Belichtung in Extremsituationen
Die Objektive moderner DV-Kameras sind erstaunlich lichtstark – selbst bei Nacht können Aufnahmen gemacht werden. Allerdings sollte man sich nicht zu früh freuen: Bilder, die nachts mit automatischer Belichtung aufgenommen werden, weisen ein starkes Flimmern auf (siehe Abb. 6b). Dieses ist auf die digitale Lichtverstärkung zurückzuführen, neudeutsch "gain" genannt. Auch DV-Camcorder können nicht zaubern (auch wenn es einem manchmal so vorkommen mag), sondern machen aus einer dunklen Umgebung eine hellere, indem das Videosignal digital verstärkt wird. Das Bild in der Videokamera entsteht, wenn Photonen auf den bildwandelnden Chip treffen, und dort Elektronen auslösen. Dabei entsteht immer ein gewisses Rauschen, was bei Aufnahmen in ausreichendem Licht aber nicht besonders ins Gewicht fällt. Dreht man jedoch bei Dunkelheit, treffen wenig informationstragende Photonen auf den CCD , sodass das Grundrauschen nicht überlagert wird. Wird dieses unsaubere Signal durch den Gain noch verstärkt, kommt es zu stark flimmernden Bildern.
Zwei Bilder zum Vergleich:
 | | Abb. 6a:diese Nachtaufnahme wurde mit komplett geöffneter Blende ohne digitale Aufhellung gemacht. | |
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 | | Abb. 6b: zeigt das Bild mit dazugeschalteter digitaler Aufhellung. Was hier an Helligkeit gewonnen wird, geht an verminderter Bildqualität wieder verloren. Deutlich ist das Bildrauschen zu sehen, und auch die Farbwiedergabe lässt einiges zu wünschen übrig. | |
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Die meisten DV-Kameras schalten die Aufhellung automatisch hinzu, wenn das Umgebungslicht ihrer Ansicht nach zu dunkel ist – nicht nur nachts, sondern auch schon abends, wenn es eigentlich nicht nötig ist. Wer also im Automatikbetrieb filmen möchte, sollte nach Möglichkeit den Gain ausschalten, um übermäßiges Bildrauschen zu vermeiden. Bei Nachtshots sollte die Blende so weit wie möglich geöffnet und eine langsame Verschlusszeit eingestellt werden (sofern die Kamera dies zulässt, wie oben beschrieben). Nur, wenn dann immer noch nichts zu sehen ist, sollte der Gain dazugeschaltet werden.
Wer dagegen in sehr heller Umgebung filmen möchte, muss den Lichteinfall stark reduzieren, um seine Aufnahmen nicht überzuberlichten. Oft reicht hier eine maximal geschlossene Blende nicht aus. Einige (semi-)professionelle Camcorder aus den oberen Preisklassen haben für diese Situation einen ND-Filter (Neutral-Density-Filter) eingebaut. Dabei handelt es sich um einen Graufilter, der die Lichtmenge reduziert. Dieser Filter kann zur Not auch extern angebracht werden, ein Filtergewinde am Objektiv und etwas Zeit vorausgesetzt. Es werden auch sogenannte Grauverlaufsfilter angeboten -- diese reduzieren das Licht nicht durchgehend, sondern die Filterbeschichtung nimmt hier verlaufsartig ab. So kann nur ein Teil des Bildes, beispielsweise ein hell strahlender Himmel abgedunkelt werden, und ausgewogenere Lichtverhältnisse hergestellt werden. Allerdings muss hierfür ein Filterkompendium an dem Kameraobjektiv angebracht werden (wie in Abbildung 8), in das der Filter vorsichtig eingeschoben wird.
 | | Abb.8: Für besonders anspruchsvolle Aufnahmen kann ein Filterkompendium am Objektiv angebracht werden – ein entsprechendes Gewinde vorausgesetzt. | |
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