| Buchkritiken : Kurzfilmproduktion von heidi Mo, 29.Oktober 2007

 | Frank BecherKurzfilmproduktion Verlag: UVK brochiert - 206 Seiten Sprache: Deutsch Erschienen: Oktober 2007 ISBN: 3867640025 Preis: 17,90 Euro Leseprobe (pdf)
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Man hört sie ja immer wieder, Erfolgsgeschichten über Underdog-Typen, die quasi im Alleingang mit einem Budget von ca. 134,50 Euro (für DV-Bänder + Tiefkühlpizzen) extrem coole Filme am heimischen Computer zusammenschustern und dann auf internationalen Festivals ganz groß rauskommen. Die allermeisten Filme aber entstehen jedoch anders, konventionell, mit Planung, Team und bestenfalls Finanzierung. Und darum geht es in diesem Buch – nicht, wie man einen Film macht, sondern wie man ihn produziert.
Der Unterschied ist beachtlich, und deutet sich sehr schön in diesem Zitat an (aus der Einleitung des Kapitels zur Distribution): „Sie haben es geschafft. Alle Schwierigkeiten von der Stoffauswahl über die Finanzierung bis hin zum endgültigen Schnitt sind überwunden. Ihr Kurzfilm ist fertig.“ Wobei nicht einmal der Schnitt in irgendeinerweise angesprochen wurde. Aber das macht nichts, darüber gibt es ja genügend andere Bücher. Hier liegt der Fokus auf all dem Drumherum, nämlich erstens Vorbereitung (Stoff-, Team- und Formatwahl), zweitens Finanzierung und drittens Auswertung. Durchsetzt ist das Ganze mit kleinen Interviews, und abgerundet von einer umfangreichen Linkliste.
Der erste Teil ist noch recht allgemein gehalten, etwa geht es um die Frage, was einen guten Kurzfilmstoff ausmacht („Je komplexer das Thema, desto kleiner und konkreter muß der Fokus der Geschichte sein“), und welche Faktoren eigentlich dazu beitragen, einen Film schwierig oder zumindest teuer in der Realisierung zu machen. Auch die Formatwahl wird hier abgehandelt, denn nicht nur Digitalfilmer werden angesprochen. Wie die Arbeitsteilung am Dreh sein sollte wird übersichtlich dargestellt, worauf die Frage aufgeworfen wird, aus welchen Gründen ein Profi sich entscheiden könnte, kostenlos bei einer No-Budget-Produktion mitzuwirken. (Es gibt welche. Experimentierfreudigkeit ist einer davon.)
Ähnlich gründlich werden in den anderen Teilen verschiedene Aspekte der Finanzierung und Kostenkalkulation beziehungsweise der Verwertung behandelt, wobei der Autor auch ausdrücklich darauf hinweist, daß eine Filmkalkulation von sehr komplex bis nur bierdeckelfüllend sein kann. Aber zu wissen, wie man ausgehend vom Drehbuch ungefähre Drehkosten ermittelt, schadet ja schließlich nicht. Auch Verträge und Lizenzen werden angesprochen. Banal mag dabei der Hinweis klingen, daß man versuchen muß, möglichst wenig Rechte für möglichst viel Geld abzutreten, während die Gegenseite es natürlich genau andersherum haben möchte. Aber letztlich ist genau dies der Knackpunkt. Worauf man also achten sollte beim Abschließen von Lizenzverträgen erklärt der Autor anhand einer der vielen Checklisten.
Erwartet hätten wir vielleicht noch etwas mehr zur konkreten Projektplanung, beispielsweise wie Drehpläne erstellt werden. Nur was an Planung vor und nach den Filmarbeiten anfällt, wird im Buch besprochen. Das dafür ziemlich umfassend, und auch wenn (wie immer) bezweifelt werden darf, daß die Lektüre eines Buches praktische Erfahrungen ersetzen kann, so bekommt man hier zumindest einen ziemlich guten Überblick und einige Hilfestellung bei der Planung des eigenen Projektes.
Fazit: Das lästige Drumherum einer anspruchsvollen Filmproduktion einmal anschaulich aufbereitet. Aber keine Angst: Das kreative Chaos wird sich trotzdem von ganz alleine einstellen...
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