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/// Erfahrungsberichte : Filmen

Erfahrungsberichte : "Hey!" – Das Production Design
von thomas Do, 31.Juli 2003    

  von Horst Stenzel
  6. Woche



von Horst Stenzel





6. Woche



Noch wissen wir nicht, ob sich ein Verleih für unseren Film interessieren wird. Solange müssen wir uns selbst um den Vertrieb kümmern, und dazu gehören auch die Werbemittel. Und so entstand in den letzten Tagen sogar ein brauchbarer Plakat-Entwurf. Schein oder Sein, das ist unser Thema. Diese Frage beherrscht auch das Œuvre des belgischen Surrealisten René Magritte. Er wird im Film zitiert. An seine Formensprache lehnt sich auch das Poster an: Zwei Frauen, symbolisiert durch zwei Äpfel am Lago Maggiore, auf einer Bühne, die mal Realität ist, mal Fiktion. Wir wollen dieses Motiv auch im Film selbst kurz sichtbar machen. Postkartengroß ist es ein Lesezeichen für einen Magritte-Band.



Auch die Kostüme sind eine Frage des Designs. Vorgabe von der Kamera: ganz schwarz und ganz weiß möglichst vermeiden. Die großen Kontraste könnten Probleme bereiten. Als dann bei einem Dreh in einer Apotheke in dieser Woche der Pharmazeut vorschlug, seinen frischen blütenweißen Kittel anzuziehen, konnte wir schlecht nein sagen. Die Aufnahmen sind trotz des hohen Kontrastes gelungen. Anruf einer Schauspielerin: Ob rot eine kritische Frage sei. Am Telefon schwer zu entscheiden, es kommt auf den Ton und die Farbsättigung an. Rot führt bei Video leicht zu Schwierigkeiten, was sich dann in einem Ausfransen der Farbe äußert.

Das Projekt tritt in die kritische Phase. Die Bilder für den Filmanfang wurden am Montag gedreht. Es folgte am Schnittplatz ein Rohschnitt, dann die ausführliche Begutachtung dieser Szene. Das Ergebnis hat niemanden erfreut. Wir verzichten bewusst auf die Ausleuchtung von Szenen. Scheinwerfer wollen wir nur einsetzen, wenn sonst alles duster wäre, zum Beispiel bei Abendszenen in unserem Tessiner Bergbauernhäuschen. Ehrlich gesagt, dies ist kein Dogma, sondern eine schlichte finanzielle Notwendigkeit. Die Apotheke war gut belichtet. Die Farben stimmten, die Kontraste waren in Ordnung. Ein Neonröhrensystem tauchte den ganzen Raum in mehr als ausreichendes Licht. Aber unsere Protagonistin verlor fast die Nerven, als sie die Bilder sah: Sie fand, sie sähe einfach schrecklich aus. Es fehlte ein weiches FührungslichtFührungslicht im Glossar erklärt, es fehlten Aufheller. Die handwerklichen Regeln haben ihren Sinn, und straflos kann man selten dagegen verstoßen. Auch der Ton ließ zu wünschen übrig, wenn man strenge Maßstäbe anlegt. Eingesetzt waren ein Ansteckmikrofon mit Funk, das am BH der Protagonistin befestigt wurde, und ein gutes RichtmikrofonRichtmikrofon im Glossar erklärt für den Ton des Apothekers. In der Hitze des Gefechts waren die Türen zur Straße nicht geschlossen, und Verkehrsgeräusche stören ein wenig.

Eine andere Szene für den Filmanfang wurde heute in dem noblen Münchner Salon von Vidal Sassoon gedreht. Frisuren – auch eine Frage des Designs. Unsere Claudia (gespielt von Cornelia Bernoulli) wurde von Chef-Stylist Scott Cottis bedient, und er hat das prächtig gemacht. Fallende Haare sieht man im Film selten, weil das den meisten Schauspielern zu kritisch erscheint. Das Mischlicht im Salon (Tageslicht durch große Schaufensterscheiben, Akzente setzende Halogenspots innen) hat nicht gestört, sondern verleiht den Aufnahmen eine positive Anmutung. Das Tageslicht wurde von uns durch einen Scheinwerfer ergänzt. Wir haben gebeten, die Musik abzudrehen (Probleme mit dem Urheberrecht und beim Schnitt). Später hörte man sie dann doch wieder. War aber nicht tragisch, wir haben mit einem Richtmikro gearbeitet.

Apropos Funkmikro: Wir besitzen nur einen Sender und Empfänger. „Filmkraft“-Kollege Peter Heller half mit einem zweiten aus. Solche gegenseitige Hilfe ist Etat-sparend und sollte in unserer Branche zur Regel werden. Viele Geräte werden nur selten genutzt, sind in bestimmten Situationen aber fast unentbehrlich.

Wir machen die Regie zu zweit, und auch das hat seine Tücken, wenn man sich nicht einigen kann. Die Stimmung kann also nur noch besser werden. Die Kernfrage dabei ist: Soll man versuchen, möglichst „glatte“ Bilder zu produzieren, Stativ, SteadicamSteadicam im Glossar erklärt und Kran einzusetzen (Schienen kommen für uns nicht in Frage). Oder soll man die Unruhe einer Handkamera in Kauf nehmen, damit Umbaupausen vermeiden, immer flexibel den improvisierten Dialogen folgen und Authentizität herstellen. Denn dicht an den Personen zu bleiben, ihren spontanen Äußerungen zu folgen, ist eigentlich unsere Absicht. Die Arbeit wird wohl immer ein Kompromiss bleiben. Wenn die im Drehplan für die einzelnen Szenen festgesetzte Zeit reicht, kann aufwändiger gedreht werden. In der Regel aber wird die Kamera „dokumentarisch“ dem Ablauf folgen. Wir sind auf die Ergebnisse gespannt.

Gestern trudelte das Saugstativ „Click“ ein, das die Zubehör-Firma Hama für „Hey!“ spendiert hat. Etliche Szenen spielen in unserem Film im fahrenden Auto. Gleich am Dienstag geht es mit diesen Szenen auf der Autobahn los (eine wenig befahrene Strecke). Wo soll man die Kamera positionieren? Drehen aus der Hand kann eigentlich nur mehr oder weniger verwackelte Bilder liefern. So kamen wir auf das genannte Saugstativ, das für Kameras bis 1,6 kg gedacht und mit rund 100 € relativ preiswert ist (das Gewicht wurde von Hama wohl wegen möglicher Haftung bei Schäden limitiert). Man kann aber auch Kameras mit leichtem Übergewicht einsetzen. Wir haben alles probiert: Kamera außen links an der Fahrertür mit Blick auf Fahrer und Beifahrer, ebenfalls außen rechts. Innen links, falls es regnet oder der Ton nicht mehr zu verstehen ist, auch kein Problem, wenn der Beifahrer im Bild sein soll. Der Fahrer kann noch die Straße überblicken. Das ist natürlich nicht ideal, wenn einem so ein Ding direkt vor der Nase hängt, aber für kurze Zeit sicherlich zu verantworten. Und natürlich ist die Montage auch von der Beifahrerseite aus mit Blick auf den Fahrer möglich. Das Ganze ist sehr easy und lässt sich mit einem Griff montieren und wieder abbauen. An den Kameraboden wird eine kleine Stativplatte geschraubt, die in das Stativ einklickt. Daher der Name „Click“. Sehr solide aus Metall gefertigt, wir müssen uns nicht um unsere teure Kamera ängstigen. Zusätzlich ist noch ein Fangseil vorhanden.


1.Woche: "Hey!" - so fing alles an
2.Woche: "Hey!" – Woher kommt das liebe Geld ?
3.Woche: "Hey!" – Die große Inspektion
4.Woche: "Hey!" – Große Effekte mit kleinem Zubehör
5.Woche: "Hey!" – Immer kommt es anders als man denkt


Inhaltsverzeichnis:
von Horst Stenzel / 6. Woche
   



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Erfahrungsberichte: "Hey!" – Das Finale Mi, 5.November 2003
Erfahrungsberichte: "Hey!" - Der erste Test Di, 23.September 2003
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