| Buchkritiken : Creating Motion Graphics with After Effects von rob Mo, 5.August 2002
Es gibt wenig Bücher im Bereich Motion Graphics, die sich das Prädikat "Bibel" verdient haben - hier haben wir eines. Creating Motion Graphics with After Effects von Chris und Trish Meyer ist das Maß, an dem sich alle anderen After Effects Bücher seit Jahren messen lassen müssen. Wer sein Geld mit After Effects verdient, hat dieses Buch im Regal oder kämpft mit einer extremen Leseschwäche.
Was braucht es also, um aus einem Fachbuch eine "Bibel" zu machen? Zunächst einmal braucht es besondere Autoren. Chris und Trish sind VERY special: Sie zählen nicht nur zum Urgestein der Desktop Motion Graphics Bewegung, sie sind nicht nur die Gründer der einflussreichen MGLA (Motion Graphics Los Angeles), sind nicht nur Lehrer am renommierten American Film Institute - nein, sie machen bis heute extrem coole Animationen in den Bereichen Film-Titling, TV und Industrial: Will heissen: After Effects erschließt sich bei ihnen aus einer extrem erfolgreichen professionellen Praxis.
Womit wir auch schon den zweiten Aspekt in Sachen "was macht eine Bibel aus?" berührt hätten. Die Screenshots und Tutorials in diesem Buch sind größtenteils aus professionellen Projekten entnommen und dort, wo nicht, auf jeden Fall auf professionellem Niveau. Der Leser erfährt, dass man die Trailer, Intros, Trenner, die es jeden Tag im Fernsehen zu sehen gibt - die entsprechende Kreativität vorausgesetzt (!) - mit After Effects produzieren kann.
Heisst das, daß sich dieses Buch nur an professionelle Anwender richtet? Nun: Teils ja, teils nein. Zur Erklärung: Die Kapitel sind von der Komplexität der vermittelten Inhalte aufsteigend geordnet, wobei das erste Kapitel zur Einführung gedacht ist und durchaus für den Anfänger, der sich in Photoshop und Illustrator bewegen kann, keine unüberwindbare Hürde darstellen sollte.
Andererseits merkt man dem Buch sichtlich und wie ich persönlich finde, positiv an, dass hier Profis aus dem Nähkästchen plaudern. Was für den angehenden Motion Designer von Interesse ist, wird besprochen, erklärt, mit Tips garniert und mit technischem Hintergrundswissen vertieft - was für die tägliche Praxis nicht zu gebrauchen ist, wird weggelassen.
So entsteht ein Leitfaden für angehende und fortgeschrittene professionelle After Effects User, den ich jedem ans Herz lege, der sein Geld mit dieser Software verdient oder verdienen möchte.
Einzige Wehrmutstropfen:
1. Das Buch ist für die Version 4.1 von After Effects geschrieben, was bedeutet, daß die tollen neuen 3D-Features, die in der 5er Version dabei sind, nicht zum Zuge kommen 2. Es gibt keine deutsche Fassung - man sollte hinreichend gut englisch lesen können.

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