

Aber bei Spielfilmen?
Und wo genau ist da jetzt technisch der Unterschied, ob ich eine Serie drehe, oder einen Spielfilm?
Dass ein Spielfilmdrehbuch ein abgeschlossenes dramaturgisches Werk darstellt, das unabhängig vom ursprünglichen Autor durch mehrere Instanzen, Varianten und Versionen gehen kann, bevor es eine Freigabe bekommt und dann realisiert wird. Während bei Serien immer weitere Drehbücher entstehen und die Story/Beziehungsgeflechte immer weiter vorangetrieben werden, wobei die Qualität, bzw. Konstanz der Serie definitiv durch ein durchgehend beteiligtes Autorenteam erhöht wird.
Nur scheinbar hat ein Ding eine Farbe, nur scheinbar ist es süß oder bitter; in Wirklichkeit gibt es nur Atome im leeren Raum. - Demokrit

neuzeit.tv ll nicolas-geissler.de




Frank Glencairn
Beiträge: 7484

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Frank Glencairn » Di 12 Jun, 2018 10:25

Ich seh da keinen Zusammenhang mit der Frage, Showrunner oder nicht?

Daß bei einer Serie, bei der oft jede Folge mit einem anderen DP und Regisseur gedreht wird, ein Showrunner der sicherstellt, daß das ganze kein Flickenteppich wird, ne gute Idee ist, ist sowieso klar.
Aber warum der Einsatz eines Showrunners bei einem FiIm deshalb nicht funktionieren soll, erschließt sich mir nicht.
Letztendlich geht es darum die ursprünglichen Bilder und Vision, die der Autor beim schreiben im Kopf hatte, bis zum Delivery durchzuziehen. Ich kann nicht sehen, was daran schlecht sein soll?




cantsin
Beiträge: 4322

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von cantsin » Di 12 Jun, 2018 12:09

Frank Glencairn hat geschrieben:
Di 12 Jun, 2018 10:25
Aber warum der Einsatz eines Showrunners bei einem FiIm deshalb nicht funktionieren soll, erschließt sich mir nicht.
Letztendlich geht es darum die ursprünglichen Bilder und Vision, die der Autor beim schreiben im Kopf hatte, bis zum Delivery durchzuziehen. Ich kann nicht sehen, was daran schlecht sein soll?
Weil Autoren Spezialisten für Plot und Dialog sind, aber nicht unbedingt die Experten fürs Erzählen in Bildern? Weswegen auch die besten Serien visuell nur gehobenes Kunsthandwerk bieten, während visuell starke Filme von ihren Regisseuren und DPs leben. Ich denke da z.B. an alle Filme von Nicolas Winding Refn, Paul Thomas Anderson oder, im Genrekino, "Mad Max Fury Road" und den alten und den neuen "Blade Runner".




Drushba
Beiträge: 1164

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Drushba » Di 12 Jun, 2018 15:17

cantsin hat geschrieben:
Di 12 Jun, 2018 12:09
Frank Glencairn hat geschrieben:
Di 12 Jun, 2018 10:25
Aber warum der Einsatz eines Showrunners bei einem FiIm deshalb nicht funktionieren soll, erschließt sich mir nicht.
Letztendlich geht es darum die ursprünglichen Bilder und Vision, die der Autor beim schreiben im Kopf hatte, bis zum Delivery durchzuziehen. Ich kann nicht sehen, was daran schlecht sein soll?
Weil Autoren Spezialisten für Plot und Dialog sind, aber nicht unbedingt die Experten fürs Erzählen in Bildern? Weswegen auch die besten Serien visuell nur gehobenes Kunsthandwerk bieten, während visuell starke Filme von ihren Regisseuren und DPs leben. Ich denke da z.B. an alle Filme von Nicolas Winding Refn, Paul Thomas Anderson oder, im Genrekino, "Mad Max Fury Road" und den alten und den neuen "Blade Runner".
Gute Autoren sind Spezialisten fürs Erzählen in Bildern, schlechte Autoren (be)schreiben Handlung in Dialogen. Alte Drehbuchregel. Nur weil wir durchs deutsche TV
an dialoglastige Laber-Filme gewöhnt sind, bedeutet das noch lange nicht, daß diese auch gut sind. Die Laber-Formate lassen sich auch schlecht exportieren, während bildgewaltigere TV-Filme z.B. aus Skandinavien weltweit Anklang finden. Ein guter Autor hat den Film bereits komplett im Kopf, wenn er ihn zu Papier bringt. Das umfasst das Visuelle, aber auch die innere Haltung der Figuren und damit der Schauspieler inkl. Gestik, Mimik, Proxemik etc. Bloß: Während in den USA, Frankreich, Skandinavien und vielen anderen Teilen der Welt gute Autoren sehr hoch eingeschätzt werden, leben wir in einem Land, welches das Verhältnis zu Autoren fast komplett verloren hat und diese sogar bei TV-Galas vergisst.
"Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen." Thomas von Aquin 1225-1274




Frank Glencairn
Beiträge: 7484

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Frank Glencairn » Di 12 Jun, 2018 17:56

cantsin hat geschrieben:
Di 12 Jun, 2018 12:09
..Weswegen auch die besten Serien visuell nur gehobenes Kunsthandwerk bieten, während visuell starke Filme von ihren Regisseuren und DPs leben. Ich denke da z.B. an alle Filme von Nicolas Winding Refn, Paul Thomas Anderson oder, im Genrekino, "Mad Max Fury Road" und den alten und den neuen "Blade Runner".
Allerdings haben diese "Kundsthandwerk" Serien Zuschauerzahlen, von denen Anderson und Co nur träumen können :-)




Axel
Beiträge: 11968

Re: Kontrakt 18: Deutsche Drehbuchautoren fordern mehr Mitbestimmung - zu Recht!

Beitrag von Axel » Di 12 Jun, 2018 18:44

Das Ganze ist eine Mischung aus dem vermeintlichen "Es kann nur einen geben!" (das Highlander-Motto) und dem vermeintlichen "Viele Köche verderben den Brei!"

Beides stimmt nicht in jedem Fall.

Bei Kinofilmen stimmt der erste Satz, der zweite nicht. Warum nicht, das belegt im Detail z.B. die Buchreihe Filmkünste von Peter Ettedgui. Film besteht aus vielen Einzelkünsten (oder meinetwegen Handwerksabteilungen), ist Teamwork.

Wir erleben im Kino seit einigen Jahrzehnten eine immer stärkere Geringschätzung des Autors. "Die letzte Version des Drehbuchs schreibt der Cutter", hieß es kürzlich in einem Essay über die spezifischen Talente, die beim Schnitt gebraucht werden. Nicht gerade ermutigend für die schreibende Zunft. Waren die Drehbücher schon per se so schlecht oder wurden sie von nachgeordneten Instanzen verhunzt? Ich fürchte, zum Teil beides. Der traditionelle Autorenregisseur war wie der Dirigent eines Orchesters. Und da kann es nur einen geben. Und was ist mit Jazz?

Serien sind die z.Zt. wohl hippere Erzählform, die Ideen oft originell und, jawohl, die Drehbücher tragfähig - und das für Staffeln! Ein Drehbuch mit Hand und Fuß, mit einer guten Ausgangskonstellation, eignet sich offenbar besser für die Verwirklichung im Teamwork. Der Autor ist der Oberwauwau - wird z.B. auf Netflix bei "von" meist vor oder sogar anstatt Regisseur genannt. Nicht zuletzt deshalb, weil die Regie wechselt, rotiert.

Ein professioneller Produktionsdesigner, Kameramann, Filmkomponist, Schauspieler und Cutter beugt sich wohl der Tatsache, dass er nur ein Rädchen im Getriebe ist. Und hat Respekt vor den Leistungen der anderen. Ein Autor weiß wohl, dass es andere gibt, die visuell etwas mehr auf dem Kasten haben, und dass er nur mit gutem Drehbuch seinen Stoff veredelt bekommt anstatt eben verhunzt. Es gibt andere, deswegen stimmt bei Serien der erste Satz nicht.
Na und? Im Fernsehen wird ja auch alles wiederholt ...




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