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Editorials : Was bedeutet "Camcorder" in 2016?

von Do, 21.Januar 2016


Ende letzten Jahres machte sich allen Allan Tepper auf Provideo Coalition Gedanken zu den gewachsenen Bezeichnungen diverser Kameratypen (Kamera, Camcorder, Streamcoder, Worldcam etc.). Allerdings kommt er dabei unserer Meinung nicht auf die relevanten Punkte, die uns aktuell auch bei unserer 4K-Datenbank Kopfzerbrechen bereitet haben. Nämlich worin sich diverse Geräteklassen eigentlich exakt unterscheiden lassen.

Für uns ist dieses Thema durchaus immer wieder relevant, weil wir dauernd über Wortunschärfen stolpern und um diese entsprechend (teilweise seit Jahren) herum lavieren dürfen. Schönes Beispiel: Wie bezeichnet man eine Kamera mit einem Sensor, der 36mm breit ist? FullFrame, Vollformat, Kleinbild oder etwa Vollbild? Die Wikipedia schlägt vor: Kleinbild-Vollformat oder Herstellerzeichnungen (wie FX) oder technische Angaben wie 36mm. Nachdem wir neutral und nicht die vollkommen unübliche Bezeichnung 36mm-Sensor schreiben wollen, wäre eigentlich “Kleinbild-Vollformat” die einzig korrekte Wahl. Aber eben auch sperrig, analog und irgendwie old-school, weshalb man bei uns auch oft den englischen Terminus Fullframe liest.

Doch zurück zu den Camcordern: Was macht denn einen Camcorder heute noch aus? Allan Tepper deutet ansatzweise an, dass ein Aufzeichnungslimit von ca. 29 Minuten schon mal die Bezeichnung Camcorder verhindert. Damit wäre das zumindest schon mal innerhalb der EU-Zollgrenzen geklärt, wenn auch negativ definiert. Doch würde damit die neue GH4R (also die alte GH4 jedoch ohne Aufzeichnungslimit) jetzt plötzlich ein Camcorder werden?

Die GH4R, jetzt auch mit Camcorder-Funktionalität...


Historisch gesehen kommt der Begriff Camcorder von Camera + Recorder, gemeint waren also Geräte, welche eine Bildfängereinheit mit einem Aufnahmeteil verbanden. In diesem Sinne müsste auf jeden Fall ein internes Recording vorhanden sein -- was wiederum auf fast alle filmenden Geräte zutrifft und daher als Unterscheidungskriterium wenig hilft.

Wenn man ältere Anwender fragt, dann verstehen diese unter einem Camcorder ein möglichst kompaktes Gerät zur Aufzeichnung von Videos, das eben genau dies auch als einzigen Haupteinsatzzweck hat. Also eben KEINE Foto- oder Telefonfunktionen. Das klingt schon sehr treffend, aber bedeutet wohl auch, dass dieser Begriff wohl sehr bald aussterben muss. Schließlich will sogar manche RED-Kamera mittlerweile schon ein Fotoapparat sein.

Zweifelsohne ein Camcorder... (Sony AX53)


Doch nicht einmal alle Geräte, welche vor allem fürs digitale Filmen konstruiert werden, nennen wir heute automatisch Camcorder. Statt dessen hat sich ein weiterer, neuer Terminus aus dem Kinobereich eingeschlichen: dort war immer schon die Abgrenzung zu den minderwertigeren Videokameras ein Thema. Folglich wurde dort mit (digitalen) Kinokameras gedreht -- Arri etwa baut Kameras, keine Camcorder. Als filmende Fotoapparate mit großen Sensoren bei immer mehr (Indie-)Produktionen zum Werkzeug der Wahl wurden (Filmlook mit Abstrichen für relativ wenig Geld), sahen sich viele Hersteller gezwungen, ihre billigeren Camcorder attraktiver beziehungsweise ihre hochwertigen Kameras etwas günstiger zu machen. So entstand eine neue Art Geräte mit ebenfalls großen Sensoren, jedoch optimiert für Bewegtbildaufnahmen, welche meist als Cine- oder Cinema Kamera bezeichnet werden.

Aber wie will man nun eine Cine-Kamera von einem Camcorder genau unterscheiden, zum Beispiel im Rahmen einer Kamera-Vergleichsdatenbank? Großer Sensor und Wechseloptik wären auf den ersten Blick zwei Bedingungen, die eine Kamera mindestens für Cine-Aufnahmen mitbringen müßte. Doch eine genaue Definition hat man dadurch noch nicht: denn daß Camcorder fest verbaute Objektive und kleine Bildsensoren haben müssen, ist keine unverrückbare Tatsache, es war nur bisher immer so (im Consumer-Bereich; ENG-Camcorder wiederum verfügen meist über Wechseloptiken). Eine LS300 von JVC zB. bietet sowohl Wechseloptik sowie einen größeren Sensor, dennoch drängt sich die Bezeichnung Cine-Kamera bei ihr nicht auf. Auch der Formfaktor scheint also eine Rolle zu spielen. (Mangels einer klaren Abgrenzung finden sich nun übrigens beide Begriffe in unserer neuen Datenbank.)

LS300 von JVC. Wechseloptik und Großsensor = Cinema Camera?

?
Direkt wichtig sind diese taxonomischen Feinheiten an sich nicht; solange die Geräte gut sind und für den jeweiligen Einsatzzweck geeignet, kann ihre Bezeichnung im Grunde ja egal sein. Die Orientierung und Recherche im unübersichtlichen Kamerakosmos wird durch die manchmal schwer abzugrenzenden Geräteklassen aber sicherlich nicht einfacher, da man nicht auf den ersten Blick sicher sein kann, welche Leistung wo zu erwarten ist.

Während also jeder Camcorder letztlich eine Kamera ist, sind jedenfalls nur noch wenige neu vorgestellte Kameras auch Camcorder -- obwohl sie fast alle auch filmen. Viele typische Camcorder gab es auch auf der CES 2016 nicht mehr zu bewundern. Bleibt also die Frage, ob sich der Begriff "Camcorder" noch beispielsweise im ambitionierten Event-Sektor halten kann, oder demnächst im Technik-Terminus-Nirvana mit alten Bekannten - wie dem Videorecorder - landet…


    

[7 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
josh lego    12:32 am 24.1.2016
"Es hat noch nie soooo viele tolle gegeben, die sooo wenig kosten und sooo viel können!" Sagt mein Hund, der heißt CHURCHILL! Der ist faul, fett und schaut Fernsehen. Wehe es...weiterlesen
-paleface-    12:10 am 24.1.2016
Ich würde behaupten das man von einem Camcorder sprechen kann sobald die möglichkeit besteht mehr oder weniger sauber Ton und Bild aufzunehmen. Aber ich denke auch das es...weiterlesen
Funless    22:31 am 21.1.2016
Ach sooooo! Jetzt versteh' ich, danke! :-D
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update am 17.Dezember 2017 - 18:00
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