| Buchkritiken : Adobe Encore DVD 1.5 - Professionelle DVDs gestalten und produzieren von Horst Stenzel Mo, 10.Oktober 2005
Manche DVD-Authoring-Programme kommen quietschbunt daher wie ein Plastikspielzeug. Ihr Design lässt keinen Zweifel daran, es mit einem Amateur-Programm zu tun zu haben. Adobe geht einen anderen Weg und hat seine Produkte in einer höheren Sphäre angesiedelt. Es sind professionelle Tools. Und die 4.000 Mitarbeiter der Software-Schmiede in San Jose auf der San Francisco gegenüberliegenden Seite der Golden Gate Bridge tun alles, die verschiedenen Produkte kunstvoll miteinander zu vernetzen. So kommt der Anwender kaum daran vorbei, gleich ganze Pakete zu ordern und so den Konzern-Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar weiter in die Höhe zu treiben.
Ganz auf dieser Linie liegt Encore DVD, das in der Version 1.5 vorliegt. Anders als Premiere oder Photoshop, mit denen es hervorragend korrespondiert, hat Encore eher eine spartanische Oberfläche. Sie hat den Vorteil, dass auch dem Newbie der Einstieg in die DVD-Materie keine größeren Schwierigkeiten bereiten dürfte. Warum also ein Handbuch, das immerhin mit 39,90 Euro zu Buche schlägt? Die Lektüre offenbart, das nicht alles so einfach ist, wie es ausschaut. Der Leser wird gespickt mit Grundwissen über die DVD. Es ist ein Grundkurs über dieses Speichermedium vorgeschaltet, bevor das eigentliche Programm und seine Menus erklärt werden. Der Autor gibt auch reichlich Tipps, wo Freeware wie VOBEdit im Internet zu finden ist, um zum Beispiel eine vorhandene DVD aufzudröseln und die darauf befindlichen Inhalte für ein neues Projekt zu verwenden.
In jedem Falle sollte die Herstellung einer DVD nach Lektüre dieses Buches auch dem Anfänger den Frust ersparen, der sich nach mehreren misslungenen Brennversuchen einstellt. Man kann sich darauf verlassen, dass die Anleitungen zum Erfolg führen.
Anders als die hauseigenen Adobe-Publikationen ist dieses Buch nicht geschrieben, um zu zeigen, wie toll das Programm ist. Die kritische Distanz ermöglicht es dem Leser, selbst abzuschätzen, welchen Weg er bei der Produktion einer DVD einschlagen soll. Ausführlich wird auch erklärt, wie am Ende das Projekt so aufbereitet wird, dass eine Übergabe an ein Presswerk zur Massenkopie möglich ist. Eine beiliegende DVD enthält das Videomaterial für die im Buch beschriebenen Beispiele (leider in der amerikanischen Norm NTSC , was aber bei Encore DVD eigentlich keine Rolle spielt). Enthalten sind außerdem drei nützliche Hilfsprogramme, zum Beispiel zur Untertitelung von Filmen. Da fragt man sich dann, warum Adobe so etwas nicht gleich in seine Software integriert hat. Alles in allem ein nützliches Buch, auch wenn sein Preis ein wenig schmerzt.
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