Wim Wenders A Sense of Place. Texte und Interviews Verlag der Autoren Broschiert - 333 Seiten Sprache: Deutsch Erschienen: Oktober 2005 ISBN: 3.88661.276.7 Preis: 22 Euro
Alice in den Städten. Tokyo-Ga. Paris, Texas. Der Himmel über Berlin. Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten. Bis ans Ende der Welt. In weiter Ferne, so nah! Lisbon Story. Land of Plenty. -- Wim Wenders hat schon so manchen Film gedreht. Davon handelt der eine oder andere von Musik. Beinahe alle aber handeln mehr oder weniger explizit von Orten, wie ein roter Faden zieht sich diese Thematik durch sein Filmschaffen. Kein Zufall also, daß seine Produktionsfirma Road Movies hieß. Und alles andere als zufällig auch der Titel dieses Buches, A Sense of Place, das Vorträge, Vorworte, Interviews und ähnliches von bzw. mit Wim Wenders enthält.
Auch hier steht Räumliches im Mittelpunkt. Was unterscheidet einen schnöden Drehort von einem Schauplatz? Wie kann ein Ort eine Geschichte schreiben, vorantreiben? Und was ist so faszinierend an Städten wie Brasilia, Tokyo, Los Angeles? Solchen Dingen geht Wenders in seinen Texten nach. Aber nicht nur. Natürlich geht es auch um Film - diese zwei Dinge lassen sich bei ihm nicht von einander trennen. Auch dem digitalen Filmemachen sind einige Seiten gewidmet, Wenders ist dem ja durchaus aufgeschlossen (Land of Plenty z.B. wurde auf DV gedreht).
Übrigens, so erfährt man in einem Gespräch zwischen Dennis Hopper und Wenders, wußte er erst nach seinem dritten Film, daß er wirklich Regisseur werden wollte. Und ein entscheidender Tip für seine Arbeit kam vom Kollegen Nicholas Ray, der seinen Schauspielstudenten zu sagen pflegte: tu alles so, als würdest du es zum ersten Mal machen. Und wenn das absolut nicht geht, dann tu es so, als wäre es das letzte Mal. Das klingt schön und paßt auch wirklich zu seinen Filmen.
Etwas störend wirkt das Textlayout bei den von Wenders selbst stammenden Texten. Wie Gedichte sind sie gesetzt, mit häufigen Zeilenumbrüchen. Vielleicht sollte den Texten dadurch mehr Gewicht verliehen werden, wer weiß, das Resultat wirkt eher leicht pretentiös. Jedenfalls fühlten zumindest wir uns im streng vorstrukturierten Leseraum beengt.
Fazit: Man muß nicht Geograph sein, um in diesem Buch viel interessantes zu finden. Wahrscheinlich sollte man aber schon (wie wir) Filme wie etwa Der Himmel über Berlin schätzen, denn zum oberflächlichen Durchblättern ist das Buch doch etwas zu teuer.
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