| Buchkritiken : Digitales Video. Ausrüstung, Techniken, Projekte, Nachbearbeitung von heidi Mi, 12.April 2006
Ein Buch über die digitale Videographie von einem Fotografen? Etwas skeptisch waren wir da schon. Und weil manche Bücher mehr zum Erbsenzählen als zur Lektüre einladen, haben wir gleich die Lupe ausgepackt, um festzustellen, ob sich da nicht eher foto-charakteristische Merkmale finden lassen.
Und in der Tat, lange mußten wir nicht suchen: Ein waschechter Videofilmer würde wohl nicht einen ganzen Tag an einem hochgelegenen Aussichtspunkt verbringen und das Potential „allein durch die Änderung des Bildausschnitts ausschöpfen“. Um sein Material nachher abwechslungsreich und flüssig schneiden zu können, muß man auch öfters mal den Standpunkt und die Perspektive ändern. Ein anderer Punkt: mittlerweile läßt sich so gut wie jeder Look nachträglich bei der Postproduktion herstellen, sodaß sich der Einsatz von Filtern bei der Aufnahme weitestgehend erübrigt (bis auf ein Grauverlauffilter vielleicht, um gelegentlich einen hellen Himmel abzudunkeln), und damit auch das Besprechen von Masken- und Effektfiltern für´s Kameraobjektiv. Dafür vermissen wir die obligatorische (wenn auch etwas langweilige) Auflistung der Standard-Einstellungsgrößen, die Bauelemente der filmischen Sprache.
Aber wir wollen auch nicht zu streng sein: das Buch bietet Anfängern mit seinen vielen Bildbeispielen sicher einen schnellen, lockeren Einstieg in die Materie, es liest sich leicht und deckt fast jeden Bereich ab, von Kamerahandhabung bis Nachbearbeitung, sogar Kostenplanung ist ein Thema. Gängige Konzepte und Arbeitsschritte des Videoschnitts werden vorgestellt, und im Kapitel "Videoprojekte" finden sich Anregungen für typische Hobbyfilme wie Urlaub, Kindergeburtstag, Hochzeit. Gut sind die vielen Checklisten mit Kurzinfos zu den besprochenen Themen.
Problematisch hingegen sind die Tipps zur Ausrüstung, die ausführlich sind, aber so konkret gehalten, daß sie schon jetzt teilweise nicht mehr ganz aktuell sind. (Mal davon abgesehen wie oft ein Unterwassergehäuse zum Einsatz kommt.) Dazu fehlt bei der ansonsten sehr hübschen Kabel-/Schnittstellen-Präsentation ausgerechnet Firewire. HDV wird nicht erwähnt, dafür aber kurz erklärt, wie MPEG-Kompression und das Zeilensprungverfahren funktionieren.
Heiter bis wolkig auf der ganzen Linie also: teilweise gute Sachen, dann aber immer wieder fehlende, pauschalisierte oder nicht ganz korrekte Angaben – daß Real bessere Qualität als Quicktime und Windows Media liefert sollte man zum Beispiel nicht so ohne weiteres behaupten.
Fazit: Nur gut als Einführung für absolute Neueinsteiger, die es bunt und praxisorientiert mögen, und sich Kauftipps und genauere technische Infos nachher woanders besorgen. (Kann es Zufall sein, daß der Anhang neben Glossar und Register eine vierseitige Linkliste sowie Buchtipps umfaßt?)
[4 Leserkommentare] [Kommentar schreiben] Letzte Kommentare:
 | (unregistered) 01:51 18.05. | | Das Buch kenne ich konkret jetzt nicht, habe aber als absoluter Einsteiger das Buch "Digitales Video für Einsteiger" vom gleichen Autor aus ...weiterlesen |  | (unregistered) 19:23 13.04. | | Zitat:
In einschlägigen so genannten Fachzeitschriften findet man dazu ja meistens herzlich wenig.
Vielle...weiterlesen |  | (unregistered) 09:22 13.04. | | Ich muss der Slashcam-Redaktion ja jetzt mal ein dickes Lob aussprechen, dass sie sich überhaupt die Mühe machen ein Buch zu rezensieren. In einschläg...weiterlesen |  | [ Alle Kommentare lesen]
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