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Test : JVC X900 - ultramobiler Scharfseher

von Fr, 10.Juli 2009 | 5 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Ausstattung
Bedienung
Audio
Slow-Motion
Foto-Funktionen
Aus dem Messlabor
Fazit



Kompromisslose FullHD-Auflösung für die Hosentasche, daran sind schon andere Hersteller gescheitert. Mit der X900 will JVC dagegen gleich das iPhone der Videografie ausliefern. Was das wohl zu bedeuten hat?





Die Verarbeitung der JVC X900 wirkt durchaus solide, wobei sie neben einer Sony TG7 mit ihrem kratzfesten Titan-Gehäuse „spürbar“ den kürzeren zieht. Auch beim Größenvergleich geht die Sony noch als Miniaturisierungs-Gewinner aus dem Rennen. Die JVC besitzt keine echte Halteschlaufe und ist durch ihre Kantigkeit etwas unergonomisch zu halten. Vielleicht gefällt das Keil-Design aber dennoch dem einen oder anderen Anwender besser, der sich mit dem Pistolen-Hochkant-Filmen der Sony TG7 oder den Sanyos in diesem Produktsegment nicht anfreunden will. Immer wieder praktisch: Die JVC öffnet und schließt den Objektiv-Schutz automatisch.



Ausstattung



Beim Objektiv selbst darf man keine großen Ansprüche an den Weitwinkelbereich stellen. Und auch beim optischen Zoom stellt die X900 mit 5fach eher einen Negativrekord auf. Die Zoomwippe verrichtet ihren Dienst ohne größere Auffälligkeiten, einzig dass diese auf Grund der Miniaturisierung schon einen sehr kurzen Weg aufweist. Der optische Bildstabilisator hinkt vielen Modellen von Panasonic oder Sony in diesem Preisbereich hinterher.

Die X900 filmt FullHD mit 1920x1080/50i in AVCHD, was bei der Nachbearbeitung keine Überraschungen bereithielt. JVC setzt dabei auf die maximal spezifizierten 24 Mbit.



Bedienung



Die X900 besitzt eine Menge frei einstellbarer Parameter, jedoch wurde diese so umständlich in Untermenüs verschachtelt, dass man niemals zügig mit manuellen Einstellungen arbeiten kann. Wenn man einen Menüpunkt geändert hat, wird man auch komplett aus dem Menü geworfen und kann wieder von vorne loslegen. Selbst wer nur Fokus und Blende manuell einstellen will, hat einen „langen Weg“ vor sich. Die JVC-eigene Laser-Touch Streichelleiste trägt dabei auch nicht unbedingt zur flotten Bedienung bei. Dazu bietet die X900 weder Histogramm noch eine Zebra-Funktion zur visuellen Unterstützung bei der Bildgestaltung. Auch ein Sucher wurde nicht verbaut, beim Display muss man aufgrund der Gehäusegröße mit 2,8 Zoll vorlieb nehmen. Beim Scharfstellen verlässt man sich besser auf den Autofokus, als auf das Streichelmenü. Ambitionierte Filmer müssen auf jeden Fall Abstriche bei der Bedienung machen.



Audio



Bei der X900 liegt das Mikrofon an der Display-Außenseite und wird damit beim Filmen nach vorne geklappt. Auf diese Weise ist es etwas von der Kameraelektronik entkoppelt, was prinzipiell eine gute Idee ist. Wer allerdings die Kamera oft nutzt, um sich selber zu filmen und dabei den Display-Deckel um 180 Grad dreht, bekommt bei dieser Konstruktion die denkbar schlechteste Mikrofonausrichtung geliefert. Ein externes Mikrofon und/oder ein Kopfhörer finden keinen Anschluss.



Slow-Motion



Viele Hersteller erlauben seit geraumer Zeit die Aufnahme von kurzen Zeitlupen-Szenen. Da die Videoaufnahme jedoch per Standard auf eine feste Wiedergabe-Bildrate (25 Einzelbilder bzw. 50 Halbbilder) festgelegt ist, müsste man für diesen Effekt die eigentlich die Encodierungs-Geschwindigkeit und den Datenstrom drastisch erhöhen. Doch dafür reicht die Prozessorleistung des Camcorders nicht aus. Daher bedienen sich die Hersteller diverser Tricks: So wird die Bildgröße deutlich reduziert und die Zeitlupensequenz wird in einen internen Zwischenspeicher geschrieben. Nach der Aufnahme gönnt sich der Camcorder dann eine kurze Auszeit, in der er den Zwischenspeicher in einen regulären Videodatenstrom umcodiert.

Bei der JVC X900 erlaubt sogar ein externes Drehrad die direkte Einstellung von verschiedenen High-Speed-Recording Modi. Diese gehen von 100 fps (H1-Modus) über 250 FPS (H2) bis 500 FPS (H3). Allerdings wird bei der JVC der Bildauschnitt entsprechend verkleinert und der Clip nachher mit dickem schwarzem Rand in einen FullHD-Strom geschrieben. Bei der höchsten Rate von 500FPS bleiben dann pro Frame noch ca. 640 x 72 Pixel für die Bildinformation übrig. So gesehen sind diese Modi wohl nur für sehr spezielle Einsatzzwecke brauchbar.

Außerdem bleibt anzumerken, dass die Bildqualität zusätzlich unter der kurzen Belichtungszeit einer Zeitlupenaufnahme (bis zu 1/500 Sec!) leidet. Wer hier nicht sehr viel Licht zur Verfügung hat, muss mit sehr starken Low-Light-Artefakten rechnen.



Foto-Funktionen



JVC will dieses Modell auch als Digital-Foto-Ersatz verstanden wissen. Kein Wunder schließlich werkelt hinter der Optik ein Sensor mit über 5 Millionen effektiven Bildpunkten. Die dabei erzeugten Fotos können mit einer Pixelbreite von bis zu 4.000 Pixeln tatsächlich auch mehr Details zeigen, als Standbilder aus einem HD-Videostrom. Allzu ernst sollte man die Foto-Fähigkeiten dennoch nicht nehmen. Denn auch in diesem Modus gibt es nur wenig manuelle Kontrolle. Wer aber schon bisher nur eine günstige 200 Euro-Knipse mit sich herumgetragen hat, darf diese Camcorder durchaus als würdige Alternative sehen. Und natürlich als willkommenen Kauf-Grund einplanen, in Zukunft nicht mehr zwei Geräte einstecken zu müssen.



Aus dem Messlabor



In unserem Messlabor sorgte die X900 durchaus für die eine oder andere Überraschung: Bei der horizontalen Auflösungsmessung gehört die X900 zur Liga der schärfsten Camcorder, die wir jemals in unserem Messlabor hatten.

Auflösung




Ziemlich wacker schlägt sich die X900 auch im direkten Sichttest. Angenehme Schärfe, wobei die skalierungstypischen Moire-Effekte, die viele Megapixel-Camcoder mit sich bringen fast völlig ausbleiben.

ISO-Testbild




Auch bei der Farbauflösung schrammt die JVC X900 an der technischen Grenze von AVCHD-Camcordern. Oder kurz: Auch die Farben werden knackig scharf voneinander unterschieden.

Farbauflösung




Trotz kleinem Zoombereich und sehr geringem Weitwinkel neigt die JVC X900 zu einer leichten, aber sichtbaren Tonnen-Verzeichnung.

Objektivverzeichung




Die X900 liefert sehr kühle Farben, die im direkten Vergleich zu Konkurrenz etwas unnatürlich wirken. Hauttöne gleiten beispielsweise leicht ins rosafarbene ab.

Farbwiedergabe bei 1200 Lux




Bei wenig Licht rauscht die X900 ungefiltert stark, behält dabei aber noch etwas Schärfe und produziert wenig störende Artefakte. Dafür ist sie auch dunkler als andere Kameras dieser Preisklasse.

12 Lux




Der Rauschpegel ist für einen Festspeicher-Camcorder Mittelmaß, aber immerhin werden die Höhen im Gegenzug nur wenig beschnitten.

Audio





Fazit



Mit der X900 zeigt JVC, dass sie im Schärferennen nach wie vor ganz vorne mitspielen können. So viel Schärfeleistung hat bis heute noch niemand in ein so kleines Gehäuse gepackt. Die Farben bleiben dabei Geschmackssache. Definitiv wenig gelungen ist jedoch die Bedienung: Die Laser Touch Leiste lässt einfach keine exakte Steuerung der Parameter zu. Dass dabei die schönen manuellen Möglichkeiten derart unpraktisch in Untermenüs „begraben“ wurden, sorgt einfach nur für Kopfschütteln. Ein Iphone für die Videografie stellen wir uns jedenfalls anders vor. Aber vielleicht ist dies der angepeilten Zielgruppe ja egal. Für Automatik-Filmer, die sich eine zusätzliche digitale Knipse unterwegs sparen wollen, kann die X900 eine gelungene Kombination darstellen. Allerdings auch zu einem stolzen Preis.

Alle technischen Daten der JVC X900 findet Ihr hier in unserer Datenbank.




  

[1 Leserkommentar] [Kommentar schreiben]   Letzter Kommentar:
Harald_123    22:35 am 15.7.2009
Ist es so, dass hier vom Frequenzgang des Rauschteppichs auf den Aufnahmefrequenzgang geschlossen wird? Ich hatte wegen der kleinen Pegel und des Textes bei anderen Tests schon...weiterlesen
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