| Buchkritiken : Producing Great Sound for Digital Video. von heidi Sa, 22.Februar 2003
Daß die eingebauten bzw. mitgelieferten Mikros nicht gerade zu den hervorragenden Features handelsüblicher DV-Camcorder gehören, dürfte allgemein bekannt sein. In der ersten Ausgabe von „Great Sound..“ empfahl der Autor noch dementsprechend drastisch, das Buch am besten erstmal dazu zu nutzen, eben solche schlechten Mikros vom Camcorder zu kloppen -- so wird man nicht in Versuchung geführt, sie anzuwenden. In dieser zweiten Ausgabe hält sich Jay Rose, der seit vielen Jahren als Sound-Designer und Autor arbeitet, mit solchen Ratschlägen zurück, und liefert statt dessen eine Menge konstruktiver Tips und umfassendes Grundwissen über Audio, und zwar besonders aufbereitet für Videografen.
Das Buch ist in vier Sektionen aufgeteilt. Erste Lektion der ersten Sektion: Alles Hörbare wird von Druckwellen erzeugt, oder besser, diese sich in alle Richtungen ausbreitenden Druckwellen empfinden wir als Geräusche. Was das für die Arbeit mit Ton bedeutet, wie man ihn misst, kontrolliert, aufnimmt, digitalisiert, etc. wird ausführlich und mit vielen Grafiken erklärt. Das alles ganz zu verstehen, kostet einen eher visuell orientierten Menschen natürlich einige Mühe, aber das liegt mehr an der Natur der Materie als am Autor. Auch wenn man hinundwieder besonders technische Abschnitte (zum Beispiel über professionelle Verkabelungen) überspringt, lernt man eine Menge.
In der zweiten Sektion geht es um drehvorbereitende Maßnahmen, also Soundplanung, Location-scouting etc. Danach kommt ein sehr umfassender Teil, „Production Sound“, wo es u.a. um unterschiedliche Mikrophontypen geht, worauf jeweils beim Einsatz zu achten ist, und sogar wie man eine Tonangel hält, ohne sich das Kreuz zu ruinieren. Besonders praktisch ist da auch die dem Buch beigelegte Audio-CD, wo sich u.a. ein Mikrovergleich findet: der gleiche gesprochene Satz wurde von unterschiedlichen Mikrophontypen von mehreren Positionen aus aufgezeichnet. So hört man deutlich wie sich die jeweiligen Charakteristiken auswirken.
Der letzte Abschnitt behandelt die Postproduktion. Hier werden Audio-Schnitttechniken erklärt, also wie man Dialoge schneidet, wie man mit Musik arbeitet, wie und wann man Effekte hinzufügt und schließlich alles gut abmischt (siehe auch vom gleichen Autor: Audio-Postproduction for Digital Video). Das ganze wird mit einigen Schnittübungen verdeutlicht, für die man teilweise ein Audioprogramm installiert haben sollte (aber nicht muß). Vielleicht wäre die eine oder andere Software-Empfehlung nicht falsch am Platz gewesen, damit man ggf. bei Recherchen zur Anschaffung eines Audio-Editors nicht ganz bei null anfangen muß.
Fazit: Bei der Lektüre merkt man schnell, daß der Autor aus langjähriger Erfahrung schöpfen kann, kaum ein Punkt zu dem er nicht einen praktischen Hinweis, eine Warnung oder ähnliches hinzufügt. Trotzdem ist es verständlich und angenehm geschrieben, wenn auch auf Fach-Englisch. Sehr empfehlenswert.
Beispielkapitel: Planning for Sound

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