| Erfahrungsberichte : RAID 0 Ersatz für Arme – Ein Gedankenspiel aus dem slashCAM-Labor von rudi Mi, 12.September 2007
Wer heute mit wenig- oder unkompromierten HD-Clips arbeiten will, benötigt mindestens ein RAID 0-Array um auf Datenraten von 80 MB/s oder mehr zu kommen. Wir hatten da eine Idee, wie man in Zeiten von Dual und Quad-Core Prozessoren vielleicht auch mit einer Festplatte bequem arbeiten könnte...
Die Theorie
Wer Videoströme aus Qualitätsgründen kaum oder gar nicht komprimieren will, bekommt es mit enormen Datenraten zu tun: Ein FullHD-RGB-Frame hat nach Adam Riese 6.220.800 Byte (1920 x 1080 x 3 Byte). Bei 25 Bildern pro Sekunde entspricht das (wohgemerkt nur bei semiprofessionellen 8 Bit) bereits 150 Megabyte pro Sekunde. Das ist ungefähr das doppelte, was eine aktuelle, gute SATA-Platte im Idealfall im Burst-Modus wiedergeben kann. Wer „nur“ HDV unkomprimiert bearbeiten will kommt wegen der 4:2:0 Farbauflösung und der etwas kleineres Bildabmessungen theoretisch auf eine Datenrate von 58 MB/s (1440 x 1080 x 1,5 x 25). Das klingt schon viel besser, ist jedoch für eine normale SATA-Festplatte ebenfalls noch einen Tick zu viel. Denn ihren Spitzenwert erzielt eine Festplatte nur im optimalen, leeren und komplett defragmentieren Fall. Aus diesem Grund greifen viele Leute zu einem so genannten RAID 0 -Array, bei dem zwei Festplatten parallel geschaltet werden. Die Daten wandern bei diesem auch Striping genannten Modus auf beide Platten und können dann durch verschachteltes Lesen mit fast der doppelten Datenrate wieder ausgegeben werden. Soweit so schön, nur bedeutet das Aufsetzen eines RAID 0 meist deutlichen Zusatzaufwand, Mehrkosten und verminderte Datensicherheit, da der Ausfall einer Platte bei RAID 0 den kompletten Datenverlust bedeutet. Wer dies verhindern will, greift zu größeren RAID-Systemen, die allerdings dann noch mehr in Geld gehen.
Der Trick
In Zeiten von günstigen Quad-Prozessoren unter 250 Euro ärgern sich viele Anwender, dass die meisten Videoschnittprogramme diese gar nicht ausnützen. Wie wäre es also, wenn man sich einfach einen Kern abzweigt, der die Daten sozusagen live ein- und auspackt. Würde es gelingen mit einem schnellen Algorithmus eine verlustfreie Kompression von 1:2 hinzubekommen, dann würden die (komprimierten) Daten doppelt so schnell von der Festplatte kommen können (weil sich die Datenrate wegen der verkleinerten Files dadurch halbieren würde). Das Schnittprogramm selbst würde dann dennoch nur einen unkomprimierten Festplattenstrom zu Gesicht bekommen, den vorher halt schon ein Prozessorkern entpackt hat. Da Windows selbst die Möglichkeit bietet, eine Partition online zu komprimieren, lässt sich die Theorie schnell ausprobieren: Man tauscht sozusagen Festplattenleistung gegen Prozessorleistung. Früher war die Online-Kompression unter Windows 98 in Zeiten knappen Plattenplatzes ziemlich beliebt, aber unter Profis verpönt: Unter anderem weil sie zu viel Prozessorleistung gefressen hat. Aber heutzutage ist ja meistens mindestens ein Kern total unterfordert, weshalb wir diese fast vergessene Option mal wieder ausgraben wollten.
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