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Erfahrungsberichte : Workshop „Digital Filmmaking“
von rob Mo, 3.Dezember 2001    


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Am Freitag ging der Workshop „Digital Filmmaking“ im FX-Center auf dem Studiogelände Babelsberg zu Ende (s. Anküdigung weiter unten). Nachdem sich der Kater von der fetten Abschußparty so allmählich legt, wird der Kopf frei, nochmal Revue passieren zu lassen, was eigentlich so gelaufen ist. Im Folgenden also ganz persönlich zusammengetragen, meine Sicht auf digitales Filmemachen, was hängen geblieben ist, und was, denk ich, wert ist, mal kurz notiert zu werden.

Da war @radical.media, die eine Menge sehr teurer, schön anzuschauender Werbeclips gemacht hatten, unter anderem für solche „big shots“ wie Coca Cola und Nike, mit einem gigantischen Produktionsaufwand, der absolut vergleichbar ist mit Spielfilmproduktionen, die aber ebenfalls einen in Cannes preisgekrönten Werbespot gedreht haben: an einem Tag, in ihrem Büro - ein Kameramann, ein Freiwilliger - das war´s. Das ist cool.

Da war ebenso Nico Baier, erfolgreicher Werbefilmer, der viel digital arbeitet, der aber ebenso unter Beweis gestellt hat, dass sich mit einer leicht modifizierten Spiegelreflexkamera und einem Motor, der auf 16 Bilder pro Sekunde eingestellt ist, großes 70mm Breitwandkino machen lässt. Die Spiegelreflexkamera als Filmkameraersatz. Ebenfalls ziemlich cool.

Bei Nico ließ sich ebenfalls der Mix aus 35mm, DV und Uncompressed (Animation) betrachten und bestaunen – es muss nicht immer nur ein FormatFormat im Glossar erklärt sein..

Dann war da noch der Look von High Definition (24p), die neuen gehypten „Starwars-Kameras“ und was es bedeutet, damit zu arbeiten, angefangen von den Bedingungen am Set (das gesamte Team betrachtet den Kontrollmonitor: Stichwort„Demokratisierung“) über die Postproduktion bis hin zu noch vorhandenen Limits wie Zeitlupe und Kassetten (im Ggs. zum direkt auf Festplatten aufnehmen), sowie dem Problem der „Kälte“, so dass man in die nahezu paradoxe Situation kommt, in der Post die Eigenschaft von Film (Korn, Unschärfe) wieder per Software dazuzurechnen - ein Verfahren, dass man aus dem 3D-Bereich kennt.

Dann kam Eoin Moore (Independent Filmemacher / „Plus Minus Null“), der beeindruckend unter Beweis stellte, dass eines sich niemals ändern wird: eine gute Geschichte setzt sich durch, egal ob das Filmmaterial verrauscht, lichtschwach oder sonstigen Mängeln unterliegt. Gleichzeitig waren die Unterschiede in der zeitlichen Entwicklung von 5 Jahren DV-Kameratechnik, in diesem Fall zwischen der VX 1000 und der VX 2000/PD150 absolut greifbar. Für den Independent Filmemacher dürfte dies eine beruhigende Perspektive sein. Die Technik verbessert sich von Zyklus zu Zyklus – das einzige, worüber er sich WIRKLICH Gedanken machen muss, ist sein Drehbuch.

Nichtsdestotrotz träume ich manchmal heimlich von meiner Mega-Mega-DV Kamera, die sich wohl niemand zu bauen wagt (auch wenn´s technisch möglich wäre) weil sonst die dicken Tanten (Digibeta, HD etc.) in den Regalen versauern würden. Träumen soll ja erlaubt sein - sie sähe wie folgt aus: Preislich nicht über der PD 150 und ebenso handlich wie die kleine Sony, sie hätte eine Wechseloptik und einen echten 16:9 Chip, der mindestens die doppelte Größe von heutigen 2/3 Chips (jawohl 2/3!) hätte, um eine vernünftige Tiefenschärfe zu erzeugen und würde auf kleinen Festplatten aufnehmen. Seuzf...
Was war weiter?

Kameramann Uwe Mann hat zugleich sowohl überzeugend wie ironisch--charmant vorgetragen, dass bei großen Kinoproduktionen bei der Wahl zwischen 35mm und High Definition derzeit mehr für 35mm zu spricht, als für die neue 24P Technik. Insgesamt lässt sich sagen, dass nach dem Hype um 24P sich jetzt im Produktionsalltag peu à peu herausstellt, dass noch ein wenig Zeit in´s Land ziehen wird, bevor 24P 35mm ersetzt, wenn überhaupt.

Außerdem hat sich gezeigt, dass Filmemachen viel mit einem, ich nenn´s mal, poetischen Bezug zum Bild zu tun hat. Man merkt, wenn jemand über Bilder spricht, ob dieser Bezug da ist oder nicht. Bei Uwe Mann war er ebenso da, wie bei Eoin Moore, was wiederum bedeutet, dass sich dieser Bezug sowohl zu digital als auch zu analog produzierten Bildern herstellen lässt. Mann kann ihn auch einfach Ehrfurcht, Respekt, Liebe zum Film nennen.

Beeindruckt hat auch der 35mm Konverter von P+S, der es erlaubt, echte Filmoptiken vor DV-Kameras zu setzen. Die Bilder sind auf jeden Fall filmischer, aber die Kamera wächst dermaßen an, das von DV-Filmen hier eigentlich keine Rede mehr sein kann.

Was das DV FormatFormat im Glossar erklärt wirklich leistet, und dass es in erster Linie die Optiken, und die Qualität der Chips sind, welche DV-Material entweder genauso wie Digibeta-Material aussehen lassen oder wie „versehentlich gefilmt“ war sehr bemerkenswert. Rudi hat sehr anschaulich demonstriert, wie weit DV-Material technisch eigentlich reicht und damit wunderbare Argumentationshilfen bei der Formatwahl geliefert. Dass sich Farbräume beispielsweise beim Kreieren von Filmlook sehr viel effizienter nutzen lassen, dürfte für DV-Filmer ebenfalls von großem Interesse sein.

Das Team vom Werk (Andreas Schellenberg / Carsten Thiele) hat klar gemacht, dass wenn man mit seinem DV Material zu einer 35mm Kopie kommen möchte, die Vorbereitung beim Weisabgleich auf dem Set anfängt, über die Wahl der entsprechenden Tools bei der Postproduktion weitergeht bis hin zur Auswahl der Faz-Technik: Arri-Laser oder Röhrenbelichter. Und dass es eine Menge guter und erfahrener Leute braucht, um zu wirklich exzellenten Ergebnissen zu kommen. Wer hier nichts dem Zufall überlassen will (und dies sollte allein schon wegen der Kosten vermieden werden) dem stehen eine Reihe von Belichtungstest bevor, ehe die erste DV-Kassette verfilmt wird.

Dani Levy hat aus der Sicht des Regisseurs (und des Schauspielers) das Arbeiten am Set mit DV Material beschrieben – auch vor welchen Problemen man steht mit einem auf 35mm hin konzipierten Drehstab, der sich auf das viel flexiblere DV-Format einstellen muß. Für die Schauspieler kann DV die Einführung szenischer Regie, wie man sie vom Theater kennt, bedeuten, da hier bei laufender Kamera solange an den Szenen gearbeitet werden kann, bis sie passen. Des einen Freud – des anderen Leid: Bei einem Drehverhältnis von 1:50 kommt im Schnitt dann so richtig Freude auf...

Es bleibt zu hoffen, dass für Independent Filmer, die sich eine Kopie auf 35mm nicht leisten können, mehr und mehr gute digitale Projektoren in die Kinos kommen oder dass die Vertriebsmöglichkeiten, die es am Verleih vorbei gibt, sprich das Brennen von DVDs und der eigene Vertrieb zukünftig eine lohnende Alternative darstellen. Denn es gibt sie, die großen Filme auf den kleinen Cassetten: man muß sie halt auch sehen können.


Well, that´s it. One more thing:
Workshops zum digitalen Filmemachen kann es gar nicht genug geben. Wenn sie sich qualitativ an diesem orientieren, kann eigentlich nichts schief gehen. Und wer weiß, vielleicht befindet sich ja schon der Nächste in Vorbereitung...


Beste Grüße an alle Teilnehmenden und die Organisatoren.

rob


   



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