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Editorials : Frisst die Video-DSLR-Revolution ihre Kinder ?

von Mo, 8.November 2010


Kaum eine Produkteinführung hat die Videowelt in den letzten Jahren dermaßen in Aufregung versetzt, wie die Einführung von videofähigen DSLR-Kameras: Und dies zu Recht: Zog mit den DSLR-Kameras doch der heilige Gral des „Filmlooks“ für immer aus den komplizierten (35mm Adapter) oder kostspieligen Spähren des Profi-Film-Equipments in die Realität des Indie-Filmemachers, der erschwinglichen Musik- und Werbeclip-Produktion ein.

Das Video-DSLR-Phänomen

Klar war hier nicht alles perfekt: 4:2:04:2:0 im Glossar erklärt Farbsampling, ergonomische Herausforderungen, Ton-Probleme, begrenzte Aufnahmedauer etc.pp. Doch dies alles tat der Popularität der neuen Filmlookproduzenten keinen Abbruch. Im Gegenteil, fast scheint es, als hätten diese Herausforderungen den Basteltrieb, die Neugierde, in gewisser Maßen den gesamten „Kultstatus“ der Video-DSLR erst begründet - dabei war dies alles andere als eine sorgfältig geplante „Revolution“. Tatsächlich wurden die etablierten Camcorder-Hersteller von den Video-DSLRs eher kalt erwischt – und manchmal die DSLR-Hersteller selbst auch...

Blickt man zurück, so sieht man die Nikon D90 am Anfang des Video-DSLR Hypes stehen. Fast schon zufällig und nebenher hatte Nikon die Videofunktion in der DSLR etabliert und wusste, so schien es zumindest bis vor kurzem, auch nicht so recht etwas damit anzufangen. Erst als Canon mit der EOS 5D MKII auf den Plan trat mit effektiverem CodecCodec im Glossar erklärt und relativ zügig den Wünschen der Videographen nach manueller Belichtung sowie nach 25 und 24 Fps entsprach, war mehr Beteiligten klar, dass sich hier im Videoumfeld Entscheidendes veränderte.

Betrachtet man die Produktankündigungen der letzten Monate so scheinen nun die technischen Voraussetzungen der Video-DSLRs bei den etablierten Camcorder-Herstellern angekommen zu sein: Panasonic kommt demnächst mit der AG-AF 101 heraus, Sony bemüht sich, möglichst schnell in Form der PMW F3 etwas entgegen setzen zu können und auch Canons Camcorder-Sparte selbst, so wird gemunkelt, wird demnächst unter 10.000 Euro großformatig herauskommen.

Der Markt reagiert also, wie er es so häufig tut, indem er - langsam aber stetig – adaptiert.

Nutznießer dieser neuen Marktbewegung ist der Videograph, der demnächst aus einer neuen Fülle an Filmlook-fähigen Kameras sein Model wird wählen können. Was dies für die Video-DSLRs in Zukunft heissen wird, steht noch völlig in den Sternen. Dass sie ihre Videofähigkeit einbüßen, davon gehen wir jedoch nicht aus.

Es darf an dieser Stelle den Video-DSLRs gedankt werden. Wie lange haben nicht Independent-Filmemacher größere Sensoren in günstigen Camcordern gefordert ? (wir auch). Die Camcorder-Foren dieser Welt sind voll davon ...

Klar scheint jedoch auch zu sein, dass der Reiz der Andersartigkeit, des Independent-Bastelns und des Staunens über den „Filmlook“ aus einer DSLR sich langsam aber sicher verflüchtigt. Tja, so ist das nunmal mit der Avantgarde und der Gentrifizierung– irgendwann sind wir halt alle cool ;-)


    

[21 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Jott    13:24 am 5.12.2010
Entschärfend muss gesagt werden: als Zusatzkamera für enge Gegebenheiten, für Situationen, wo die Kamera kaputtgehen kann, für Fälle, wo das geringe Gewicht hilfreich ist -...weiterlesen
Replay    12:42 am 5.12.2010
Das stimmt und ich gehöre zu den Leuten, die eine DSLR nur zum Fotografieren anfassen, nicht zum Filmen. Ich hatte auch schon das „Vergnügen“ mit einer DSLR zu drehen und...weiterlesen
Jott    09:33 am 5.12.2010
Die Unschärfen sind praktisch ein Muss. Macht man eine komplett scharfe weitwinklige Totale, fliegt die Nummer auf wie ein Frosch auf der Herdplatte. Man muss sich dem...weiterlesen
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