Das Problem des Rauschens
Anschließend kann man die sichtbaren Felder "zählen" - vom hellsten Feld bis zu dem Feld, an dem das Feld nicht mehr vom Hintergrundrauschen unterschieden werden kann. Um subjektive menschliche Interpretationen auszuschließen, setzt man meistens auch noch eine geeignete, zugehörige Mess-Software (z.B. Imatest) ein. Diese analysiert die Aufzeichnung und berechnet das Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) für jedes Feld. Der Dynamikumfang wird dann in dem Feld definiert, wo das Signal im Rauschen versinkt (meist wird der Wert sogar für zwei Rausch Intensitäten angegeben SNR=1 oder 2).
Das klingt erst einmal ganz einfach und logisch, jedoch steckt der Teufel in ein paar Details, über die wir auch schon früher berichtet hatten. Eines der größten Probleme ist wohl, wie man das Rauschen interpretiert und inwiefern man eine integrierte Rauschunterdrückung in die Messung einbeziehen sollte. Denn je stärker die Rauschunterdrückung bei einer Xyla-Chart-Aufzeichnung, desto mehr Dynamikstufen bleiben differenzierbar. Bei einer aggressiv eingestellten Noise Reduction, die vielleicht sogar noch mit Hilfe von "KI-Phantasie" arbeitet, zeigen sich dann vielleicht schöne und klare Dynamikstufen, die allerdings nicht mehr der Original-Aufzeichnung entsprechen.
Mysteriöser Farbverlust
Was nun bei der Messung einer Canon C50 passiert, hat mit den beschriebenen Problemen zu tun, jedoch addiert sich hier sehr wahrscheinlich noch ein anderer Effekt. Schauen wir uns dafür noch einmal unsere Augenaufnahme in vier verschiedenen Aufzeichnungs-Formaten an:
Stoppen wir einmal bei ETTR-10, dann fällt besonders die rechte Spalte der vier Clips "ins Auge". Hier sehen wir mehr als deutlich, dass der Codec der Canon C50 bei wenig Licht seine Farben verliert. Zugleich greift bei einem S35-Crop Readout die Rauschunterdrückung derartig stark zu, dass sich sehr hohe Kontraste mit Flächen in konstanten Graustufen bilden, die nur noch wenige Helligkeitsabstufungen kennen:

Treffen nun diese Effekte auf ein Xyla-Chart, so wird dieses außerordentlich gut wiedergegeben, da es ebenfalls nur aus einem Schwarz/Weiß Kontrast besteht. Der Codec entscheidet sich in diesem Extremfall nur anhand des Schwellenwerts, ob ein Pixel schwarz oder weiß ist. Und das ist wiederum der Best Case für das Denoising des Xyla-Charts.
Kurz gesagt, dadurch, dass der Canon-Codec bei besonders wenig Licht seine Kontrast-Tiefe auf wenige Stufen reduziert, kann ein Xyla-Chart besonders gut wieder reproduziert werden. Was die Messwerte dann auch bestätigen. Wie man jedoch an der linken Spalte unseres Augen-Videos erkennen kann, bringt dies bei realen Motiven jedoch keine sichtbar höhere Dynamik ins Spiel...



















