| Buchkritiken : Cutting Rhythms: Shaping the Film Edit von heidi Mo, 4.Juli 2011


Wir haben uns mal wieder ein vielversprechendes Buch bestellt, in der Hoffnung dem Geheimnis des wohlfließenden Filmschnitts endgültig auf die Schliche zu kommen. Wie kommt ein guter Rhythmus in das Gesamtgefüge der Bilder? Und wie gelingt es, den Filmflow mit anderen wichtigen Konzepten wie etwa der Informationsvermittlung unter einen Hut zu bekommen?
Die Thematik ist nicht ganz trivial. Fragt man erfahrene Cutter, wie sie entscheiden, wo nun genau ein Schnitt richtig sitzt, lautet die Antwort meist so ähnlich wie: Bauchgefühl, Intuition, es fühlt sich richtig an. Auch in diesem Buch wird Filmschnitt als ein eher körperlicher Vorgang behandelt, bei dem der Editor sich sozusagen mit seinem Material synchronisiert, um den inhärenten Rhytmus zu erspüren oder einen funktionierenden Rhythmus zu modulieren. Auch die Filmbetrachtung läuft laut Autorin ähnlich ab: der Zuschauer stellt sich unwillkürlich auf den Rhythmus des Film ein, der Cutter steuert so gesehen praktisch indirekt die Herzfrequenz des Publikums.
Als Analogie zum Filmschnitt wird hier der Tanz herangezogen, deren Komponenten Zeit, Energie und Bewegung auch in den laufenden Filmbildern gefunden werden kann. Das klingt erstmal recht schlüssig und als theoretische Idee nicht uninteressant, aber die aus der Choreografie übernommenen Konzepte und Begriffe (zB. "Bewegungsphrasen") tragen unserer Meinung nach nicht unbedingt dazu bei, Nützliches für die praktische Schnittarbeit zu vermitteln. Überhaupt merkt man dem Buch seine akademische Herkunft leider zu sehr an -- es ist eine überarbeitete Doktorarbeit zum Thema und vom Stil deutlich trockener als man es von amerikanischer Fachliteratur gewohnt ist --, auch wenn es ausdrücklich auch für die Praxis gedacht ist. Ergiebiger wäre es gewesen, sehr viel mehr Filmbeispiele zu besprechen, wenn nicht gar zu zeigen: daß einem solchen Band keine DVD beiliegt, ist schon ein ziemlicher Minuspunkt.
Besser sind diejenigen Teile, in welchen es konkret wird (dort wird auch mehr auf Filmbeispiele Bezug genommen). Wenn etwa die Unterschiede zwischen Begriffen wie Rhythmus, Pacing oder Timing erklärt werden -- mit letzterem meint man in der Regel, wo genau geschnitten wird: welcher Frame wird ausgewählt, wie lang und wann ist eine Abfolge zu sehen. Pacing dagegen hat mehr mit Tempo zu tun, und dieses kann sowohl von den Shots selbst ausgehen, je nachdem wie sich Figuren, die Kamera, Gefühle, der Plot, der Dialog bewegen bzw. entwickeln, als auch durch die Schnittfrequenz hergestellt werden. Auch die Fallbeispiele aus Filmen sind natürlich großteils aufschlußreich, allerdings muß man sich die jeweiligen Filme eben selbst ausleihen, um die besprochenen Szenen zu sehen. Denn eines steht ja sowieso fest: nur durch Lektüre wird niemand Meister des Filmschnitts...
Fazit: Auch wenn das Buch unserer Meinung nach deutlich besser sein könnte, kann man sich dennoch einiges Verwendbares/Interessantes zur Thematik herausdestillieren.
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