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Essays : Post NAB 2016: Dynamikumfang, 10-Bit Displays, HDR und Dual Gain

von Mi, 25.Mai 2016


Die NAB 2016 liegt hinter uns und neue Produkte & Workflows in 2016 vor uns. Evolution statt Revolution war das Motto auf der NAB in diesem Jahr: Keine Kamera-Knaller (von den etablierten Herstellern) – dafür war die Rede von Problemlösungen, Softwareupdates, Workflows und vor allem: HDR - trotzdem oder genau deswegen stehen wir vor einem Jahr voller Umbrüche im Bewegtbild-Kamera Bereich.



Hätte uns jemand vor der NAB 2016 gefragt: Was hättet ihr lieber: Eine günstige 8K Kamera oder mehr Dynamikumfang bei aktueller Auflösung? Die Antwort wäre uns nicht schwer gefallen: Wir hätten klar den Dynamikumfang gewählt und das Rennen um die neue Maximalauflösung gelassen an einem SMPTE 2084-konformen Display mit gewohnter Auflösung verfolgt. Ob man nun das Kürzel „HDR“ als Marketingslogan oder gewichtige Qualitätsbezeichnung ansieht ist hierbei eigentlich egal – fest steht, dass das Thema „Dynamikumfang“ (endlich) in aller Munde ist - eine Entwicklung die von ganz unterschiedlichen Seiten getragen und vorangetrieben wird.

Zu den treibenden Kräften dürften hierbei erschwinglicher werdende HDR-Displays sowie neue Distributionsmöglichkeiten für technisch höherwertigere Inhalte stehen, wie sie derzeit von Streaming-Diensten wie Netflix, Amazon u.a. vorexerziert werden. (Sowohl Netflix als auch Amazone Prime unterstützen beide die zwei am meisten diskutierten HDR-Standards: Sowohl Dolby Vision als auch HDR10)



Bei den Marketingslogans rund um HDR sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die Anforderungen für HDR-Content bereits mit analogem Film erreicht wurden. Allerdings beschneidet die Aufbereitung für REC709-Displays das Material derart, dass vom ursprünglichen Dynamikumfang des Materials beim Zuschauer nur noch wenig ankommt. Wenn nun demnächst HDR-fähige Displays in die Wohnzimmer der Zuschauer Einzug halten, dürfte sich die Filmindustrie auf eine entsprechende Zweitverwertung ihres Filmbestandes via HDR-konformem Remastering freuen.

Doch zurück zum digitalen Bereich:

Auch hier dürfte einiges an Neuausspielungen anstehen, denn „HDR“ LOG-Funktionen wie LOG C, S-LOG etc. sind in der höherwertigeren Bewegtbildproduktion schon geraume Zeit nicht mehr wegzudenken. Als „Zeichen der Zeit“ darf hierbei gewertet werden, dass auch immer mehr Prosumer und selbst Consumer Kameramodelle mit Log-Features ausgestattet werden.

Wir erwarten in 2016 in diesem Zusammenhang auch ein weiteres „Trickle-Down“ von 10 BitBit im Glossar erklärt Formaten in Einstiegssegmente, was genauso für die weitere Konzentration auf Dynamik hilfreich sein dürfte wie die in 2016 weiter vorangetriebene Verbreitung von komprimierten RAW-Formaten (Sony XOCN, REDCODE RAW bei Raven und Scarlet W, 4:1 RAW bei Ursa Mini 4.6K) sowie die weiter ausgearbeiteten ACES-Workflows samt Nutzung erweiterter Farbräume.



Ein gutes Beispiel für den neu entfachten Dynamik-Diskurs liefert Atomos, die mit dem größten Stand der Firmengeschichte auf der NAB 2016 vertreten waren und mit der neuen Flame Recorder-Monitor Serie (Inferno, Shogun und Ninja Flame) in erster Linie auf HDR setzen.

Bekanntlich dreht sich bei den neuen Flame Modellen alles um bestmögliche Monitorfunktionen für LOG-Material mit seinem erhöhten Dynamikumfang. Entsprechend finden sich in den neuen Flames auch „quasi“ 10-Bit (8+2 FRC) fähige Displays verbaut, die mit ihren höheren Leuchtdichten (zuvor ca. 400 jetzt 1.500 NITs) und entsprechenden LUT-Funktionen die Beurteilung von Material mit höherem Dynamikumfang erleichtern sollen. Bedenkt man, dass im REC709 Umfeld bislang 100 - 130 NITs anzutreffen waren - definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

Im Highend-Monitor Bereich für HDR-Anwendungen sind derzeit (bsp. Dolby Vision) 4.000 NITs möglich mit einem Ausblick auf 10.000 NITs in der näheren Zukunft (Umgebungslicht an einem bewölkten Tag liegt zwischen 4-7.000 NITs, an einem sonnigen Tag bei ca. 30.000 NITs).

Bei den kommenden Display-Technologien geht es jedoch nicht nur um an Luminanzwerte gekoppeltes HDR-Monitoring. Richtig interessant wird es beim Zusammenspiel von HDR mit erweiterten Farbräumen (P3, REC 2020) entsprechenden Bit-Tiefen sowie der Trickkiste der Hersteller in Form von „intelligenten“ Panel-Schalttechnologien. Leider auch ein weites Feld für das Kochen von eigenen Süppchen.



So stehen sich im HDR-Standardisierungsbereich für TVs derzeit vor allem >>HDR10<< (u.a. von Samsung und Sony unterstützt) und >>Dolby Vision<< gegenüber. Ohne hier zu sehr ins Detail gehen zu wollen, besteht einer der Hauptunterschiede in der unterstützten Bittiefe der sog. Perceptual Quantizer Electro-Optical Transfer Function (PQ EOTF). HDR10 setzt hierbei auf 10 BitBit im Glossar erklärt wohingegen Dolby Vision 12 BitBit im Glossar erklärt verarbeitet. Die Chancen für einen einheitlichen Standard stehen damit nicht sonderlich gut zumal HDR10 und Dolby Vision nicht die einzigen Angebote an HDR-Frameworks darstellen. Vermutlich wird es mehrere "HDR-Flavors" unter dem allgemeinen Label "HDR" geben.

Welche HR EOTF-Funktion auch immer im Endverbraucher-Display arbeitet: Einen deutlichen qualitativen Unterschied im Vergleich zur bisherigen Darstellung dürfte der Betrachter sowohl bei HDR10 als auch bei Dolby Vision wahrnehmen.

Blicken wir auf den Kamerabereich sehen wir auch hier einen stärker werdenden Wettbewerb, um mit unterschiedlichen Technologien höhere Dynamik zur Verfügung zu stellen. Dies beginnt bei den bewährten LOG-Formaten, geht über Temporale Noise-Reduction Technologien wie bei RED vermutet und reicht bis hin zur Dual Gain Auslesung des Sensors wie wir es bis Dato vor allem vom ARRI ALEV CMOS her kennen (und wie wir es bei der Blackmagic Design Ursa Mini 4.6K vermuten - hier unser Ursa Mini 4.6K Test.

Dual Gain Technologie beim ALEV CMOS Sensor von ARRI



ARRIs ALEV CMOS Sensor Readout gilt nach wie vor als Referenz in Sachen Dynamikumfang.

Entsprechend hellhörig waren wir dann auch bei der Präsentation der Kinefinity TERRA 5K:



Passend zum HDR-Thema verkündete das Kinefinity Team, dass in der im Sommer verfügbaren TERRA 5K ebenfalls ein mit Dual Gain ausgelesener Sensor werkeln soll (der zudem noch zwischen Rolling und Global ShutterShutter im Glossar erklärt umschaltbar sein soll). Eine ziemlich bemerkenswerte Entwicklung.

Alle hier kurz angerissenen Themen rund um das Schlagwort HDR deuten klar in eine Richtung:

2016 wird das Jahr werden, in dem wir mehr Dynamikumfang sowohl auf Produzenten als auch auf Konsumenten Seite zur Verfügung haben werden. Die Grenze für hohen Dynamikumfang verschiebt sich kontinuierlich aus dem High-End Bereich in den Indie- und Prosumerbereich. Das bedeutet:

Mehr kreative Möglichkeiten für Filmschaffende da wo es wirklich darauf ankommt: Beim hochwertigen Bewegtbild.


Nefal TV Atomos Sennheiser F&V Chrosziel Manfrotto

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[104 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
WoWu    19:35 am 5.7.2016
Also nochmal... egal, ob ETTR oder nicht, Überbelichtung führt immer zu clipping, wenn man vorher korrekt belichtet hat. Hast Du vorher nicht korrekt belichtet ist ETTR kein...weiterlesen
wolfgang    17:50 am 5.7.2016
DAS verdient ja noch ein Antwort. Gewaltig was du einem unterstellst. So wie dass du kürzlich meintest dass man damit ja unbedingt ins Clipping kommen müsse wenn man...weiterlesen
WoWu    16:51 am 5.7.2016
HDR spielt sich eigentlich gar nicht so sehr in der Produktion ab sondern vielmehr in der verfügbaren Leuchtdichte der Monitore, wenn man mal von dem Zweilayerprinzip von Dolby...weiterlesen
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