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/// Editorials : Computer

Editorials : Apples Gewinnstruktur und die Zukunft von OS X-Hardware
von rudi Mi, 1.August 2012   


Wings of Reason hat seine vor einem Jahr schon einmal aufsehen erregende, weil durchaus aufschlussreiche Grafik aktualisiert. In dieser wird über eine längere Zeitachse aufgetragen, wie viel Anteil am Gewinn welcher Geschäftsbereich von Apple zum Gesamtergebnis beiträgt. Dabei kann man schön sehen, dass das iPhone unangefochten mit fast 50 Prozent den Bärenanteil ausmacht (aber auch seit einem Jahr stagniert). Größtes Gewinn-Wachstum zeigt momentan das iPad. Sorgen machen dürften dagegen die Desktops, die wie der einstige Segensbringer iPod relativ gesehen immer weniger zum Gewinn beitragen. Auch die portablen Rechner (also die diversen MacBooks) sind in Relation zum Gesamtgewinn auf dem absteigenden Ast.

Aus strategischer Sicht scheint somit diese Grafik auszusagen, dass es für Apple Sinn macht, sich vor allem auf die Cash Cows (iPhone, iPad und den iTunes-Store) zu konzentrieren, die gerade zusammen für ungefähr 75 Prozent des Gewinns verantwortlich sind.

Betrachtet man dazu die Herstellungskosten, so wird das Argument noch gewichtiger: So berichtet
Gizmodo, dass die Gewinnmarge beim iPhone zwischen 49 Prozent und 58 Prozent liegt, während das iPad "nur" zwischen 23 und 32 Prozent bringt. Von solchen Margen kann Apple bei den Desktops und Macbooks wohl nur träumen, hier gehen Branchenschätzungen von maximal 20 Prozent aus. Dies ist zwar für die PC-Branche nach wie vor ein fantastischer Wert (von dem andere Hersteller nur träumen dürfen) jedoch für Apple-Produkte wohl deutlich unter den eigenen Erwartungen.

Dabei fällt auch auf, dass Apple in letzter Zeit bei den OS X-Geräten eher die Margen gemolken hat. So wurden bis auf das Retina-MacBook Pro keine neuen Designs mit hohen Entwicklungskosten präsentiert, sondern bewährte Rechnerarchitekturen nur leicht aufgefrischt. So lassen sich auch die 20 Prozent Marge gut erklären. Andere Hersteller müssen z.B. mit den neuen UltraBooks erst einmal die Entwicklungskosten über große Stückzahlen wieder einspielen, was gerade nicht zu funktionieren scheint.

Bleibt die Gretchenfrage, was Apple mit diesem Background plant. Dass der OS X-Markt in der jetzigen Form ein Wachstum wie bei iPhone und iPad verspricht, ist nicht anzunehmen. Eher das Gegenteil.

Apple war in der Vergangenheit bekannt dafür, Gerätegattungen mit eigenen Features aufzupeppen und dann aufgrund der hohen Margen erst einmal ein paar Jahre glänzend zu verdienen, bis die Konkurrenz nachgezogen hat. In dieser Linie darf man das iPhone als logischen Nachfolge-Gattung des iPods verstehen und das iPad als weiterführende Nachfolge-Gattung des iPhones.

Dass Apple OS X auslaufen lässt, ist dennoch unwahrscheinlich. Vielmehr muss ein neues OS X-Hardware-Konzept her, damit OS X nicht zum Auslaufmodell mit wenig Gewinnmarge verkommt. Also auch eine logische Nachfolgegattung.

Erschwerend hierbei hinzu kommt, dass Apple bei OS X durch die (scheinbare) Abhängigkeit von Intel kaum die Herstellungskosten bestimmen kann. Da Intel selber bei seinen Prozessor- und Chipsatz-Margen ca. 40 Prozent einstreicht, müssen diese auch von den Apple-Käufern mitgetragen werden.

Unter diesem Licht erscheint vielleicht tatsächlich ein weiterer Plattformwechsel gar nicht so unwahrscheinlich. Mit eigenem Prozessorkonzept und viel ausgelagerter GPU-(Co-)Prozessor Leistung und/oder massiv paralleler Multicore-Achitektur (Stichwort OpenCL und Grand Central Dispatch) könnte Apple hier tatsächlich noch einmal den Markt neu definieren. Und hat die entsprechenden Weichen eigentlich auch schon längst gestellt. OS X selbst ist aufgrund seines Unix-Unterbaus und der LLVM-Integration jedenfalls keineswegs auf Intel oder X86/X64 angewiesen. Viel mehr kann man das ganze auch so betrachten, dass LLVM die Rosetta-Emulation von morgen ist. Nur ist diese im Vergleich zu Rosetta schon vor dem nächsten Switch in OS X eingebaut.

Nüchtern betrachtet, wäre dies für Apple nur ein allzu logischer Schritt, mit dem sich der Markt für die nächsten Jahre wieder gut unter Kontrolle halten ließe, ohne die OS X-Sparte komplett aufzugeben.

Die Mac Mini, MacBook und iMac-Nachfolger dürften ohne Intel in der Herstellung deutlich günstiger ausfallen und das könnte im Gegenzug für Apple einen neuen Wachstumsmarkt bei besseren Margen versprechen. Neben dem Prozessor spart man vielleicht noch beim Speicher, denn den gibt’s dann (wie beim Erzkonkurrenten Google) hauptsächlich in der Cloud. Ein MacMini wäre dann kaum komplexer zu bauen als eine AppleTV-Box, die gerade 99 Euro kostet. Aber Apple könnte sie als stylischen HeimPC-Ersatz für 199 Euro unter die Leute bringen und wäre mit so einem Gerät aktuell konkurrenzlos gegenüber Intel/Windows. Ein sehr günstiges Macbook wäre ebenso denkbar. Und das alles bei gewohnt fetten Margen alá Apple und Preisen die einen Massenmarkt versprechen.

Wer nach wie vor ein Profi-Gerät wie den MacPro für Audio/Videobearbeitung will, bekommt dieses mit Festplatten, 128 Cores und Thunderbold-Erweiterbarkeit für (sagen wir mal) 2000 Euro. Logic und Final Cut Pro X Anwender, sagen da sicherlich nicht nein, wenn die ausgewählten Performance-Benchmarks dank entsprechender Co-Prozessoren (GPU oder Multicore) anschließend doppelt so hoch ausfallen.

Steht der große Umbruch der OS X-Sparte also fürs nächste Jahr bevor? Schließlich wurde ein entsprechender MacPro Nachfolger erst für 2013 angesagt, obwohl seit Monaten eigentlich frische Intel-Hardware hierfür bereitliegen würde.

Natürlich ist das alles nur Spekulation, aber es spricht wenig dagegen, dass Apple diesen Weg gehen wird. Bleibt Apple bei Intel, ist ein Massenmarkt wie bei iPhone und iPod mit den erwünschten Margen nicht zu machen. Und damit für Apple einfach nicht mehr sonderlich interessant. Apple weiß, dass es permanent neue Märkte erfinden und bedienen muss, um sein rasantes Wachstum fortzusetzen. Und das geht nur mit einem Relaunch von OS X-Hardware für den Massenmarkt.

Dazu sieht Apple vor allem Google als Gefahr, die mit dem Chrome-Konzept ebenfalls den klassischen Windows-Desktop beerben wollen. Wer nur Büroarbeiten, Spielen und Surfen will, kann mit den gerade aufkommenden Chromeboxen das gleiche machen, nur eben mit Android oder in einer Browser-basierten Linux-Umgebung. Und in diesem Markt warten noch Stückzahlen. Besonders, wenn man hier ein attraktives Angebot ohne Intels und Microsofts Margen hin bekommt. Apple hat hierfür alle Karten in der Hand und auch die nötige Erfahrung in den Märkten. Und vielleicht auch noch ein paar sexy Ideen...


  

[12 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
handiro   12:21   09.12.
So wie ich die einschätze, bauen die einen made in USA und verkloppen den zu Brutalpreisen. Anfang 90er habe ich 12.000 DM für einen Apple mit 6 NuBus...weiterlesen
Alf_300   15:09   08.12.
Die Amis sind Patrioten, da ist es eine gute Werbung wenn man zumindest für den US Markt auch ín USA produziert, in Zukunft wird man wohl des öfteren ...weiterlesen
Blancblue   14:40   08.12.
Ich nehme jetzt mal den Thread, wollte keinen neuen aufmachen:


Der Artikel klingt recht einleuchtend, ich glaube 2013 darf m...weiterlesen
mella   12:26   02.08.
Zitat: ARM so leistungsfähig zu machen, dass es im Desktop-Bereich konkurieren kann, wäre aber wieder genauso eine Eigenentwicklung.
...weiterlesen
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