| Buchkritiken : Dem Film ein Gesicht geben. Sechs deutsche Kameraleute im Gespräch von heidi Do, 6.März 2008


In diesem Buch sind sechs lange Gespräche mit ebensovielen deutschen Kameramännern versammelt, auch wenn das eher gender-neutrale Wort "Kameraleute" im Titel mindestens eine Kamerafrau impliziert. Aber egal, uns stört bei diesem Buch nicht die fehlende Quotenfrau, sondern die fehlende DVD. Denn von den Vorgestellten (in order of appearence: The Chau Ngo, Bernhard Jasper, Jan Fehse, Hagen Bogdanski, Peter Badel, Wolfgang Treu) dürfte dem Durchschnittsleser Bogdanski am ehesten bekannt sein, führte er doch die Kamera z.B. bei "Das Leben der Anderen". Liest man die Filmographie der übrigen könnte es jedoch gut passieren, daß man keinen, einen oder nur wenige der Titel wiedererkennt, und da die Interviews sehr eng entlang ausgewählter Filmarbeiten geführt werden, fehlt da einfach etwas die Referenz.
Man fühlt sich bei der Lektüre nicht von ungefähr an den Klassiker Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? erinnert, in welchem Truffaut seine wunderbaren, in den 60er Jahren geführten Interviews mit dem Meister des Suspense präsentierte. Streng chronologisch wird dort jeder Film Hitchcocks besprochen -- seine Entstehung, Geschichte und Besonderheiten. Genauso geht auch Marko Kregel, der Autor dieses Buches vor. Nach einer kurzen Klärung, wie der jeweilige Kameramann zu seinem Beruf gekommen ist, werden einige seiner Filme durchgegangen. Was man da über die Dreharbeiten von zB. Alaska.de, Kismet, Der alte Affe Angst ua. erfährt, ist meistenteils sehr interessant. Die Gespräche sind sehr viel besser als der uninspirierte Klappentext vermuten läßt ("Wirtschaftliche Unsicherheiten, technische Probleme, aber auch persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen kommen zur Sprache").
Auf die Dauer stört es allerdings doch recht arg, daß man von den anderen besprochenen Filmen nur wenige gesehen hat, sei es weil sie zu unbekannt sind, oder zu schlecht (diverse TV-Produktionen, wobei man gerechterweise sagen muß, daß daran eigentlich nie die Kamera schuld ist). In Einzelfällen geht es soweit, daß drei Seiten über das gestalterische Konzept eines Films geredet wird, den außer dem Interviewer kaum je einer sehen konnte, weil er praktisch nie gezeigt wurde ("Erster Verlust"). Wären einschlägige Szenen auf einer beiliegenden DVD zu betrachten, würde einem vielleicht auch das im Vergleich zu Hitchcock+Truffaut doch etwas Vermessene der wiederkehrenden Frage "Wie bist Du zu diesem Film gekommen" nicht so auffallen...
Fazit: Schöne Gespräche, die aufgrund des fehlenden Anschauungsmaterials ihr volles Potential leider nur für Kenner deutscher Filmproduktionen entfalten können.
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