Auf den ersten Blick sollte doch eigentlich jedes 24-Zoll-Display mit 1920 x 1200 Pixeln einen guten HD-Vorschau-Monitor abgeben. Doch leider ist dem nicht so, denn viele kleine Details verhageln oft eine adäquate Preview. Anhand des neuen HP w2408h zeigen wir, worauf man beim Monitor-Kauf achten und welche Kompromisse man dabei zwangsweise eingehen muss.
Zuallererst dürfte es jedem Anwender ins Auge stechen, dass hier eigentlich etwas nicht zusammenpasst: Wer sich ein 24 Zoll-Display zulegt bekommt eine Auflösung von 1920 x 1200 Pixeln während Full-HD mit 1920 x 1080 Pixeln definiert ist. Der Grund: Aktuelle 24-Zoll-Displays sind mit einem Seitenverhältnis von 16:10 konzipiert, Breitbild-Video arbeitet dagegen seit Ewigkeiten mit 16:9. Doch dies ist das kleinste Problem, denn wenn ein Display die pixelnative Darstellung beherrscht (also jeder Pixel im Video genau einem Pixel auf dem Display entspricht), bleiben einfach oben und/oder unten vom Bild insgesamt 160 Pixel als schwarzer Streifen leer.
Die Overscan-Altlast
Schwerer wiegt dann schon der lästige Overscan: Selbst wenn ein Display über einen digitalen DVI/HDMI-Port angesteuert wird, neigen viele Displays dazu bei 16:9-HD-Auflösungen einen so genannten Overscan-Modus zu aktivieren. Dieses Relikt aus der Röhrenzeit soll dafür sorgen, dass eventuell Bildränder die am Rand der Bildröhre unsauber dargestellt werden würden abgeschnitten werden. Das Bild wird hierfür einfach zwischen 5 und 10 Prozent vergrößert dargestellt.
Warum (und vor allem wie) sich dieses „Feature“ in die digitale Welt herüber gerettet hat ist unerklärlich. Auf jeden Fall wird genau dadurch auch auch eine pixelnative Darstellung unmöglich gemacht. Wem das noch nicht ganz klar ist: Beim Overscan werden von einem 1920 x 1080er Bild z.B. nur 1824 x 1026 Pixel genutzt. Diese Pixel werden anschließend jedoch wieder für die Darstellung auf 1920 Horizontal-Pixel aufgeblasen. Klingt nicht nur unsinnig, ist es auch. Aber dennoch leider bei vielen Displays Realität, wodurch die Bildschärfe von HD-Material unnötig leidet.
Oben ein Test-Bild in nativer Darstellung, unten der unnötige Beschnitt durch den Overscan-Modus.
Der HP x2408h lässt dem Anwender dagegen auf den ersten Blick die Wahl: Im Menü kann er zwischen einer skalierten Bilddarstellung und einer 1:1 Pixeldarstellung wählen. So soll es sein. Doch Achtung. Die pixelnative Zusammenarbeit mit Vegas, Premiere und anderen Programmen klappt dennoch nicht. Denn wenn man im Windows-Treiber 1920 x 1080 Pixel anwählt, dann gibt es diese Darstellung mit Overscan. Auch eine Preview direkt vom HDMI-Output einer AVCHD-Kamera gelang uns nicht ohne Overscan. Die pixelnative Vorschau bietet der Monitor zwar weiterhin an und laut Menü sind 1920 x 1080 mit 50Hz im 1:1 (pixelnativen) Modus möglich. Bei dieser Einstellung lässt der Monitor jedoch alle Pixel schwarz, die beim Overscan zum Opfer fallen würden. Es bleiben also ca. 5 Prozent vom Rand bei der pixelnativen Darstellung einfach dunkel, die eigentlich Bildinformation in sich tragen. Wie eine schwarze Bildmaske die in der Postproduktion auf den Clip gelegt wurde. Außerdem scheint bei 1080 Zeilen selbst im pixelnativen Modus getrickst zu werden, denn man sieht deutlich eine Kantanaufsteilung durch die Skalierung. Ein echter 1:1-Modus ist dies also definitiv nicht. Ziemlich ärgerlich. Warum das so ist, weiß wohl nur HP. Natürlich kann man nun im Vorschaubetrieb auch auf 1920 x 1200 Pixel stellen, dann klappt der 1:1 Pixel-Modus auch ohne Trauerrand. Allerdings sind dann nur 59 und 60Hz Bildwiederholfrequenz drin...
[Update:] Nachdem wir den Monitor nun länger intensiv in Betrieb hatten, zeigte sich noch ein weiteres seltsames Verhalten: Wenn man den Monitor gleichzeitig über den analogen VGA und den digitalen HDMI-Eingang an der selben Grafikkarte betreibt und beide Signale als Dual-Desktop konfiguriert (also mit 3840 Horizontal-Pixeln), passiert es gelegentlich, dass er den Overscan-Rand nach dem Umschalten „vergisst“. In diesem Fall verhält sich der w2408h dann wie ein professioneller Studio-Monitor ohne Overscan. Leider gelang es uns bis jetzt noch nicht dieses Verhalten reproduzierbar zu provozieren.
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