| Buchkritiken : DV Filmmaking: From Start to Finish von heidi Di, 16.Mai 2006
Es gibt Bücher, die sehen so langweilig und / oder unseriös aus, daß man sich direkt schämt, wenn sie auf dem Schreibtisch rumliegen, in der Besprechungswarteschleife sozusagen. Am besten noch ausgerechnet dann, wenn mal wieder ein unheimlich cooler und grenzenlos kreativer entfernt Bekannter auf einen Sprung in der Redaktion vorbei kommt. "DV Filmmaking from Start to Finish" gehört nicht dazu. Dank des soliden Layouts und schlichten Covers in weiß/grün muß man es nicht unter die nächstliegende Fachzeitschrift schieben, wenn´s an der Tür klopft.
Aber natürlich würden wir niemals ein Buch nur nach ästhetischen Merkmalen der Verpackung beurteilen. Auch wenn wir gelegentlich mal eine Flasche Wein nach dem Etikett auswählen, obwohl wir wissen, daß man gefälligst auf den Abfüller als Anhaltspunkt für die Qualität zu achten hat. Nun, der Abfüller dieses Buches hat einen guten Namen, auch wenn O´Reilly bisher vor allem für seine exzellenten Software-Handbücher bekannt ist. Der Fokus von "DV Filmmaking.." liegt jedoch nicht auf einem einzelnen Programm, sondern auf dem gesamten Workflow des Independent-Filmemachens.
Nachdem im ersten Kapitel die Vorzüge von DV als Drehformat für Indie-Filmer kurz vorgestellt werden (als da wären billige Tapes, sofortiger Zugriff auf die Aufnahmen, einfaches Bearbeiten am Home-Computer), geht´s gleich auf Seite 13 ans Eingemachte. Damit auch ja kein aspirierender Filmemacher zu naiv an die Sache herangeht, wird man hier mit einigen der aufregendsten und inspirierendsten Themen der digitalen Filmproduktion konfrontiert. Ja, richtig, es geht um aspect ratio, non-square Pixel , Bildwiederholungsraten und Video Standards.
Das gefällt uns. Umso mehr natürlich, als der Autor es durchweg versteht, scheinbar komplizierte Sachen leicht verständlich zu erklären. Und prompt sind die Sachen gar nicht mehr kompliziert. So soll es sein, wobei man gerechterweise betonen muß, daß es sich bei diesem Buch ja auch nicht um ein Technik-Handbuch handelt, wo jede Einzelheit eines Videostandards erläutert werden muß. Der Autor taucht nicht tiefer in die Materie ein, als es gerade nötig ist. Das gilt übrigens auch für alle folgenden Kapitel, wie etwa Einstellungsgrößen, Licht, Audio, Hinweise zum Drehen für Keying-Sequenzen.
Knapp zwei Drittel des Buches sind der Postproduktion gewidmet, wobei es allerdings kaum um den Schnitt als solchen geht. Die vier Seiten zum Editing, die sich bei den Einstellungsgrößen verstecken, sind doch ziemlich knapp bemessen... Erstaunlich eigentlich, und schade. Statt dessen werden einige verschiedene Themen mehr oder weniger exemplarisch anhand von Final Cut Pro und Adobe After Effects gezeigt, wie zum Beispiel das Keyen, Arbeiten mit Stills, Titling, Farbkorrektur. (Projekt- und Mediafiles sind zum Nachbauen auf einer DVD beigelegt.)
Für Leser hierzulanden sehen wir schließlich noch zwei Nachteile mit dem Buch: 1. es ist auf Englisch. 2. als Standardformat wird NTSC gehandelt. (Und wer hat eigentlich die redundanten Bildunterschriften verfasst?)
Fazit: Soweit es überhaupt möglich ist, Filmemachen aus einem Buch zu lernen, ist dieses ein guter Anfang. Trotz des fehlenden Schnitt-Kapitels empfehlenswert.
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