Kurz vor der Veröffentlichung unseres Canon C50 Sensor-Tests ging auch Gerald Undone mit seinem C50 Test online. Und obwohl sich meistens keine signifikanten Unterschiede zwischen unseren Tests und den Tests anderer seriöser Medien auftun, gab es dieses mal eine deutliche Diskrepanz zwischen den Ergebnissen.
Mehr Dynamik im S35-Crop?
So stellte Gerald fest, dass das letzte Canon Cinema EOS Modell im gecroppten S35-Sensor Readout mehr Dynamik aufzeichnen kann, als bei vollem Sensor-Readout. Eben dies behauptet zudem das Spezifikationsdatenblatt von Canon selbst, ohne jedoch nähere Details zu nennen, warum das so ist:

Wir hatten diese Information von Canon ebenfalls im IBC-Vorfeld zur Kenntnis genommen, konnten sie aber in unserem Testverfahren nicht reproduzieren. Als dann der genormte DSC-Test mit Xyla-Chart bei Gerald Undone eben genau diese Behauptung von Canon bestätigt hatte, ließ uns die Frage nicht los, weshalb unser Testverfahren hier keine höhere Dynamik erkennen konnte. Und noch wichtiger: Ist unsere Art der Dynamikbetrachtung vielleicht grundsätzlich ungenau oder sogar unbrauchbar?
Leider hatten wir danach die C50 nicht länger zur Verfügung, und der Redaktionsalltag verdrängte das Thema erst mal wieder von unserem Schreibtisch. Allerdings kehrte es als Déjà-vu Moment wieder als wir die technisch sehr ähnliche Canon EOS R6 Mark III bei uns in der Redaktion hatten.
Dies brachte uns letztlich noch einmal dazu, genauer über das Problem nachzudenken und das sogar mit Erfolg. Denn wir glauben nun zu wissen, welches Phänomen für die zusätzliche Dynamik verantwortlich ist. Allerdings müssen wir hierfür etwas ausholen. Denn tatsächlich suggeriert unser Modell nun am praktischen Beispiel der C50 Messungen eine Schwäche des IMA/XYLA-Tests.
Was passiert beim Xyla-Test?
Der Xyla Dynamic Range Test Chart von DSC Labs gilt als ein hochpräzises Werkzeug zur Messung des Dynamikumfangs (Dynamic Range, DR) von Kamerasensoren, das häufig für High-End-Videoanwendungen und Cine-Kameras verwendet wird. Es genießt sowohl unter Herstellern als auch unter Technik-Redaktionen ein hohes Ansehen, weil sich damit grundsätzlich zuverlässig reproduzierbare Messwerte generieren lassen.
Das Xyla-Chart besteht aus einer Reihe von Graustufenfeldern, wobei jedes Feld exakt eine definierte Lichtmenge durchlässt, die genau einer Blendenstufe entspricht. Das Chart wird von hinten (transmissiv) mit einer absolut gleichmäßigen Lichtquelle beleuchtet.
Das bekannteste Xyla 21 Chart kann mit seinen 21 Stufen/Patches einen Dynamikumfang 20 Blendenstufen darstellen. Das neuere Xyla 26 Chart kommt sogar auf 25 Blendenstufen Dynamikumfang.

Das Chart muss in einer vollständig abgedunkelten Umgebung abgefilmt werden, wobei die Kamera frontal auf das Xyla-Chart gerichtet wird. Wichtig ist auch, dass das Chart den Großteil des Bildes einnimmt, um Streulicht (Flare) zu minimieren, bzw. die Lichtunterschiede zu mitteln.
Anschließend wird das Chart so belichtet, dass das hellste Feld (oft als "0" markiert) gerade noch keine Überbelichtung (Clipping) aufweist, während die dunkelsten Felder dann in der Helligkeit um jeweils eine Blendenstufe abfallen.



















