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/// Essays : Filmen

Essays : Über DV
von thomas Di, 12.Dezember 2000    


"If you had a small portable camera (battery powered) that didn´t make a lot of noise
with a method of recording synchronized sound and a zoom lens you could make films."
D.A. Pennebaker

Diese Aussage steht am Anfang einer Bewegung des Dokumentarfilms, die innerhalb weniger Jahre unter dem Namen "Direct Cinema", bzw. "Cinema Verité", die filmischen Ausdrucksmittel um entscheidende Elemente bereichern sollte. Durch den Einsatz leichter, tragbarer Kameras wurden dem Film neue Perspektiven eröffnet, neue ästhetische Ausdrucksmittel entstanden, die mittlerweile zum Standard filmischen Erzählens gehören: lange Einstellungen, und erstmals lippensynchroner Originalton, Akteure und Kamera konnten sich frei bewegen. Das Genre Dokumentarfilm stand vor einer wichtigen Neudefinition seiner selbst. Mit der Technik und Methodik des Cinema Verités erwuchs ein Feld ungeahnter neuer Möglichkeiten, Wirklichkeiten darzustellen.

Es lassen sich einige Parallelen feststellen zwischen den Umwälzungen damals und der Situation, in der sich der Film heute befindet. Wieder führt eine technische Neuentwicklung (DV) tiefgreifende Veränderungen mit sich - und dies nicht nur auf ästhetischer und erzähltechnischer sondern auch auf einer ökonomischen Ebene: die sowohl preisliche als auch qualitative Grenze zwischen Consumer- und Profitechnik verschwindet zusehends, Filmemachen wird für immer mehr Menschen möglich, die Abhängigkeiten zwischen Filmemacher, Produzent und Publikum ändern sich. Darüber hinaus zeichnet sich die Umgehung traditioneller Distributionswege ab, wenn Filme direkt via Satellit in digitale Projektoren gespeist werden, oder das Internet potentiell jeden von uns zu einem Sender machen kann. Die Karten werden neu gemischt.

Entsprechend polarisiert steht die Filmwelt den neuen Formaten gegenüber. Während das 35mm-Establishment digitalen Videoformaten die Bezeichnung "Film" verweigert (wobei zuweilen ein Unterton diffuser Angst herauszuhören ist), inkorporieren andere bewusst DV-Sequenzen, um sich mit dem Attribut "innovativ" oder "experimentell" zu schmücken. Der Bedarf, sich über oder gegen DV als Filmer zu definieren, ist gewaltig.

Die Debatten, die zum Thema digitale Formate statt finden, führen im Grunde vor allem eines vor Augen: die Vorstellungen davon, was einen Film ausmacht, divergieren markant. Ist die Materialität des Zelluloids, beschleunigt und durchleuchtet, ein zwingendes Kriterium? Ist digitales Video von Grund auf so verschieden, dass von einem völlig neuen Medium gesprochen werden muß? Auch Befürworter von digitalen Techniken sagen oft: Wenn wir gewollt hätten, dass es wie Film aussieht, hätten wir auf 35mm gedreht. Oder die Kritiker: Es ist ein Meisterwerk, aber Film ist es nicht.

Und doch spricht man von ´digitalen Filmen´, oder zuweilen sogar nur von ´Filmen´. Da tritt das FormatFormat im Glossar erklärt in den Hintergrund, und Bilder werden wichtig, auf, in und zwischen denen etwas zu sehen ist. Das ist die Essenz des Films, seine Magie, und die wird bestehen. Es ist natürlich nicht zu leugnen, daß noch qualitative Unterschiede zwischen den digitalen und den chemischen Formaten bestehen. Doch ebensowenig kann man übersehen, daß durch die Veränderungen, die jetzt stattfinden, das Medium Film vor einem Paradigmenwechsel steht.


   



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